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13.08.2010

Millionen-Programm für Gesundheit der Lehrer im Gespräch

STUTTGART. Jeder fünfte pensionierte Lehrer ist im vergangenen Jahr wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand gegangen. Zwar lag die Quote 2001 noch bei 40 Prozent, doch auch der derzeitige Anteil ist aus Sicht des Kultusministeriums «besorgniserregend».

«Mein Ziel ist es, dass die Lehrer bewusster mit den Herausforderungen des Unterrichtsalltags umzugehen lernen und dadurch länger im Dienst bleiben können», sagte Kultusstaatssekretär Georg Wacker (CDU) der Nachrichtenagentur dpa. Deshalb werde im kommenden Schuljahr eine bundesweit einzigartige Gesundheitskampagne eingeleitet. Das Maßnahmenbündel für drei Millionen Euro jährlich wurde von einer Arbeitsgruppe unter Wackers Leitung entwickelt.

Die Gesundheit der Lehrer liegt dem Kultusministerium nicht nur aus Fürsorge am Herzen. Für jeden vorzeitig ausscheidenden Lehrer muss ein Ruhegehalt gezahlt werden und zugleich die Besoldung für die Ersatzkraft. Maßnahmen gegen Dienstunfähigkeit seien auch wichtig, damit potenzieller Nachwuchs nicht abgeschreckt werde. Wacker: «Der Lehrerberuf muss attraktiv bleiben.»

Dass der Anteil der dienstunfähigen Lehrer in den vergangenen zehn Jahren rapide gesunken ist, liegt nach Wackers Worten auch daran, dass die Pädagogen seit 2001 Rentenabschläge hinnehmen müssen. Das Durchschnittsalter bei Dienstunfähigkeit lag 2009 bei 58,5 Jahren.

«Meist ist der Grund Burn-Out, die totale Erschöpfung», erläuterte der Staatssekretär. Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes folgen mit großem Abstand und schlagen mit 12 bis 14 Prozent zu Buche. Nach Studien seien es vor allem die engagierten, hochmotivierten Kräfte, die zusammenbrechen. Doch bis dahin sei es eine weiter Weg, auf dem es noch Stellschrauben gebe.

Eine davon sei eine geplante Fortbildung in der Berufseingangsphase, die jährlich 15 Prozent eines Einstellungsjahrgangs erreichen soll. «Da stehen Themen wie Diagnose und Analyse von Problemlagen, Kommunikation bei Konflikten, Eingehen auf Schüler auf dem Programm», berichtete Wacker.

vAber von externer Hilfe sollen auch Lehrer profitieren, die schon länger im Beruf sind. Das sogenannte Konstanzer Trainingsmodell, mit 1,3 Millionen Euro der größte Bestandteil im Paket, setzt bei Pädagogen ab dem zehnten Berufsjahr an. «Dabei wird ein Tandem aus zwei Lehrern pro Schule in Sachen Behauptung im Schulalltag ausgebildet und gibt das Wissen an das Kollegium weiter», erläuterte Wacker. Vorgesehen ist auch ein Training für Schulleiter mit den Themen Gesundheit und Arbeitsschutz.

 

Auch Probleme mit der Stimme stehen im Fokus. «Die Stimme ist ein wichtiges pädagogisches Instrument für den Unterricht, in ihr spiegelt sich die Nervosität oder Souveränität des Lehrers wider; eine angekratzte Stimme kann die Autorität eines Lehrers untergraben», betonte der Diplom-Musiklehrer. Deshalb hat das Ministerium ein Forschungsvorhaben zur Vorbeugung von Heiserkeit und Erkrankungen der Stimmbänder bei zwei Freiburger Medizinern angestoßen, die zugleich Musiker sind.