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Die SPD-Generalsekretärin Katarina Barley spricht in Filderstadt während einer Wahlkampfveranstaltung des SPD-Bundesvorstands. Bei der Veranstaltung diskutieren etwa 400 Teilnehmer mit Fachleuten über neue Ansätze und aktuelle Trends der Kampagnenarbeit. Zudem werden Neumitglieder empfangen.
Die SPD-Generalsekretärin Katarina Barley spricht in Filderstadt während einer Wahlkampfveranstaltung des SPD-Bundesvorstands. Bei der Veranstaltung diskutieren etwa 400 Teilnehmer mit Fachleuten über neue Ansätze und aktuelle Trends der Kampagnenarbeit. Zudem werden Neumitglieder empfangen. © dpa
20.05.2017

"Fürchtet euch nicht" - Die SPD nach dem Schulz-Hype

Dieses Mal ist Martin Schulz nur als Pappkamerad zu Gast. Vor der Halle steht der SPD-Kanzlerkandidat in Lebensgröße vor einem Schild mit dem Schriftzug: «Herzlich willkommen, liebes Neumitglied.» Rund eine Woche nach dem Desaster für die Sozialdemokraten bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen kamen die Genossen aus den süddeutschen Bundesländern am Samstag in Filderstadt zur Strategiedebatte zusammen.

Die Stimmung ist weder euphorisch noch depressiv, sondern eher gedämpft angesichts der gesunkenen Umfragewerte des Kanzlerkandidaten. Bundesgeneralsekretärin Katarina Barley und Landeschefin Leni Breymaier geben sich alle Mühe, Optimismus zu versprühen.

 «Wir werden Schweiß und Tränen vergießen. Wir werden kämpfen und werden uns einsetzen», sagt die Landesvorsitzende. Barley meint: «Ihr müsst euch drauf gefasst machen, dass es immer auf und ab geht.» Das mache die SPD aus. Und den Schulz-Hype habe die Partei selbst nie so genannt oder befördert. Barley spricht von einem «medialen Spin», der dann schlagartig mit der Landtagswahl in Schleswig-Holstein vorbei war. «Wir wussten, dass es irgendwann heißt: Huch, jetzt ist er weg.»

Als Beispiel dafür, dass Wahlen tatsächlich auf den letzten Metern entschieden werden können, sitzt Alexander Schweitzer auf dem Podium. Er ist Fraktionschef der SPD im rheinland-pfälzischen Landtag. In dem Nachbarland haben die Sozialdemokraten die Landtagswahl 2016 gewonnen und ihre Ministerpräsidentin Malu Dreyer im Amt halten können, obwohl in den Umfragen monatelang die CDU mit Konkurrentin Julia Klöckner vorne lag.

Der SPD-Sieg hatte viele Gründe. Doch eine Lehre, die Schweitzer aus dem Vorgang auch für die Bundesebene zieht, lautet: «Fürchtet euch nicht, und macht euch nicht verrückt. Umfragen sind Momentaufnahmen. Sie sagen nichts zum Wahlergebnis.»

Viel Hoffnung setzt die SPD auf die rund 17.000 Neumitglieder, die sie seit der Verkündung von Schulz' Kanzlerkandidatur im Januar in ganz Deutschland verzeichnet. Rund 80 sind nach Filderstadt gekommen. Barley möchte wissen, was sie bewegt, um «neuen Input» für die Arbeit in der Partei zu bekommen.

Ein Neumitglied fragt, was eigentlich unter «Parteibasis» zu verstehen sei. Ein Mann sagt, beim Wort «kämpfen» im Zusammenhang mit Wahlen werde ihm übel. «Ich stehe für Frieden und Freiheit und soziale Gerechtigkeit, aber nicht für Kampf.» Ein junger Mann fragt, wie er mit den Menschen umgehen solle, die sich als Abgehängte der Gesellschaft empfänden und deshalb die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) wählten.

Gerade auch wegen der AfD ist Susanne Ennulath in die SPD eingetreten. Die 57-Jährige aus Stuttgart räumt ein, dass Rückschläge wie jetzt bei den Landtagswahlen für die SPD nicht schön seien. «Aber die Stimmung nach vorne ist positiv.» Frank Rieger (42) aus Dielheim (Rhein-Neckar-Kreis) meint: «Mal gewinnt man, mal verliert man. Das ist zwar ein dummer Spruch, aber es ist so.» Bis zur Bundestagswahl am 24. September könne noch viel passieren. Bettina Kobylanski-Forsee aus Mannheim meint, die verlorenen Landtagswahlen seien der Motivation in der Partei nicht abträglich. «Es wird spannend bleiben, und zum Schluss wird sich zeigen: Der Bessere gewinnt.»

Neu in der SPD ist auch Kerin Black. Die 39-Jährige kommt aus den USA und hat neben dem amerikanischen auch den deutschen Pass. Schon lange war sie aktiv bei den amerikanischen Demokraten. Im deutschen Parteiengefüge sieht sie ihre Befindlichkeiten am ehesten bei der SPD vertreten. Black sieht sich als Fan von Schulz. Mit Blick auf die Bundestagswahl räumt sie ein: «Ich bin gerade nicht so optimistisch, wie ich gerne wäre.» Letztlich müsse man aber schauen, dass die Stimmung gut bleibe, um im September doch noch etwas zu wuppen.