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01.03.2011

Mutmaßlichen Kinderschänder gesteht grausame Taten

BADEN-BADEN. Der Angeklagte stapft mit schweren Schritten in den Gerichtssaal. Der Mann aus Thüringen ist 38 Jahre alt, übergewichtig, Brillenträger. Seine dunklen Haare wirken wie an die Stirn geklebt. Er trägt ein schwarzes Hemd mit dünnen, weißen Streifen und eine dunkle Jeans. Fotografiert werden darf er nicht; er kommt erst in den Raum, als der letzte Kameramann verschwunden ist.

Regungslos sitzt der Beamte der Arbeitsagentur in Erfurt auf der Anklagebank, während Staatsanwältin Natascha Kottisch-Borchmann mehr als 20 Minuten lang die grauenvollen Vorwürfe aufzählt. Ein elfjähriges Mädchen soll er missbraucht haben. Erst habe er gefilmt, wie ihr Stiefvater sich an dem Kind aus Indonesien verging, dann missbrauchte er die Kleine selbst. Das war ihm 300 Euro wert. Auch der Stiefvater sollte eigentlich auf der Anklagebank sitzen, wegen hundertfachen sexuellen Missbrauchs an seiner Stieftochter. Aber der 59-jährige Mann aus Rastatt unternahm am Montag in der Justizvollzugsanstalt Offenburg einen Selbstmordversuch. Wann er verhandlungsfähig ist, ist offen. Die Männer kamen übers Internet zusammen. Dort lernte der Beamte laut seinem Geständnis auch einen weiteren Gleichgesinnten kennen, mit dem er einen brutalen Kinderporno bestellte. Kottisch-Borchmann liest die Email vor: «Ich hätte gern ein Girl, neun bis zwölf», beginnt die Nachricht. Entführt und verschleppt sollte das Kind werden, betäubt und gefesselt. «Ein paar Erdrosselungsszenen» dürften nicht fehlen. Die Ermordung sollte aber nur vorgetäuscht werden, sagt im Anschluss der Vorsitzende Richter. Die geforderten 600 Euro waren den Deutschen zu teuer. Schließlich wird laut Anklage eine «abgespeckte, günstigeren Version» geliefert. Dann schildert die Staatsanwältin, was auf dem Rechner des Angeklagten noch alles gefunden wurde: Nackte Kinder, meist nur ihre Geschlechtsteile, damit sie nicht erkannt werden können. Und Männer, von denen ebenfalls nur die Genitalien zu sehen sind. Auch der Angeklagte selbst betrieb eine Homepage mit solchen Fotos. Am Ende der Verlesung sitzt der Beamte immer noch mit übereinandergeschlagenen Händen da. Dann wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Hinter verschlossenen Türen legt er ein Geständnis ab. «Er hat Reue gezeigt und sich entschuldigt», erzählt sein Anwalt später. Sein Mandant habe auch eingeräumt, dass er Hilfe braucht. Mit seiner Aussage hat er seinem Opfer den Auftritt vor Gericht erspart. Für sie sitzt Anwalt Kai Nissen als Nebenkläger im Prozess. Das Mädchen spreche nicht über das, was ihr angetan wurde, erzählt er. Ihre Mutter hatte sie mit in die Ehe mit dem Deutschen gebracht. Mit ihm hat sie inzwischen einen Sohn. Nissen hat die inzwischen Zwölfjährige mehrmals getroffen, sei aber nicht zu ihr vorgedrungen. «Das ist sicherlich eines von mehreren Symptomen posttraumatischer Störungen.» Mindestens einmal pro Woche sei das Mädchen in psychotherapeutischer Behandlung. Ihr Peiniger will nach Worten seines Verteidigers nach der Haft «ein neues Leben» beginnen.