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05.09.2011

Fünf Männer stehen nach Angriff auf Polizisten vor Gericht

HECHINGEN. Sie wollten einen Streit schlichten, doch dann wurden sechs Polizisten selbst zu Opfern: Weil sie die Beamten brutal zusammengeschlagen haben sollen, stehen fünf junge Männer seit Montag vor Gericht. Ein Polizist hatte den Angriff in einer Kneipe in Balingen (Zollernalbkreis) im Februar nur mit Glück überlebt. Die beiden mutmaßlichen Haupttäter wiesen die Vorwürfe vor dem Landgericht Hechingen allerdings zurück und verlangten, aus der Untersuchungshaft entlassen zu werden.

Die Polizisten waren wegen einem Streit unter den Gästen in die Kneipe gerufen worden. Als sie eintrafen, schien sich die Situation schon beruhigt zu haben. Doch kaum wollten sie die Personalien der Angreifer aufnehmen, eskalierte der Streit: Ein 25-Jähriger soll sich nach Kräften gegen den Polizeieinsatz gewehrt haben. Immer wieder habe er auf einen Beamten eingeschlagen, sagte der Staatsanwalt. Selbst als der Polizist schon besinnungslos auf dem Boden lag, habe er weiter mit aller Wucht auf seinen Kopf eingetreten und gerufen: «Jetzt geht es erst richtig los. Ich bringe Euch alle um.»

Als weitere Beamte eintrafen und ihrem Kollegen helfen wollten, sei auch der heute 23-jährige Bruder des Angreifers auf die Beamten losgegangen, heißt es in der Anklage.

Als «geradezu menschenverachtend und brutal» hatte die Polizei den Angriff damals beschrieben. Erst mit Pfefferspray und einem Polizeihund hatten die Beamten die Situation nach eigenen Angaben in den Griff bekommen. Gegen die beiden Männer hat die Staatsanwaltschaft deshalb Anklage wegen versuchten Totschlags erhoben. Ihre drei Freunde im Alter von 22 bis 25 Jahren müssen sich unter anderem wegen schwer Körperverletzung verantworten.

 

Die beiden mutmaßlichen Haupttäter haben bereits angekündigt, vor Gericht zu den Vorwürfen zu schweigen. Ihre Anwälte warfen der Staatsanwaltschaft Fehler bei den Ermittlungen vor. Einen Beweis, wer die Polizisten so schwer verletzt habe, gebe es bislang nicht. Die drei Mitangeklagten äußerten sich am Montag nicht. Insgesamt sind 14 Prozesstage bis in den November hinein geplant. dpa