nach oben
13.04.2011

Mordprozess - Verlassener Ehemann ersticht Nebenbuhler?

STUTTGART. Ein sitzengelassener Ehemann soll seinen Nebenbuhler erstochen haben und steht seit Mittwoch wegen Mordes vor dem Stuttgarter Landgericht. Laut Anklage hatte der 44-Jährige sein 38 Jahre altes Opfer im August 2010 unter einem Vorwand in ein Auto gelockt. Zuvor hatte ihn seine 39-jährige Ehefrau für den Jüngeren verlassen. Die beiden Männer landeten nach einem Streit mit dem Auto in einem Graben bei Markgröningen (Kreis Ludwigsburg). Mit dem Teppichmesser soll der 44-Jährige dort mehrfach auf seinen Konkurrenten eingestochen haben. Das Opfer starb kurz danach im Krankenhaus.

Der angeklagte Stuckateur sagte in einer Erklärung, er habe den 38-Jährigen im Auto mitgenommen, weil dieser mit ihm sprechen wollte. Im Auto sei er von dem 38-Jährigen mit einem Gegenstand angegriffen und am kleinen Finger verletzt worden. Als er das Steuer losließ, habe es einen Schlag getan. Danach wisse er nichts mehr, bis irgendwann ein Mensch mit einer Heugabel vor ihm gestanden habe und ihn aufforderte, das Messer wegzulegen. «Ich bin tief erschüttert, was hier passiert ist. Ich möchte den Angehörigen mein Mitgefühl aussprechen», sagte er. Ähnlich hatte er den Tatablauf auch dem psychiatrischen Gutachter geschildert.

Die 39-Jährige, mit der der Stuckateur seit rund 19 Jahre verheiratet ist und einen Sohn hat, soll schon im April 2010 die Trennung angestrebt haben. Ihm sei das zunächst aber nicht bewusst gewesen - erst als er Anfang Juni den Nebenbuhler in ihrer Wohnung getroffen habe, sagte der Gutachter. Damals hat er dem Jüngeren eine Ohrfeige verpasst und es gab ein Gerangel. Für ihn sei ab dem Moment die Ehe zu Ende gewesen. Später habe er dann von seiner Schwester erfahren, dass seine Frau schon seit einem Jahr eine Affäre mit dem Anderen gehabt haben soll. Die Scheidung läuft noch.

Widersprochen hat der Angeklagte bei dem Gutachter seinen früheren Angaben, am Tattag habe es im Auto ein Gerangel gegeben und überall sei Blut gewesen. Das habe er nicht gesagt, soll der Angeklagte später behauptet haben. Auch von Selbstmordabsichten will er nichts geäußert haben. Doch wurde ein Abschiedsbrief von ihm gefunden, in dem er unter anderem seiner Frau schreibt: «Ich liebe Dich, ich werde Dich immer lieben. Ich kann nicht mehr.»