nach oben
01.07.2011

Gut drei Jahre Haft für Busfahrer wegen Vergewaltigung

STUTTGART. Ein Busfahrer hat zwei Frauen in seinem Bus eingesperrt und sich sexuell an ihnen vergangen - jetzt muss er für drei Jahre und zwei Monate hinter Gitter. Der 51-Jährige hat laut Urteil des Stuttgarter Landgerichts vom Freitag eine heute 28 Jahre alte, behinderte Frau vergewaltigt und eine zwei Jahre jüngere Frau zweimal sexuell genötigt.

Der geständige Fahrer eines privaten Busunternehmens ist im August und November 2009 mit seinen Opfern zur Endhaltestelle in der Gemeinde Kernen (Rems-Murr-Kreis) gefahren. Dort hat er sich geweigert, die Türen zu öffnen. Im Bus bedrängte er die Frauen. Der Mann zeigte vor Gericht offene Reue.

«Wir haben hier einen Fall, der sich von anderen durchaus unterscheidet», sagte die Vorsitzende Richterin bei ihrer Urteilsbegründung. Eine Besonderheit sei, dass der 51-Jährige die Taten im Zusammenhang mit seiner Arbeit als Busfahrer begangen habe. Als solcher sei er eine Respektsperson, zu der die Fahrgäste Vertrauen entwickeln - besonders dann, wenn er häufig Menschen mit Behinderung fahre. Außergewöhnlich sei aber auch die Persönlichkeit des Angeklagten und sein positives Verhalten im Prozess.

Gegen ihn spreche, dass die behinderte junge Frau besonders schutzbedürftig gewesen sei. «Aber wie kann man sich überhaupt wehren, wenn der Bus zu ist und man nicht weiß, wo der Knopf ist?», gab die Richterin zu bedenken. Zu seinem Nachteil sei auch zu werten, dass er dem Freund des behinderten Opfers nach der Tat gesagt habe, seine Freundin solle die Anzeige zurückziehen.

Doch es gebe auch vieles, was für den Mann spreche - und was ihm etwa ein Drittel der Strafe erspart habe. Dazu zähle das Geständnis, durch das er dem besonders schutzwürdigen Opfer die peinliche Befragung vor Gericht erspart habe. Berücksichtigt werden müsse zudem seine Reue und die Tatsache, dass er den Frauen freiwillig eine Schadenswiedergutmachung von je 1500 Euro gezahlt habe. Dem Mann habe man deutlich angesehen, dass ihm die Sache zusetze - nicht nur, weil er zuletzt mehr als 30 Kilo abgenommen habe. Er brach auch am Tag des Urteils mehrfach in Tränen aus. dpa