Es soll Hinweise darauf geben, dass das Nazi-Trio in Ludwigsburg gewesen sein soll. © dpa
05.03.2013

NSU hatte Kontakt mit Ludwigsburger Skinhead-Szene

Heilbronn/Stuttgart. Um die Verbindungen des rechtsextremen Neonazi-Trios NSU nach Baden-Württemberg auszuleuchten, hat das Innenministerium eine eigene Ermittlungsgruppe gegründet. Die Terrorzelle soll enge Kontakte zur Skinhead-Szene in Ludwigsburg gehabt haben.

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Innenminister Reinhold Gall (SPD) sagte der «Heilbronner Stimme» (Dienstag), dass zehn bis zwölf Beamte Informationen des Bundeskriminalamtes auswerten. «Wir sehen Handlungsbedarf und wollen Puzzlestücke für eigene Ermittlungsansätze untersuchen. Bis jetzt konnten wir den Gesamtkomplex nicht überblicken», sagte Gall. Der SPD-Politiker will den Innenausschuss über die neue Ermittlungsgruppe «Umfeld» und deren Arbeit am 13. März im Detail unterrichten.

Den drei Rechtsterroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe werden zehn Morde zwischen 2000 und 2007 zugerechnet - an neun türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern und an der aus Thüringen stammenden Polizistin Michele Kiesewetter in Heilbronn. Die Bande war erst im November 2011 aufgeflogen.

Das baden-württembergische Innenministerium reagiert mit der Ermittlungsgruppe offensichtlich auf immer neue Veröffentlichungen, die den NSU im Zusammenhang mit Baden-Württemberg bringen. Mehrere Medien hatten unter Bezug auf Berliner Ermittlungsakten berichtet, dass in Stuttgart mögliche Anschlagsziele ausgekundschaftet worden seien. Zudem sollen Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe nach ihrem Untertauchen enge Kontakte zur Skinhead-Szene in Ludwigsburg gehabt haben. Rätselhaft bleibt, warum der NSU die Polizistin Kiesewetter tötete.

Auch soll der Name eines Mitglieds des rassistischen Ku-Klux-Klans, der im Südwesten aktiv war, in einem Schriftstück von Mundlos aufgetaucht sein. Außerdem seien 2000/2001 einige Personen aus dem NSU-Umfeld nach Ludwigsburg und Umgebung gezogen.

Zudem soll es Hinweise geben, dass sich das Terrortrio auch selbst in Ludwigsburg aufgehalten hat. So soll ein Foto von Zschäpe vor dem Ludwigsburger Schloss aus der Zeit vor 2004 existieren. Bereits seit längerem ist bekannt, dass sich auf einer Telefon- und Adressliste, die 1998 in der Garage von Mundlos gefunden worden war, auch Anschriften aus dem Großraum Ludwigsburg befanden.

Auch der Bundestags-Untersuchungsausschuss will die Verbindungen des rechtsextremen NSU nach Baden-Württemberg noch einmal genauer durchleuchten. Im März oder April sollen Mitarbeiter des Landesamtes für Verfassungsschutz und des polizeilichen Staatsschutzes als Zeugen geladen werden.

Das Trio lebte zuletzt in einer gemeinsamen Wohnung in Zwickau (Sachsen). Als Mundlos und Böhnhardt sich am 4. November 2011 töteten, um nach einem Banküberfall der Festnahme zu entgehen, zündete Zschäpe die Wohnung an. Am 8. November 2011 stellte sie sich der Polizei. Welche Rolle Beate Zschäpe in der NSU einnahm, wird ab Mitte April das Oberlandesgericht München zu klären versuchen. Zschäpe muss sich dort wegen Mittäterschaft an den zehn Morden verantworten.