Stuttgart 21

Laufen Kosten für Stuttgart 21 aus dem Ruder?

STUTTGART. Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 sehen sich durch Interviewaussagen von Bahnchef Rüdiger Grube in ihrer Kritik bestätigt – vor allem an der Kostenplanung für die umstrittene Milliarden-Investition. „Jetzt wird deutlich, dass es weder durchgeplant noch durchfinanziert ist“, sagte gestern Werner Wölfle, Grünen-Fraktionschef im Stuttgarter Gemeinderat. Er forderte, derzeit laufende neue Kostenschätzungen müssten bald „auf den Tisch“.

Grube hatte der „Stuttgarter Zeitung“ gesagt, die geplanten 3,076 Milliarden Euro reichten nicht aus. Bei 4,5 Milliarden Euro mit einem bereits eingerechneten „Risikozuschlag“ von 1,4 Milliarden Euro liege aber die „Sollbruchstelle“. Stuttgart-21-Sprecher Wolfgang Drexler widersprach der Kritik an Grubes Aussagen: „Dass die Kosten steigen können, haben wir nie bestritten.“ Bis zum 31. Dezember müsse nun geprüft werden, ob die Kosten von 4,5 Milliarden noch überschritten werden könnten, dann müssten die Vertragspartner klären, wie sie weiter vorgehen. „Werden die Kosten aber nicht überschritten, kann der Bau starten. Das ist Vertragstext.“

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisierte Grubes Angaben als „unverantwortlich“, da ein Risikopuffer für das Projekt fehle oder stark reduziert sei. Preisschwankungen, etwa beim Baustahl, könnten die Gesamtkosten noch stark in die Höhe treiben. Drexler sagte, die bisherigen Kostenschätzungen beruhten schon auf einem sehr hohen Stahlpreis. Zudem werde auch noch geprüft, wo Kosten einzusparen seien – etwa bei der Dicke der Tunnel-Außenwände für die unterirdischen Bahnstrecken. „Aber eins ist sicher: Die Sicherheit wird nicht tangiert.“

Stuttgart 21 umfasst den Umbau des Stuttgarter Kopfbahnhofes in eine unterirdische Durchgangsstation sowie den Anschluss an eine neue Schnellbahntrasse nach Ulm. Die Bauarbeiten sollen im kommenden Jahr beginnen.lsw