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08.08.2011

Mutmaßliche Kindsmörderin streitet Vorwürfe ab

Stuttgart (dpa/lsw) - Ein 19 Jahre alte Frau soll im Februar in Stuttgart ihr neugeborenes Baby mit einem Handtuch erstickt haben. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht stritt die Auszubildende am Montag jedoch ab, für den Tod ihres Kindes verantwortlich zu sein.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft, hatte die Frau aus Angst vor ihrer streng katholischen Familie den Säugling gleich nach der heimlichen Geburt getötet. Die Ermittler wurden auf den Fall aufmerksam, als die damals 18-Jährige mit starken Blutungen im Unterleib - jedoch ohne Baby - ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Polizisten fanden den leblosen Säugling später in einer Dachrinne.

 

Die junge Frau gab vor Gericht an, ihr Kind sei tot zur Welt gekommen. «Hätte das Kind einen Ton von sich gegeben, hätte ich es ins Krankenhaus gebracht.» Sie wickelte das Neugeborene in ein Handtuch, öffnete ein Fenster und legte das tote Baby in die Regenrinne. «Ich weiß nicht, wie ich damals auf so eine dumme Idee kam», sagte die junge Frau unter Tränen.

 

Die Obduktion ergab allerdings, dass der Säugling nach der Geburt noch am Leben war. Der ärztliche Bericht des Gutachters stellte Schwellungen am Gesicht des Kindes fest. Kurz nach der Geburt soll die Frau ihrem Neugeborenen ein Handtuch auf Mund und Nase gepresst haben. «Sie haben von Anfang an viel Energie aufgewandt, um die Schwangerschaft zu verheimlichen. Da stellt sich schon die Frage, ob Sie nicht alles tun würden, damit ihr Kind nicht schreit», sagte der Richter.

 

Aus Glaubensgründen hatte die Familie der Angeklagten vorehelichen Sex verboten. Ihr damaliger Freund habe sie zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr gezwungen, sagt die Auszubildende. Ungewollt schwanger, verfolgte die damals 18-Jährige nach den den Worten des Richters eine «aktive Verheimlichungsstrategie». «Ich hasse mich heute dafür, dass ich niemandem etwas von der Schwangerschaft sagte», sagte die heute 19-Jährige.

 

Die Angeklagte gab an, ihre Wehen zuerst nicht als solche gedeutet zu haben. Im Badezimmer gebar sie das Kind im Stehen. Nach Angaben der Angeklagten soll der Säugling bei der Geburt nicht geschrien haben. Nur einmal hob das Kind die Hand, danach bewegte es sich nicht mehr, sagt die Angeklagte. Sie sei davon ausgegangen, dass das Kind tot zur Welt kam. Einen Arzt wollte sie aus Angst vor ihrer Familie nicht rufen.