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Datum: 09.09.2010

Folge vom 31.07.10

Sportler sind komische Typen. Sind irgendwann erfolgreich und glauben dann, dass es auf ewig so weitergeht. Lothar Matthäus kickte mit 39 noch in der Fußball-Nationalmanschaft und ging bei der EM 2000 unter. Lance Armstrong hat siebenmal die Tour de France gewonnen, dieses Jahr wollte er es unbedingt noch einmal wissen – und kam kaum die Berge hoch. Ein Mythos, der sich selbst zerstört hat.

Von Alexander Huberth

Politiker sind da konsequenter, jedenfalls die neue Generation. Vorbei die Zeiten eines Helmut Kohl, der an seinem Regierungsstuhl klebte wie Pattex und schließlich vom Wähler aus dem Amt gejagt werden musste. Die Herren Köhler, Koch und von Beust sind da aus anderem Holz geschnitzt. Kaum haben sie keinen Bock mehr auf ihren Posten, widmen sie sich fortan eben wichtigeren Dingen. Der Familie, dem Angeln, dem Müßiggang, was man halt so macht. Echte Vorbilder.

Sollte ich auch tun. Einfach diese Kolumne in den Wind schießen. Natürlich, es hängen Erinnerungen dran, kein Wunder, nach mehr als sieben Jahren und knapp 400 Folgen. Texten über Ex-Freundinnen und aktuelle Gattinnen, Kumpels und Köter, Krankheiten und Katzen. Und nach Texten über mich, meine Unzulänglichkeiten, peinliche Begegnungen, handwerkliche Missgeschicke. Das wirft man doch nicht so einfach weg. Oder?

Warum eigentlich nicht? Was Politiker können, kann ich schon lange. Einfach mal sagen: So, Freunde, das war’s, ich widme mich fortan meiner Frau und meiner Stieftochter, meinen Tieren und – selbstverständlich – meinen anderen Aufgaben hier im Hause PZ.

Und wie es der Zufall so will, platzte mitten hinein in diese Überlegungen eine Nachricht von enormer Tragweite. Erstens: Heute ist mein letzter Arbeitstag fürs Magazin, ich wechsle in ein anderes Ressort. Zweitens: Das Magazin wird umgestaltet und erscheint kommende Woche in neuem Gewand.
„Prima“, sagte ich mir, lief zum Chef und verkündete: „Chef, ich stelle die Kolumne ein, sieben Jahre sind genug.“
„Wie jetzt?“
„Ich höre auf. Konzentriere mich auf andere Dinge. Familie, Freizeit, Feste feiern.“
Der Chef zog die Stirn kraus. „Können Sie nicht machen, Huberth. Was sollen denn Ihre Leser sagen?“
„Die beiden werden es schon verkraften“, sagte ich. Das hat er dann auch gleich eingesehen und die Sache war durch.

Danach habe ich meiner Familie die Botschaft verkündet, ich rief sie alle zusammen, Aurélie (a), Toni (b), Samson (c) und Luigi (d). Ich dachte, sie seien entsetzt, weil ich sie fortan nicht mehr würde groß rausbringen können, ins Licht der Öffentlichkeit rücken. War aber nicht so. Vielmehr sind sie glücklich, dass sie (a) in Zukunft mit mir schimpfen, (b) frech sein, (c) mit anderen Rüden raufen und (d) mein Bein mit einem Kratzbaum verwechseln können, ohne dass es am Samstag gleich in der Zeitung steht.

„Hurra!“, rief Aurélie.
„Hurra!“, brüllte Toni.
„Hurra“, bellte Samson.
„Hurra“, miaute Luigi.
Und damit ist ja nun wirklich alles gesagt.
Fast alles.

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, muss ich es nun auch noch beibringen. Ja, dies ist die letzte Folge von Huberths Welt. Sieben Jahre lang mussten Sie Woche für Woche die großen Wahrheiten und kleinen Flunkereien aus meinem Leben ertragen. Jetzt haben Sie am Samstag endlich wieder Zeit für wichtigere Dinge.

Wenn das kein Grund ist, „Hurra!“ zu schreien.


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