
FELLBACH. Migranten müssen sich stärker für die Schulkarriere ihrer Kinder interessieren – sonst verspielen sie nach Ansicht von Kultusminister Helmut Rau (CDU) die Chance auf erfolgreiche Integration.
„Die Schule kann die Eltern nicht ersetzen“, betonte Rau am Donnerstag bei der Tagung „Integration durch Bildung“ in Fellbach. Integration beruhe auf Gegenseitigkeit: Das Land wolle die Eltern unterstützen, „damit sie sich zutrauen, in der Schule und für die Schule aktiv zu werden“. Für das Frühjahr kündigte Rau Vorschläge an zur besseren Förderung von Migrantenkindern im Schulsystem.
Baden-Württemberg hat den nach Hamburg höchsten Anteil von Migranten. 30 Prozent der Kinder haben ausländische Wurzeln, in Stuttgart liegt der Anteil sogar bei 60 Prozent. Deutschland habe sich viel zu lange nicht als Zuwanderungsland verstanden und damit die Integrationsprobleme verdrängt, räumte Rau ein.
Aus Sicht des Schulministers muss dies getan werden: Kinder und Jugendliche aus Migrationsfamilien sollen mehr Möglichkeiten bekommen, ihre Talente abseits von Zeugnissen und Zertifikaten zu beweisen. Lehrer sollen lernen, wie sie mit absoluter Ablehnung durch Schüler umgehen können. Und die Schulen sollen Förder-Mentoren aufbauen, bei denen die Schüler merken: „Der will, dass aus mir was wird“.
Der Soziologie-Professor Heinz Bude von der Universität Kassel betonte: „Kostenneutral ist das nicht.“ Kinder mit ausländischen Wurzeln gehörten vielfach zu den Verlierern. Das Bildungssystem spalte: In eine Gruppe, die alles tue, um ihre Vorteile zu erhalten, und eine andere, die keinen Sinn darin sehe, sich dem Wettbewerb zu stellen, in dem sie von Anfang an im Nachteil sei. „Es wäre die Aufgabe eines für alle attraktiven öffentlichen Schulsystems, die Intelligenz der Ausgeschlossenen zu erkennen, ohne den Antrieb der Einbezogenen zu denunzieren“, betonte Bude.
Autor: pz-mitarbeiter roland böhm, dpa





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