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Umstritten:  Thomas Hornauer fiel bereits mit seinem Sender B.TV unangenehm auf.
Umstritten: Thomas Hornauer fiel bereits mit seinem Sender B.TV unangenehm auf.
© Försterling, dpa

Endzeitstimmung auf Kanal Telemedial

Das Wassermannzeitalter naht erst im August. Momentan herrscht in den Ludwigsburger Kanal-Telemedial-Studios vor allem Endzeitstimmung. Sender-Chef Thomas Hornauer hat massive Probleme, seinen Sender weiter zu finanzieren. Vergangene Woche gestand er live sein Scheitern ein: „Ich bräuchte nun ganz-ganz-ganz-ganz-ganz schnell ein paar Millionen Euro.“ Von einem neuen Sponsor, der ansonsten „keine Fragen stellt“.

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Die Ausstrahlung über Astra stehe auf der Kippe. Der Grund für die Notlage ist, dass sich Hornauers viel kritisiertes Geschäftsmodell als Schuss in den Ofen erwiesen hat. Zur Erinnerung: Sein „Teleshop für immaterielles Wirtschaftsgut“ ist nicht billig. Die Zuschauer sollen freiwillig bezahlen für das „Free Pay TV“. Ein Jahr kostet 360 Euro. Und so bleiben die Leitungen meistens still. Kein Wunder bei Hornauers Art von Lebensberatung. „Wo kann ich meine Quelle wieder anzapfen?“, fragte da Anruferin Martina. Hornauer: „Deine Quelle ist in Dir.“ Martina hakt nach: „Gib mir bitte eine Hilfestellung, wie ich weitermache.“ Hornauer: „Ich habe keine Lust heute ... Ich setze mich hier doch nicht hin als Lebensberater und Du fragst und ich antworte. Das kannst Du mit dem Robert Lembke machen.“ Lembke allerdings hat nie beraten im Fernsehen. Was Hornauer von sich gibt, bleibt weitgehend sinnfrei.

Die Firma Astra will sich nicht zum Vertragsverhältnis mit Hornauer äußern. Doch bei 300 000 Euro jährlichen Kosten für die Astra-Ausstrahlung plus Betriebskosten steht er unter erheblichem Druck. Zudem muss der Fernsehguru sein Ludwigsburger Studio bis Mitte Juni verlassen. Der Mietvertrag wird nicht verlängert. Doch am neuen Sendestandort Wien flog der Sender Anfang Mai schon wieder aus dem Kabelnetz.

Genau zehn Jahre nach dem Start des Regionalsenders B.TV neigt sich das unrühmlichste Kapitel der baden-württembergischen Mediengeschichte seinem Ende entgegen. Als B.TV 2002 insolvent wurde, griff Hornauer, der viel Geld mit Flirt-Hotlines gemacht hatte, für knapp zwei Millionen Euro zu. Bei der Belegschaft führte er sich mit einem Sprung auf den Tisch ein – und dem Ruf: „Ich will Krieger, mit denen ich Millionen verdiene!“ Das seltsame Motivationsvideo wurde zu einem Internet-Klassiker. Die empörte Landes-SPD zeigte währenddessen noch einen zweiten Videoclip. Da war der Telefonerotiker als Hardcore-Filmer zu sehen.

Weil Hornauer auf Kartenleger setzte, anstatt Landesnachrichten zu machen, drehte ihm die Landesanstalt für Kommunikation Ende 2004 den Saft ab. Ein Dreivierteljahr später war Hornauer-TV wieder on Air, dank einer Genehmigung der schleswig-holsteinischen Landesmedienanstalt. Zudem bewilligte die österreichische Komm Austria Mitte 2006 seinen Kanal Telemedial. Inzwischen ist man freilich ziemlich sensibilisiert. Denn Hornauer flucht nicht nur wie ein Rohrspatz, in einem Fall winkte er auch Hitlergruß-ähnlich in die Kamera.

Wegen mehr als Hundert kritischen Anfragen überprüft die Komm Austria nun, „ob seitens Kanal Telemedial Verletzungen von Bestimmungen des Privatfernsehgesetzes vorliegen.“ Eine Entscheidung werde in Kürze fallen.

Autor: Jörg Isert

22.05.2008
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