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© Symbolbild: dpa
17.12.2014

Bußgeld und Prozesskosten: Amtsgericht verurteilt 64-jährigen Wildpinkler

Wenn die Blase drückt, darf man(n) sich nicht überall erleichtern: Das Amtsgericht Stuttgart hat am Dienstag einen Frührentner zu einem Bußgeld verurteilt, weil er Mitte August in den Schlossgarten gepinkelt hatte. Eine Polizistin ertappte ihn, als er hinter einem Busch seine Notdurft verrichtete. „Der Urinstrahl war bereits vom Streifenwagen aus zu sehen“, sagte sie.

Der frühere Elektrotechniker hatte Einspruch gegen die verhängte Geldstrafe eingelegt. Der Fall kam damit vors Amtsgericht. Er benutze Medikamente, die Blasenschwäche hervorriefen, argumentierte der Mann aus dem Stuttgarter Umland. Zudem sei eine öffentliche Toilette, die er habe benutzen wollen, geschlossen gewesen.Diese Begründung ließ die Richterin nicht gelten: Es seien genug nutzbare Toiletten in der Nähe des Parks vorhanden gewesen. „Da gibt es keinen Grund, den Schlossgarten dafür zu missbrauchen.“ Sie lehnte den Einspruch des Frührentners ab und verurteilte ihn: Neben 35 Euro Bußgeld muss er nun auch die Prozesskosten zahlen.

Polizeilicher Nebenschauplatz

Das Stuttgarter Ordnungsamt registrierte im laufenden Jahr bislang 385 Wildpinkler. Niemand gehe aber speziell auf Pinkel-Streife, hieß es beim Ordnungsamt. Dafür sei das Aufgabenspektrum der Kollegen zu groß. Über die Hälfte der Anzeigen kämen von der Polizei. Doch auch für die Gesetzeshüter ist Wildpinkeln eher ein Nebenschauplatz: „Wir haben da keinen Schwerpunkt darauf“, sagte ein Sprecher.

Wildpinkeln ist eine Ordnungswidrigkeit. Verboten ist die Notdurft auf allen Straßen und in öffentlichen Grünanlagen. Wird jemand erwischt, kostet das in Stuttgart nach Angaben des Ordnungsamts 35 Euro.Da es keine einheitliche Gesetzesregelung zur Höhe der Bußgelder gibt, obliegt die Festlegung den Städten und Gemeinden. In Köln beträgt das Verwarngeld zwischen 35 und 55 Euro. Wer auf einem Kinderspielplatz pinkele, müsse mit bis zu 200 Euro Strafe rechnen, hieß es vom dortigen Ordnungsamt.In Dresden kostet Wildpinkeln in der Regel 40 Euro, in Düsseldorf 35 Euro. Auch in Hamburg werden 35 Euro fällig – wenn jemand hinter ein Gebüsch pinkelt. Mitten auf Gehwegen kostet es dagegen laut Bezirksamt satte 100 Euro.