Schmuckwelten Pforzheim will mit Emotionen Menschen locken
PFORZHEIM. Schmuck und Uhren verkaufen oder die Historie der Traditionsindustrie erleben, das beschreibt nicht mehr umfassend das touristische Vorzeigeobjekt. Die Schmuckwelten sind zur goldenen Traumfabrik geworden.
Eines der spektakulärsten Projekte der Pforzheimer Traditionsindustrie wurde am 17. Juni 2005 feierlich eröffnet. Die als „europaweit einzigartig“ geltenden Schmuckwelten im Industriehaus, mitten im Herzen der Stadt, sind konzipiert, um der Welt ein „Schaufenster der regionalen Schmuck- und Uhrenfirmen“ zu geben. Das Ziel: All das, was in den Manufakturen der Region an hochwertigen und modischen Preziosen gefertigt wird, solle an einem repräsentativen Platz dargestellt und verkauft werden können.
Dieses Ziel ist erreicht, bekräftigte Geschäftsführer Michael Buck knapp ein halbes Jahr vor dem fünfjährigen Bestehen: „Eine größere Auswahl hat niemand“, sagte er im PZ-Gespräch. Immerhin könnten die Kunden bei „Europas größtem Einzelhändler“ der Branche aus mehr als 200 Marken bei über 65 000 Schmuckstücken und Uhren auswählen – angefangen vom hochwertigen Juwelier über den modischen Trend-Laden bis hin zum Souvenier-Verkauf. Buck lobt „die Beratungskompetenz des Fachpersonals“ in den Shops.
Dies könne das Internet nicht bieten. Beleg dafür: Das Haus wurde als „serviceorientierter Dienstleister“ zertifiziert. „Unser Ansatz heißt „Faszination erleben“, erklärte der Geschäftsführer. Dieser Anspruch dominiere auch in der Vermarktung: „Wir versuchen das Haus sehr emotional zu verkaufen.“ Dazu gehört freilich auch die Historie der Traditionsindustrie, die in den sogenannten Erlebniswelten schier märchenhaft dargestellt wird.
Was Buck hingegen bemängelt, sind Teile des innerstädtischen Umfelds: „Die Emotionen brechen nach dem Verlassen der Schmuckwelten leider zu schnell ab und die Anreize, die Bahnhofstraße in Richtung Innenstadt zu überqueren, sind trotz aller unserer kommunikativen Bemühungen noch nicht hoch genug.“ Der Geschäftsführer denkt hierbei etwa an den Vorschlag, „goldene und schmucke Objekte“ auf Wegen und Plätzen so zu installieren, dass sie das Bild von Pforzheims City mitbestimmen. Damit könne „dem Namen der Goldstadt alle Ehre gemacht und die touristische Vermarktung deutlich verbessert werden“, ist er überzeugt. Nachdem Pforzheim „nicht mehr mit den Reizen einer tollen historischen Innenstadt werben kann“, könne eine solche Inszenierung als „weltweit bekannte Marke“ aufgebaut werden.
Ohnehin spielen touristische Überlegungen bei Buck eine immer größere Rolle: Über den Handelsbereich hinaus ist das Goldstadt-Schaufenster nämlich nicht nur Event-Arena für Shows, Ausstellungen und andere Veranstaltungen geworden, mehr noch: der Geschäftsführer und sein Team werden immer mehr zu Touristikern. Denn: Reiseveranstalter, die beispielsweise ihre Busfahrten über Pforzheim lenken und ins Programm einen Besuch in den Schmuckwelten einbauen sollen, müssen intensiv umworben werden: „Wir konkurrieren mit zahlreichen Anbietern von attraktiven Angeboten“, sagte Buck. Deshalb präsentiert er den Reiseunternehmen „mundfertige Programme, angefangen von der Ablaufplanung bis hin zu Fotos und Texten für die Reisekataloge“. Auch das Ausleihen der „goldenen Flotte“ – Porsche und Oldtimer-Bus mit 22 Karat Auflage – gehört zum Konzept der Vertriebsoffensive, mit der die Goldstadt-Attraktion bei unterschiedlichen Veranstaltungen ins Blickfeld gerückt wird.
Verbunden mit den Reise-Angeboten der Schmuckwelten sind oft auch andere Ziele in der Region. Zum Beispiel ein Besuch in der Hesse-Stadt Calw oder im Jahr 2012 „die Landesgartenschau in Nagold. Das ist eine hervorragende Achse zu den Schmuckwelten nach Pforzheim“, sagte Buck und nannte zudem Kooperationsgespräche mit der Stadt Mühlacker im Hinblick auf das „Grünprojekt 2015“ (kleine Gartenschau). Das Motto für eine derartige Zusammenarbeit sei: „Bündeln, abstimmen, Synergien nutzen und Mehrwert generieren.“
Mit ihren Event-Paketen gehen die hauseigenen Touristiker der Schmuckwelten zu allen wichtigen Messen, um ihre Angebote vorzustellen. Die CMT (Caravan, Motor, Touristik) in Stuttgart oder die ITB (Internationale Tourismus-Börse) Berlin sind nur einige der Plattformen, die zur Präsentation der Goldstadt-Attraktion genutzt werden.
Standortförderung für die Region
Längst schon seien die Schmuckwelten ein bedeutender Teil der Standortförderung für die gesamte Region, machte Buck deutlich: „Wir sind durch den Betrieb an sich schon ein wirtschaftsförderndes Element und erhöhen die Attraktivität der Gesamtregion als Ausflugs- und Urlaubsziel.“ Davon profitierten unter anderem auch Gastronomie und Hotellerie sowie Einzelhandel in der Stadt sowie im weiteren Umfeld.
Die Vorbereitungen zur Feier des fünfjährigen Bestehens ab Juni laufen auf Hochtouren. Details wollte der Geschäftsführer noch nicht nennen, nur so viel: „Die Authentizität von Pforzheim als Gold-, Schmuck- und Uhrenstadt wird im Rahmen des Jubiläums erlebbar sein.“ Und: Zum fünften Geburtstag gönnt sich der Jubilar eine neue, bedienungsfreundlichere Eingangstür am Haupteingang Leopoldplatz – „den vielen Kundenanregungen folgend“, sagte Buck.