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26.11.2008

Baden-Württemberg verabschiedet sich von der Hauptschule

STUTTGART. Baden-Württemberg verabschiedet sich von der Hauptschule. Vom Schuljahr 2010/11 an werden Viertklässler keine Hauptschulempfehlung mehr erhalten, kündigte eine Sprecherin des Kultusministeriums am Mittwoch in Stuttgart an. Die Werkrealschule soll als Weiterentwicklung der seit langem heftig umstrittenen Hauptschule etabliert werden.

An der Werkrealschule können die Schüler nach der zehnten Klasse die mittlere Reife oder nach neun Jahren einen Hauptschulabschluss machen. Das CDU/FDP-Landeskabinett soll in zwei Wochen über das neue Konzept beraten. Es sieht vor, dass Grundschüler eine Empfehlung für die Werkrealschule, für die Realschule oder das Gymnasium erhalten.
Die mitregierende FDP hatte dafür plädiert, dass die Werkrealschule die Hauptschule ablöst. „Wir wollen jedem Kind einen mittleren Bildungsabschluss ermöglichen, aber wir brauchen auch weiterhin den Hauptschulbildungsgang“, sagte die FDP-Abgeordnete Birgit Arnold. Sie fügte hinzu: „Wir wollen nur noch eine Empfehlung für die Werkrealschule geben, um die Stigmatisierung der Hauptschule wegzubekommen.“ FDP-Fraktionschef Ulrich Noll sagte der dpa: „Wenn es ein Türschild gibt, für das aber keine entsprechende Empfehlung mehr gegeben wird, kann man das Schild auch abmontieren.“
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) beklagte, das Land lasse die Hauptschulen langsam sterben, wenn die zwei- und mehrzügigen in Werkrealschulen umbenannt werden. Zwar werde es demnächst keine Empfehlung mehr für sie geben, aber die einzügigen Hauptschulen würden vorerst weiter bestehen. „Das Ganze sieht nach einem bildungspolitischen Eiertanz aus“, kritisierte der VBE-Landeschef Rudolf Karg. „Der Hauptschule selber verpasst man die letzte Ölung und gibt sie nun völlig auf, ohne es jedoch offen zuzugeben.“ dpa