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22.09.2011

Ein Mord für 50 Euro? 15-Jähriger vor Gericht

Karlsruhe. Widersprüchliche Aussagen, kaum verwertbare Spuren sowie ein mysteriöser Todesfall: Ein 41-jähriger Mann und ein 15 Jahre alter Jugendlicher stehen seit Donnerstag wegen Mordverdachts vor dem Landgericht Karlsruhe. Der Vorwurf: Sie sollen im Februar in einer Pension in Bruchsal einen 48-jährigen Fernfahrer mit insgesamt neun Messerstichen in Hals und Oberkörper getötet haben. Danach seien sie mit zwei Handys, einen DVD-Player, einen Schlüsselbund und 50 Euro geflohen.

Die Leiche wurde erst Tage später vom Pensionswirt entdeckt. DNA-Spuren führten die Ermittler dann zu den beiden Angeklagten, die im März verhaftet wurden. Der Jugendliche war zum Tatzeitpunkt erst 14 Jahre alt. Oberstaatsanwalt Klaus Armbrust erklärte jedoch in der Verhandlung, der Junge sei körperlich und geistig reif genug für ein solches Verbrechen.

Während sich der Jüngere zu Beginn der Hauptverhandlung in Schweigen hüllte, beteuerte der 41-Jährige seine Unschuld. Minutiös berichtete der Bauarbeiter, was an dem Tag passierte. Er sei von einer Baustelle in Dortmund zurückgekommen, habe gemeinsam mit Kollegen noch gegessen, getrunken und den Abend verbracht.

Der 41-jährige lebte mit Kollegen seit einem halben Jahr in der Pension und arbeitete unter der Woche auf Baustellen in Stuttgart oder in Dortmund. Irgendwann habe ihn der 14-Jährige, der mit seiner Familie ebenfalls in der Pension wohnte, zu einer Pizza eingeladen und ein Handy zum Kauf angeboten. Woher der Jugendliche die 50 Euro und die Handys hatte, könne er jedoch nicht sagen.

Als die Polizei mit den Ermittlungen begann, fanden sie auf dem Schlüsselbund des Opfers die DNA-Spuren des 41-Jährigen. Wie diese dort hinkamen, konnte der Angeklagte vor Gericht nicht sagen.

Viel schwerer belastet wird der Mann jedoch durch eine Aussage des 15-Jährigen bei der polizeilichen Vernehmung. Dabei gab der Jugendliche an, der Ältere habe ihn gerufen und erzählt, er hätte einen Mann umgebracht. Der Jugendliche sei daraufhin ins Zimmer des Opfers gestürmt und habe das Fleischermesser aus dem leblosen Körper gezogen. Das erkläre auch, warum lediglich DNA-Spuren des Jugendlichen auf der Tatwaffe zu finden waren.

Weil sich der Jugendliche jedoch bei den Vernehmungen in Widersprüche verstrickte und den Mitangeklagten erst nach 20 Tagen mit seiner Aussage belastete, zweifelt die Staatsanwaltschaft an den Erklärungen. Pflichtverteidiger Klaus Schroth ist ohnehin von der Unschuld seines 41-jährigen Mandanten überzeugt, der in zahlreichen Vorgesprächen stets dieselbe stimmige Geschichte erzählt habe. dpa