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Datum: 02.09.2010

Ein Denkmal für die Frau am Steuer

PFORZHEIM. Bertha Benz hat Autogeschichte geschrieben: Das würdigte die Stadt Pforzheim seit Samstag mit einer Skulptur, die vor dem CongressCentrum an die Fahrt der flotten Dame von Mannheim nach Pforzheim erinnert.

Von Roger Rosendahl

Tausende feierten mehr als sechs Stunden lang bei Kaiserwetter die Pioniertat der Bertha Benz. Filmkameras summten, Fotoapparate klickten, tolle Motive gab es haufenweise: Zum Beispiel beim Autokorso über 120 Jahre Automobilgeschichte von der Neuzeit bis zum Jahr 1888 mit PZ-Gewinnerin Annerose Clas als Bertha-Benz-Darstellerin am Steuer des Benz-Patentwagens. Mit dabei auch die Benz-Söhne Richard und Eugen, dargestellt von Pascal Lorenz und Dominique Eitel.

Feiernde Urenkelin

Mitgefeiert hat auch die Urenkelin von Bertha Benz, Jutta Benz, die am Schluss der Enthüllungsfeier mit dem Bertha-Benz-Patentwagen eine Runde drehte, wobei Künstler René Dantes sich einen Wunschtraum erfüllen konnte: Sich einmal wie Bertha Benz am Steuer dieses Gefährts fühlen.

Von der Oldtimer-Ausstellung „Auto Nostalgie“ bis zur Show des Kristallmagiers Ruven Nagel, vom angebotenen Bertha-Benz-Kugelschreiber als Sonderedition bis zu den Klängen der Dampfhammer-Jazzband: dieses Fest wollte nicht nur Automobil- sondern auch Stadtgeschichte schreiben.

Dynamische Skulptur statt Plagiat

Der Benz Patent-Motorwagen wirkt stilisiert, wobei die fließenden Formen des Fahrzeugs in spiralisiert dargestellte Räder übergehen, die scheinbar rollen. Die Skulptur endet vorn mit einer Spitze, die in Richtung Straße weist. So nimmt der Motorwagen Kontakt mit dem vorbeifließenden Verkehr auf. „Wir wollten kein Plagiat des ursprünglichen Benz-Patentwagens nachkupfern, sondern in einer modernen Stadt eine dynamische Skulptur schaffen, die zu Pforzheim passt“, so Peter Ketterer, Vorsitzender des Verkehrsvereins, der die Skulptur in Auftrag gegeben hatte.

„Es soll ja immer noch Männer geben, die behaupten, Frauen könnten nicht Auto fahren“, sagte Oberbürgermeisterin Christel Augenstein bei der Enthüllungsfeier auf dem Waisenhausplatz. „Eine Behauptung, die von Anbeginn der Automobilgeschichte definitiv falsch war: Denn es war ja gerade eine Frau, die erstmals das Wagnis einer Überlandfahrt mit einem motorgetriebenen Wagen auf sich genommen hat“, so Augenstein. „Ich freue mich, dass es der Verkehrsverein Pforzheim mit der Unterstützung zahlreicher Sponsoren geschafft hat, 120 Jahre nach der historischen 106 Kilometer langen Tour von Mannheim nach Pforzheim der Tochter unserer Stadt ein Denkmal zu setzen“, betonte die Oberbürgermeisterin.

OB Augenstein: Skultur wird ankommen

Es sei durchaus eine alte Pforzheimer Tugend, nicht viele Worte zu machen, sondern zu handeln. So habe es Bertha Benz gehalten. Auf dem Zettel, den sie ihrem schlafenden Mann vor ihrer legendären Autofahrt hinterlassen habe, stand schlicht: „Wir sind zur Oma nach Pforzheim gefahren.“

Zu Künstler René Dantes, der bei der Arbeit an dieser Skulptur ein Stück weit die Mühsal nachempfinden konnte, die Bertha Benz und ihre beiden Söhne auf dem Weg von Mannheim nach Pforzheim auf sich genommen hatten, sagte Augenstein: „ Ihre Plastik weist keine einzige Gerade auf, was die Bearbeitung des Metalls zu einer besonderen Herausforderung machte und Ihnen Einfallsreichtum und Improvisationstalent abverlangte. Und wie bei Bertha Benz kann sich das Ergebnis sehen lassen. Ich bin überzeugt, diese Bertha Benz wird gut in Pforzheim ankommen.“

Weg mit der Hülle! Annerose Clas, Reinhilde Oelschläger, Christel Augenstein, Jutta Benz und Daimler-Vertreter Jürgen Wittmann (von links) geben das Denkmal frei.


So sah sie aus: Jutta Benz übergibt Christel Augenstein (rechts) ein Bild ihrer Urgroßmutter Bertha Benz für das Rathaus.


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