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07.07.2011

Mutter wegen Baby-Mordes vor Gericht

RAVENSBURG. Wegen Mordes an ihrem neugeborenen Kind muss sich seit Donnerstag eine 22-jährige Frau aus Schwendi (Kreis Biberach) vor dem Landgericht Ravensburg verantworten. Das Leben des Kindes endete im November 2010 schon nach wenigen Stunden.  

Nachdem die Mutter es heimlich auf der Toilette der elterlichen Wohnung zur Welt gebracht hatte, trug sie das nackte Baby hinaus. Einige Zeit später sah sie nach dem Säugling, bemerkte, dass er noch lebte, steckte ihn dann in eine mit Laub gefüllte Plastiktüte und überließ ihn auf der Kellertreppe einer Gaststätte seinem Schicksal. Die Wirtin fand das wimmernde Bündel und holte Hilfe - doch es war zu spät. Das Neugeborene starb an starker Unterkühlung.

 

Niedere Beweggründe, Grausamkeit und Verdeckung einer Straftat - aus der Sicht des Staatsanwalts sind damit gleich mehrere Merkmale eines Mordes erfüllt. Der Angeklagten, die bereits ein dreijähriges Kind hat, droht im Falle einer Verurteilung eine lebenslange Haftstrafe.

 

Sie habe aus Angst gehandelt, sagte die junge Frau vor Gericht. Angst vor dem Verlobten, der ihr im Falle einer erneuten Schwangerschaft die Trennung angekündigt hatte, und Angst vor dem Stiefvater, der ihr aus demselben Grunde mit dem Hinauswurf aus der elterlichen Wohnung drohte. Deshalb habe sie die zweite Schwangerschaft verheimlicht und sie für sich selbst so lange verdrängt, bis sich die Geburt mit «starkem Bauchweh» ankündigte.

 

Fünf Sachverständige sollen während der auf fünf Tage angesetzten Verhandlung Aussagen darüber treffen, ob die Angeklagte schuldfähig ist und überhaupt in der Lage war, ihr Tun zu überblicken. Darüber hinaus hat das Gericht 23 Zeugen geladen.

 

Der Verteidiger hat zu Beginn des Prozesses einen Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit gestellt. Details aus dem Leben der Angeklagten wie deren Angehörigen sollten hinter verschlossenen Türen zur Sprache gebracht werden, zumal der Fall über Wochen hinweg die Menschen in der Gegend in Aufregung versetzt habe. Eine Entscheidung darüber will die Strafkammer erst später treffen.