



STUTTGART/PFORZHEIM. Schon lange wird er als nächster Wirtschaftsminister gehandelt: FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke. Die Chancen dafür sind jetzt gestiegen. Amtsinhaber Ernst Pfister zieht sich 2011 aus der Politik zurück.
Noch vor wenigen Tagen hatte der 62-jährige Pfister ein Geheimnis daraus gemacht, ob er bei der Landtagswahl 2011 erneut antreten wird. Mit annähernd 30 Parlamentsjahren ist der gebürtige Trossinger aus dem Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen der zweitdienstälteste Abgeordnete im baden-württembergischen Landtag. „Schau’n mer mal“, hatte er noch vergangene Woche abgewiegelt, als er nach seiner politischen Zukunft gefragt wurde. Er werde sich „rechtzeitig entscheiden“. Jetzt hat sich der Liberale entschieden: 2011 ist Schluss mit Politik, Pfister zieht sich nach der Landtagswahl am – voraussichtlich – 27. März zurück.
„Ich habe mir immer ein Leben nach der Politik gewünscht, und ich wollte immer selbst den Schlusspunkt setzen“, sagte Pfister in einem Zeitungsinterview. Mit dann 64 Jahren sei der Schritt „die letzte Chance, noch mal was ganz anderes zu tun“, meinte Pfister. „31 Jahre als Abgeordneter, davon die Hälfte als stellvertretender Ministerpräsident, Minister und Fraktionsvorsitzender an vorderster Stelle sind genug.“ Er habe sich aus freien Stücken entschieden, 2011 nicht mehr für den Landtag zu kandidieren, betonte er und fügte hinzu: „Ich bin zwar noch topfit, aber man muss ja nicht mit der Bahre aus dem Ministerium getragen werden.“
Deshalb will sich Pfister dann alles andere als auf die faule Haut legen, sondern künftig große Teile des Jahres in Costa Rica verbringen. In dem zentralamerikanischen Land betreibt sein Sohn ein knappes Dutzend Ferienanlagen mit zusammen rund 350 Mitarbeitern. „Ich werde dort eine Aufgabe übernehmen“, kündigte Pfister an.
Mit Pfisters Entschluss ist die Nachfolgediskussion bei den Liberalen eröffnet. Den ersten Zugriff dürfte der ehemalige wirtschaftspolitische Sprecher und heutige Vorsitzende der FDP-Fraktion, Hans-Ulrich Rülke, haben. Ihm werden Ambitionen auf das Amt nachgesagt. Bestätigen wollte dies der 48-jährige Pforzheimer gestern nicht. Vielmehr verwies der FDP-Politiker im Gespräch mit der „Pforzheimer Zeitung“ darauf, dass nun erst einmal die Landtagswahl gewonnen werden müsse. Und sollte es wieder zu einem schwarz-gelben Bündnis im Südwesten kommen, werde es in den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und FDP zunächst um politische Inhalte und danach um Ressortstrukturen gehen. „Ganz am Schuss stehen die Personalfragen“, betonte Rülke. Im Übrigen mache ihm sein Job als Fraktionschef, den er seit Juni vergangenen Jahres innehat, Spaß. Und, fügte er hinzu, seine jetzige Position sei „nicht wichtiger und höherwertiger“ einzustufen als die eines Ministers.
Autor: pz-redakteur andreas Fiegel und dpa





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