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Er macht einen tiefenentspannten, authentischen Eindruck. Kein Wunder, ist Winfried Kretschmann doch der Ministerpräsident eines Landes, in dem die Zufriedenheit der Bürger laut Glücksatlas ganz hoch angesiedelt ist. Und guten Wein gibt es in beiden Landesteilen, auch wenn die Badener etwas zufriedener sind als die Nachbarn im Osten.
Er macht einen tiefenentspannten, authentischen Eindruck. Kein Wunder, ist Winfried Kretschmann doch der Ministerpräsident eines Landes, in dem die Zufriedenheit der Bürger laut Glücksatlas ganz hoch angesiedelt ist. Und guten Wein gibt es in beiden Landesteilen, auch wenn die Badener etwas zufriedener sind als die Nachbarn im Osten. © dpa
18.10.2016

Glücksatlas: Badener zufriedener mit ihrem Leben als Württemberger

Die Badener sind mit ihrem Leben etwas weniger zufrieden als vor einem Jahr - aber immer noch zufriedener als die Württemberger. Das geht aus dem neuen Glücksatlas 2016 hervor, den die Deutsche Post als repräsentative Studie einmal im Jahr erhebt und am Dienstag in Berlin vorgestellt hat.

Umfrage

Die Badener sollen laut Glücksatlas der Deutschen Post mit ihrem Leben zufriedener sein als die Württemberger. Wie sehen Sie das?

Als Badener kann ich verstehen, warum wir glücklicher sind 41%
Als Württemberger glaube ich, dass bei der Umfrage etwas nicht stimmt 12%
Als Baden-Württemberger freut mich das gute Gesamtergbnis fürs Musterländle 22%
Mir egal, ich lebe gerne hier 18%
Glücklich sein in einem Land, in dem keiner Hochdeutsch kann? Niemals 7%
Stimmen gesamt 760

Auf einer Skala von 0 bis 10 gaben die Menschen in Baden ihre allgemeine Zufriedenheit mit ihrem Leben mit durchschnittlich 7,21 an, im Vorjahr lag der Wert bei 7,22. Nach Platz zwei im Vorjahr reicht das in diesem Jahr nur noch für Platz vier. Württemberg kommt mit einem Wert von 7,15 (Vorjahr: 7,12) auf den neunten Platz der bundesweit 19 untersuchten Regionen. Der deutsche Durchschnitt liegt bei 7,11 Punkten.

Die zufriedensten Menschen mit einem Durchschnittswert von 7,41 Punkten leben in Schleswig-Holstein, die unzufriedensten mit 6,77 Punkten in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Autoren fragen für die Studie zum Beispiel nach Familie, Arbeit und Gesundheit. Der bundesweite Mittelwert von 7,11 ist höher als der von 2015 (7,02) und außerdem der Spitzenwert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2010, wie Mitautor Bernd Raffelhüschen, Finanzwissenschaftler an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, erläuterte.

Was Baden und Württemberg nach Ansicht der Forscher eint, sind die niedrige Arbeitslosenquote, das im Vergleich hohe Einkommen und gute Werte in Sachen Gesundheit und Pflege. Negativ wirkt sich den Angaben zufolge der hohe Anteil der Mietkosten am Haushaltseinkommen auf die Zufriedenheit aus; vor allem in Baden, wo die Zufriedenheit im Bereich Wohnen und Freizeit sogar leicht unter den deutschen Durchschnitt fällt.

Aber warum dieser Unterschied? Beide Hauptstadt-Fußballvereine, der Karlsruher SC und der VfB Stuttgart, spielen zweitklassig. Da grämen sich wohl die Fußballfans beider Landeshälften. Liegt es am Wein? Beide glauben ganz fest daran, dass ihre Reben von der Sonne verwöhnt sind, wobei der württembergische Trollinger im Badischen eher belächelt wird, während es auch im Westen des Musterländles Lemberger-Freunde gibt. Die Badener freilich setzen auf die Weine der Burgunderfamilie, die manche vorurteilsfreien Württemberger durchaus hoch einschätzen. 

Stuttgart hat Karlsruhe den Rang als Metropole abgelaufen und einen gewaltigen Raum an Urbanität um den Stadtkern herum geschaffen. In Karlsruhe geht es eher gemächlich, aber gewiss nicht dörflich zu. Während die Schwaben im Osten des Musterländles das "Schaffe, schaffe, Häusle baue" erfunden und durch das eherne Gesetz der Kehrwoche im kollektiven Bewusstsein untermauert haben, pflegen die Badener, eventuell durch die Nähe zum linksrheinischen Elsass und Frankreich geprägt, das eher lockere, entspanntere Miteinander. 

Im Grunde aber haben sich Badener und Württemberger in den vergangenen Jahren fleißig vermischt, viele Einflüsse von außen aufgenommen, Fremdes bereitwillig eingebaut. Irgendwann könnte sich der Glückatlas-Index beider Landesteile allein schon aus diesen Gründen stark annähren.