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Datum: 02.09.2010
Abschied vom Städtle: Die Firma Schrauben-Walter zieht ins Gewerbegebiet Wilhelmshöhe. Damit zieht sich ein weiteres Geschäft aus Neuenbürg s Innenstadt zurück.
Foto: Seibel

Ladensterben in Neuenbürg: „Die Situation wird sehr schwierig“

NEUENBÜRG. Das neue Jahr bringt Veränderungen für Neuenbürgs Innenstadt. Manche Geschäfte verlassen das Städtle, andere fürchten Umsatzeinbußen durch die Vollsperrung der Marxzeller Straße im Herbst 2009.

Von Nicola Hiller

„In der Innenstadt bricht immer mehr weg, in Zukunft wird sich oben mehr abspielen“, sagt Timo Walter. Nach zweieinhalb Jahren in der Innenstadt wird er Ende Dezember das Geschäft in der Marktstraße aufgeben und auf die Wilhelmshöhe ziehen. Mit etwas weniger Ausstellungsfläche hofft der Inhaber von Schrauben-Walter in der Daimlerstraße auf eine bessere Zukunft als im Stadtkern.

Nachfolger für Post in Sicht

„Die Laufkundschaft in der Stadt ist für uns gleich null“, sagt er. Timo Walter ist überzeugt, dass sich die Situation mit weiteren Geschäftsaufgaben zuspitzt. Erste Vorboten gibt es: Auch die Inhaberin des Schuh-Geschäfts in der Marktstraße hat angekündigt, 2009 ihre Pforten zu schließen. Im Frühjahr verabschiedete sich der Spielwarenladen aus der Bahnhofstraße (PZ hat berichtet).

Allerdings soll die Postfiliale im Stadtkern erhalten bleiben. Bislang hat Timo Walter die Agentur betrieben, will diese Dienstleistung jedoch am neuen Standort nicht weiter anbieten. Laut Post-Sprecher Horst Gimber steht die Post kurz vor einem Vertragsabschluss mit einer Nachfolgerin. Gimber geht davon aus, dass es im Stadtkern nahtlos am 2. Januar wieder eine Postfiliale geben wird. Ob an gleicher Stelle wie derzeit, stehe jedoch noch nicht fest.

Klar ist jedoch für Günter Moldenhauer, dass es im Städtle „sehr schwierig“ wird. „Ich bin froh, dass ich schon so alt bin“, sagt der Inhaber des gleichnamigen Blumengeschäfts, der aus Altersgründen Ende 2009 seinen Laden in der Wildbader Straße aufgeben wird. Eigenen Angaben zufolge versucht er gerade, die Immobilie zu verkaufen. Moldenhauer blickt traurig auf die Entwicklung des Einzelhandels in der Innenstadt zurück, die sich mit der Insolvenz des „Eisen Haag“ stetig verschlechtert hat. „Wir haben eigentlich kein Vollsortiment mehr“, sagt der Stadtrat.

Sorge bereitet ihm daher auch die geplante Vollsperrung der Marxzeller Straße, die ab Herbst 2009 saniert werden soll. Obwohl er Verständnis für die Baumaßnahme hat, rechnet Moldenhauer dadurch zum Schluss seiner Geschäftslaufbahn mit Umsatzeinbußen von 30 Prozent.

Der Vorsitzende des Wirtschaftsbunds Neuenbürg, Steffen Müller, akzeptiert ebenfalls, dass an der Zufahrt ins Stadtzentrum etwas gemacht wird. Nach den schlechten Erfahrungen mit den Bauarbeiten an der Hosenbrücke hielte er es jedoch für sinnvoller, mit der Maßnahme nicht im Herbst zu beginnen. „Da kommt man voll in den Winter rein und hat noch Weihnachten dazwischen“, rechnet er mit Verzögerungen.

Nachdem das Thema Stadtmarketing seit langem im Dornröschenschlaf schlummert, fordert Müller nun einen Impuls von Stadtverwaltung und Gemeinderat, wie es mit der Innenstadt weitergeht: „Wenn da keine Richtung vorgegeben und ein Zeichen gesetzt wird, wird es schwer, die Läden am Leben zu erhalten.“

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