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Der grausame Tod einer sechsfachen türkischen Mutter in Berlin wirft aus Sicht von Baden-Württembergs Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) ein Schlaglicht auf das schwelende Problem der sogenannten Importbräute.
Der grausame Tod einer sechsfachen türkischen Mutter in Berlin wirft aus Sicht von Baden-Württembergs Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) ein Schlaglicht auf das schwelende Problem der sogenannten Importbräute. © dpa
06.06.2012

Ministerin Öney: Brutaler Mord wirft Schlaglicht auf Importbräute

Der grausame Tod einer sechsfachen türkischen Mutter in Berlin wirft aus Sicht von Baden-Württembergs Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) ein Schlaglicht auf das schwelende Problem der sogenannten Importbräute. «Diese Frauen werden durch Zwangsheirat ihrer gewohnten Umgebung entrissen, leben isoliert ohne Sprachkenntnisse und soziale Beziehungen in Deutschland und sind ihren Männern und deren Familien hilflos ausgeliefert», erläuterte die Ministerin in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Deshalb müssten die Familien immer darauf achten, in welches Umfeld die Tochter heiratet. «Viele arrangierte Ehen und insbesondere Zwangsehen sind keine glücklichen Ehen. Das muss allen bewusst werden. Ich appelliere an die Familien, das Glück und das Leben ihrer Kinder nicht aufs Spiel zu setzen.» Auch Hoffnungen auf finanzielle Vorteile der Familien, wenn ihre Tochter etwa aus der Türkei, Pakistan, Indien oder Bosnien ins reiche Deutschland zögen, würden häufig nicht erfüllt.

In Berlin hatte ein türkischstämmiger Mann seine 30-jährige Frau, die er im Zuge einer zumindest arrangierten Ehe aus einer ländlichen Region in Ostanatolien nach Deutschland geholt hatte, vor den Augen der gemeinsamen Kinder erstochen und zerstückelt.

Die türkischstämmige Öney forderte als Konsequenz aus dem Fall, dass ausländische Frauen sofort ein eigenständiges Aufenthaltsrecht erhalten, wenn sie in der Ehe misshandelt werden.

Eine Rückkehr in das Heimatland lehnten die Frauen nach der Trennung vom gewalttätigen Ehemann oft aus Schamgefühl gegenüber ihren Familien ab. Unter der schwarz-gelben Bundesregierung ist die Zeitdauer der Ehe als Voraussetzung für ein eigenständiges Aufenthaltsrecht von zwei auf drei Jahre erhöht worden. Öney meinte, dies stehe im Widerspruch zur Aufnahme von Zwangsheiraten als Straftatsbestand im Strafgesetzbuch.

Ein verkürzter Zeitraum reiche allerdings nicht aus, denn den Frauen müssten auch Hilfen für ein eigenständiges Leben in Deutschland erhalten. «Schnelle, unbürokratische und anonyme Unterstützung ist dann gefragt», sagte Öney.

Die Zahl der Fälle von Zwangsverheiratungen in Deutschland beziffert die Ministerin in Stuttgart auf jährlich rund 3000.

Öney sieht sich durch den Berliner Fall auch in ihrem Festhalten an Sprachtest für den Familiennachzug nach Deutschland bestätigt. «Die Sprachtests bieten zweifachen Schutz», erläuterte sie. Einerseits böten sie den Frauen die Möglichkeit, durch absichtliches Nichtbestehen des Sprachkurses einer Zwangsheirat zu entgehen, andererseits befähigten sie die Frauen, nach dem Umzug nach Deutschland sich im Ernstfall über Hilfsmöglichkeiten zu informieren. dpa

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