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Datum: 09.09.2010
Chancen rechnet man sich in Birkenfeld und Keltern noch immer aus: In beiden Gemeinden wird an Konzepten gefeilt, wie man möglichst viel Werkrealschule machen kann, ohne eine zu sein.
Foto: Burgi, Archiv

Klar zum Entern der neuen Schule

BIRKENFELD/KELTERN. Werkrealschule machen, ohne eine zu sein? In Birkenfeld soll genau das jetzt passieren. Der Ganztagsunterricht macht es möglich. Auch in Keltern ist man in Sachen neue Schulart klar zum Entern.

Von Alexander Heilemann
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Wenn ab Herbst die ersten Werkrealschulen im Land starten, darunter einige in Pforzheim und im Enzkreis, sind Keltern und Birkenfeld nicht dabei. Jedenfalls nicht auf dem Papier. Im Unterrichtsalltag wird das anders aussehen. Auch ohne den entsprechenden Namen wollen die verhinderten Partnerschulen Werkrealschule machen. In Birkenfeld praktisch deckungsgleich, soweit es rechtlich möglich ist. In Keltern machen sich Schule und Verwaltung ebenfalls Gedanken, wie man möglichst viel Werkrealschule in die Hauptschule packen kann.

Wie kann das gehen? Zum einen hilft, dass die Unterschiede zwischen altem und neuem Schultyp in den meisten Klassenstufen nicht gerade riesig sind. In den Klassen fünf bis sieben geht es nur um kleinere Anpassungen. Den grundsätzlichen Bildungsplan des neuen Modells müssen ohnehin alle Hauptschulen übernehmen, um jedem Schüler jederzeit einen Wechsel zu ermöglichen (die PZ berichtete).

Die Ludwig-Uhland-Schule Birkenfeld will aber noch viel weiter gehen. Rektor Wiegand kündigt an, auch die Elemente anzubieten, die das eigentlich Neue der Werkrealschulen ausmachen sollen. Vor allem die drei Wahlpflichtfächer in den Klassen acht und neun. Sie sind der eigentliche Grund, weshalb das Kultusministerium Baden-Württemberg auf mindestens zwei Werkrealschulklassen pro Jahrgang besteht – es müsste genügend Schüler geben, um sie in sinnvollen Gruppen auf die drei Fächer Natur und Technik, Gesundheit und Soziales oder Wirtschaft und Informationstechnik aufteilen zu können. Für zwei Unterrichtsstunden pro Woche. „Dank unseres Ganztagsunterrichts können wir das auch machen“, sagt Wiegand. Schon heute stehen zwei Stunden Technik als Wahlfach am Nachmittag auf dem Plan. Da würden auch die anderen Profile hineinpassen, meint der Rektor. Noch geklärt werden muss die Frage der Benotung.

Aus der Not eine Tugend machen

Die Abschlussklassen der Werkrealschulen sollen in Kooperation mit Berufsfachschulen unterrichtet werden. Auch diese Möglichkeit möchte Wiegand sondieren. „Ansonsten müssten einige Schüler für die Zehnte wechseln“, so der Rektor. Aber auch das ist Zukunftsmusik. Für die heutigen Neuntklässler und den folgenden Jahrgang bliebe vorerst ohnehin alles beim Alten. Solange bleibt im Grunde Zeit, auch dem Namen und dem Abschluss nach eine Werkrealschule zu werden.

In Keltern will man aus der Not eine Tugend machen. Die Klassen in der Hauptschule im Speiterling in Dietlingen sind klein. „Das kann man auch als Stärke nutzen“, meint Bürgermeister Ulrich Pfeifer, der auch vorschlagen will, die Ausstattung der Schule zu verbessern. Die Wahlpflichtfächer der Werkrealschule nachmittags ins Programm für die Klassen acht und neun zu nehmen, hat auch Pfeifer als Idee im Hinterkopf. Das wäre realistisch, meint Schulsozialarbeiter Stefan Birr, der für die Nachmittagsangebote zuständig ist. Weil das Ganztagsangebot in Keltern anders als in Birkenfeld keine Pflicht für die Schüler ist, wäre auch der Unterricht in den drei neuen Profilen freiwillig. Eine zehnte Klasse gibt es in Dietlingen derzeit ohnehin nicht.

Ein Stück Werkrealschule ohne das Etikett. Hinter diesen Anstrengungen stecken zwei Überlegungen. Die Schüler sollen auf demselben Stand sein wie ihre Altersgenossen, die auf eine Schule neuen Typs gehen. Und zum anderen geht es um ein Signal an die Eltern, dass ihre Kinder nichts verpassen. Ulrich Pfeifer meint, nach der ausgefallenen Gemeinderatsentscheidung einige enttäuschte Elterngesichter gesehen zu haben.

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