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Datum: 02.09.2010

Wörz-Prozess: Polizist versteht die Welt nicht mehr

BIRKENFELD/MANNHEIM. Die Richter des zum dritten Mal aufgerollten Strafverfahrens gegen Harry Wörz aus Gräfenhausen nehmen weiter die Arbeit der Karlsruher Polizei genau unter die Lupe. Warum die Beamten fast vier Stunden verstreichen ließen, bis sie den Polizeikollegen Thomas H. in Pfinztal festnahmen, ist nach wie vor unklar.

Von Ralf Steinert
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Der Birkenfelder Harry Wörz soll 1997 seine Ex-Frau mit einem Wollschal fast erdrosselt haben. Er bestreitet die Tat. Vor dem Landgericht Mannheim ist der Prozessmarathon in eine neue Runde gegangen. (Archiv-Video 22.04.09)
Am Mittwoch versuchte das Landgericht Mannheim herauszufinden, welche Beamten aus Karlsruhe am Morgen des 29. April 1997 vor dem Haus von Thomas H. dabei waren. Ihn verdächtigte die Pforzheimer Kripo vor zwölf Jahren neben Wörz, die Polizistin Andrea Z. in ihrem Haus in Birkenfeld fast getötet zu haben. Die Akten über das Vorgehen der Karlsruher Polizisten gaben bisher nicht viel her.

„Es ärgert mich, dass ich damals nur 08/15-Berichte geschrieben habe“, sagte ein Beamter. Tagelang habe er jetzt versucht, sich an die Observation und die Festnahme zu erinnern: „Ich habe mir den Kopf zerbrochen, ob wir den Motor seines Fahrzeugs auf Restwärme geprüft haben.“

Knapp eine halbe Stunde nach der Tat in Birkenfeld standen die Beamten ab 3 Uhr vor dem Anwesen von Harry Wörz in Gräfenhausen sowie Thomas H. in Pfinztal. Ein Kripomann entschied in Pfinztal, dass „wir jetzt in die Wohnung reingehen“. Im Wohnzimmer sei die Ehefrau von Thomas H. „zittrig in ihrem Nachthemdchen“ dagestanden, sagte der Polizist. „Das kann aber nicht sein“, hielt ihm der Vorsitzende Richter Rolf Glenz entgegen, „denn die war schon weg, auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle. Und das ist für das Gericht gesichert“, so Glenz. Der Karlsruher Polizist verstand die Welt nicht mehr.

Die Tüte nicht mitgenommen

Auch die Ermittlungsergebnisse der Pforzheimer Polizei geht die 3. Strafkammer akribisch durch. Eine Plastiktüte – mit markierten Zigarettenschachteln und Drogentütchen sowie Einweghandschuhen, wie sie Wörz oft trug – auf einer Treppe am Tatort deutete laut Ermittlern auf den Installateur und Bauzeichner aus Gräfenhausen. Der damalige Leiter der Kriminaltechnik hatte freilich die Tüte nicht mitgenommen.

Der Vater von Andrea Z. habe ihm erklärt, das wären Putzsachen, die zum Haushalt gehören, rechtfertigte sich der Beamte. Sein Stellvertreter sagte am Mittwoch jedoch, ein Kriminalpolizist habe die Plastiktüte im Glauben mitgebracht, der Leiter der Spurensicherung habe sie vergessen. Mit seinem Vorgesetzten habe er „seit langem Krach“ gehabt, fachlich lasse er aber nichts auf ihn kommen.

„War er denn ein Schlamper?“, fragte Richterin Beck. „Nein“, sagte der Spurensicherer, um anzufügen, später habe die Kripo seinen Chef von einem Mordfall in Pforzheim abgezogen, „bevor es wieder so ein Durcheinander an einem Tatort gibt“. In der Wohnung von Wörz habe die Kriminaltechnik eine „triefend nasse Jogginghose“, die über der Badewanne lag, noch einen Tag zum Trocknen dagelassen. Wörz hätte behauptet, er habe die Hose „mit Heizöl versaut und ausgewaschen“. „Aber ich habe kein Öl gerochen“, so der Beamte, der vermutete, dass Spuren beseitigen werden sollten.

Der Angeklagte dagegen sagte, bei der Durchsuchung habe er mit dem Kriminaltechniker „gar nicht gesprochen“. „Er hat einige Erinnerungslücken“, sagte hingegen der Spurensicherer.

Der Prozess wird heute um 9 Uhr im Landgericht Mannheim fortgesetzt.

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