Wenn der Lunge die Luft ausgeht
PFORZHEIM. Eine Lungenkrankheit, der Ärzte den unhandlichen Namen COPD verpasst haben, wird laut Weltgesundheitsorganisation im Jahr 2020 die dritthäufigste Todesursache sein. Deshalb fand Aufklärung im PZ-Forum statt.
Dr. Michael Schnölzer, Chefarzt der Espan-Klinik in Bad Dürrheim, sprach in einer Gemeinschaftsveranstaltung der Gesundheitskasse AOK Nordschwarzwald und der Pforzheimer Zeitung im PZ-Forum über die weitgehend unbekannte COPD. Das sei eine Abkürzung für „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“, auf deutsch: „chronisch obstruktive Lungenerkrankung“.
Das Gefährliche an der Lungenkrankheit sei: „Die Erkrankung nimmt einen schleichenden Verlauf und wird dadurch meist zu spät festgestellt“, so der Referent. Bemerkbar mache sich COPD durch häufiges Husten, Auswurf und durch Atemnot.“ Wer acht Wochen lang diese Symptome zeige, müsse die Ursachen abklären lassen. So sollten beispielsweise ein Lungenfunktions- und ein Allergietest ebenso gemacht werden wie ein Röntgenbild. Die Vorstufe chronische Bronchitis, bei der immer mehr Schleim gebildet wird, könne sich zur COPD entwickeln. „Rauchen oder Stress können der Auslöser dafür sein, dass sich die wichtigen Flimmerhärchen in den Bronchien, die den Schleim aus den Atemwegen transportieren, zerstört werden.“
Das Lungenemphysem, bei dem Gewebe abgebaut wird, habe eine permanente Erweiterung des Lungenvolumens zur Folge. „Es kommt zur Überblähung, weil die Luft zwar noch ein-, aber nicht mehr ausgeatmet werden kann.“ Hier liege die Gefahr: „Sauerstoffmangel hat langfristige Folgen auf den Körper.“ Doch man habe etwas in der Hand, so Schnölzer: Unbedingt mit dem Rauchen aufhören. Inzwischen gebe es gute Nikotinersatzstoffe und Therapien, die erfolgversprechend seinen.
Doch nicht nur Rauchen alleine könne Auslöser der COPD sein. Auch der vererbte Mangel an Alpha-1-Antitrypsin, ein Eiweißstoff, der das Lungengewebe schützt, könne dazu führen, dass man daran erkranke. Hier seien Infusionen, die bei Nichtrauchern von den Krankenkassen bezahlt werden, hilfreich.
„Betroffene haben es aber selbst in der Hand, ihre Lebensqualität zu steigern“, weiß der Chefarzt. Er ermuntert – auch Kranke, die bereits mit Sauerstoff versorgt werden müssen – zum Sport. „Körperliche Aktivität steigert die Lebensqualität und führt zu weniger Husten und Atemnot.“ Vor allem in Selbsthilfegruppen gelinge der Sport, der aber auch im Rahmen eines Reha-Aufenthalts gestartet werden könne.
Hilfreich seien Arzneimittel, die die Atemwege erweitern, Entzündungen hemmen und den Schleim lösen. „Ich empfehle eine jährliche Grippeimpfung, derzeit auch die gegen die Neue Grippe, sowie eine Impfung gegen Pneumokokken, weil diese Bakterien häufig akute Verschlechterungen verursachen.“ Bei schweren Formen der COPD verbessere die Gabe von Sauerstoff die Situation der Patienten.
Wissenswertes zum Thema im Internet: www. lungensport.org