Baden-Baden schließt sich - um die Chancen zu erhöhen - einer gemeinsamen Bewerbung europäischer Bäder-Städte an, die im 19. Jahrhundert entstanden sind und mit extravaganter Bebauung und großen Parks aufwarten können. © dpa
24.07.2012

Baden-Baden bald Weltkulturerbe?

Die Kurstadt Baden-Baden soll Weltkulturerbe werden. Die baden-württembergische Landesregierung beschloss am Dienstag in Stuttgart, die Bäder- und Kurstadt vorzuschlagen. Baden-Baden sei ein «bedeutender Kulturort» mit einer langen Tradition mit dem entsprechenden Gebäudebestand, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). «Es ist einfach eines der Kleinode des Landes.»

Bildergalerie: Baden-Baden: Kurstadt und bald Weltkulturerbe?

Der Südwesten hatte beim Thema Weltkulturerbe erst Anfang Juli einen empfindlichen Rückschlag erlitten: Die Unesco lehnte es zum zweiten Mal hintereinander ab, der kurfürstlichen Schloss- und Gartenanlage Schwetzingen das begehrte Siegel zu verleihen. Das knapp 55 000 Einwohner zählende Baden-Baden schließt sich - um die Chancen zu erhöhen - einer gemeinsamen Bewerbung europäischer Bäder-Städte an, die im 19. Jahrhundert entstanden sind und mit extravaganter Bebauung und großen Parks aufwarten können.

Federführung bei der Bewerbung «Great Spas of Europe» ist Tschechien mit dem Bäderdreieck Karlsbad, Marienbad und Franzensbad. In Deutschland sind Baden-Baden und Wiesbaden gesetzt. Außerdem hat Bad Kissingen Interesse angemeldet. Als europäische Partner stehen Spa in Belgien, Vichy in Frankreich, Montecatini in Italien und die englische Stadt Bath bereit. Bath darf bereits den Titel für ihre barocke Stadtanlage und ihre römischen Bäder führen.

Baden-Baden beschloss bereits 2007, sich als Welterbe-Stätte zu bewerben. «Im Laufe der Debatte wurde uns jedoch klar, dass wir mit einer seriellen Bewerbung mehr Chancen haben», erläuterte Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner (CDU). Den touristischen Werbeeffekt durch das Siegel schätzt er gering ein. «Es geht eher darum zu erfahren, was diese Stadt ausmacht. Das schafft Identität.» Die Bürger seien schon jetzt durch die Nominierung stolz auf ihre Stadt.

Eine Einengung durch die Vorgaben der Unesco fürchtet Gerstner nicht. «Wir gehen mit einem klar umrissenen Kernbereich der Stadt rund um die Therme in die Ausschreibung. Dort sind große bauliche Änderungen weder möglich noch sinnvoll,» sagte er im Blick auf die Stadt Dresden, der wegen des Baus einer Brücke der Status aberkannt wurde. Baden-Baden habe auch einen Berater an der Seite, der bei der gescheiterten Schwetzinger Bewerbung dabei war. «Von diesen Erfahrungen können wir sicher profitieren.»

Die europäische Bäder-Gruppe trifft sich am 17. August in Wiesbaden. Dort will sie entscheiden, welche Städte ins Rennen gehen. In Deutschland muss dann die Kultusministerkonferenz der Nominierung noch zustimmen. Das Anerkennungsverfahren kann sich über Jahre hinziehen. Deutschland verfügt bislang über 37 Welterbe-Stätten, erst vor kurzem ist das Markgräfliches Opernhaus Bayreuth hinzugekommen.