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12.08.2010

Grüne fordern „null Toleranz“ für Missbrauch

STUTTGART. Dem möglichen sexuellen Missbrauch von Kindern in Internaten, Heimen und Feriencamps muss nach Ansicht der oppositionellen Grünen ein Riegel vorgeschoben werden. Für sexuelle Ausbeutung müsse „null Toleranz“ gelten, sagte Familienexpertin Brigitte Lösch am Donnerstag in Stuttgart.  

In vielen Fällen habe die Schulaufsicht versagt. Eine bessere Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe sei unerlässlich. Privatschulen etwa dürften sich nicht länger „im toten Winkel der Schulaufsicht“ bewegen. Im Südwesten wurden zuletzt Vorwürfe wegen Missbrauchs in acht Einrichtungen bekannt, sowie an den beiden Privatschulen in St. Blasien und Salem.

Im Südwesten sind nach Angaben des Kultusministeriums im Jahr 2009 rund 2400 Kinder und 500 Jugendliche Opfer von Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung geworden. Es sei aber davon auszugehen, dass die Dunkelziffer ein Vielfaches davon betrage, betonte Lösch. Die aktuelle Diskussion müsse genutzt werden, um den Schutz in den Einrichtungen und in den Familien zu verbessern. In Schulen, Internaten und Heimen müssten Kinder und Jugendliche zu jeder Zeit verlässlich wissen, an wen sie sich wenden können, sagte Lösch. Zudem forderte sie Vereinbarungen zwischen Schulen und Jugendämtern, in denen festgelegt wird, dass bei Verdacht auf Missbrauch das Jugendamt eingeschaltet werden muss. Bislang gebe es diese Pflicht nicht, betonte Lösch. Jede Jugendhilfe-Einrichtung und jede Schule brauche eine Fachkraft, um den Schutz zu garantieren. Das könnten etwa Sozialpädagogen, Psychologen oder Heilpädagogen sein. Eine „Kultur des Hinsehens und Hinhörens“ müsse Teil des Alltags werden. Für Personen, die mit Kindern umgehen, solle die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses zur Einstellungsbedingung werden. Lösch: „Wir brauchen ein neues Kinderbewusstsein in Baden- Württemberg.“