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26.08.2011

Schlag gegen organisierte Kriminalität: Vielzahl von „Rip-Deals“aufgedeckt

KARLSRUHE. Rund einhundert seit dem Jahr 2005 europaweit verübte „Rip-Deals“ mit einer Gesamtschadenssumme von über drei Millionen Euro gehen nach monatelangen und überaus umfangreichen Recherchen der deutschen und österreichischen Ermittlungsbehörden auf das Konto einer achtköpfigen Tätergruppierung aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Drei der fast durchweg familiär verbundenen Verdächtigen im Alter zwischen 23 und 51 Jahren, darunter auch ein als Haupttäter anzusehender 24-jähriger serbischer Staatsangehöriger, befinden sich wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betruges in österreichischer Untersuchungshaft und haben inzwischen auch teilweise Geständnisse abgelegt. Gegen zwei in den Niederlanden ansässige Verdächtige wurden europäische Haftbefehle ausgestellt. Weitere Tatverdächtige sind in Österreich und Italien wohnhaft. Der umfangreiche Vorgang wird nunmehr den österreichischen Behörden zur Durchführung eines Sammelverfahrens zugeleitet. Den Stein der Ermittlungen hatte ein 28 Jahre alter Geschäftsmann aus Karlsruhe ins Rollen gebracht, nachdem er im Mai vergangenen Jahres von der Betrügerbande um fast 60.000 Euro geprellt worden war. Der Mann hatte sich auf eine Internet-Annonce angeblicher Privatinvestoren um einen Kredit von rund 600.000 Euro beworben. In der Folge war er von den unter Aliasnamen auftretenden und äußerst seriös wirkenden „Geldgebern“ aufgefordert worden, zehn Prozent der Kreditsumme als Sicherheit zu hinterlegen und den Betrag zu einem Treffen in Mailand mitzubringen. Kaum hatte der Mann das Geld aber hinterlegt, waren die vermeintlichen Geschäftspartner auch schon verschwunden. Nach Erstattung der Anzeige übernahm das für Organisierte Kriminalität zuständige Dezernat der Karlsruher Kriminalpolizei die weiteren Ermittlungen. Unter Federführung der Karlsruher Staatsanwaltschaft und in enger Zusammenarbeit mit einer ganzen Reihe von deutschen Polizeidienststellen sowie insbesondere auch dem oberösterreichischen Landeskriminalamt konnten die Beamten die Tatverdächtigen ermitteln und die Strukturen der Bande schließlich Stück für Stück offen legen. Dabei nutzten sie alle kriminalpolizeilichen Möglichkeiten aus und setzten in Italien unter anderem auch einen Verdeckten Ermittler ein. Inzwischen steht fest, dass durch die allesamt nach gleichem Muster ablaufenden

Vorauszahlungsbetrügereien Geschäftsleute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

geschädigt wurden. Fast immer ging es bei den Taten um großvolumige Kredite oder Immobilienkäufe und hierfür anfallende Sicherheitszahlungen oder Vermittlungsgebühren, die den Geschäftsleuten schließlich abgejagt wurden. Hierzu bedienten sich die Beschuldigten verschiedenster Falschpersonalien, die sie oftmals noch mit Doktortiteln schmückten, um ihre Kunden zu beeindrucken. Für die Anbahnungstreffen lockten sie ihre Opfer vielfach ins Ausland, beispielsweise nach Italien, Belgien und die Niederlande. Neben dem Karlsruher Geschädigten wurden auch deutsche Geschäftsleute aus dem gesamten Bundesgebiet hinters Licht geführt. Außerdem dürfte das Dunkelfeld dieser Vorauszahlungsbetrügereien beträchtlich sein, zumal die Täter teilweise auch offen auf „Schwarzgeld“ ihrer Opfer spekulierten und daher damit rechnen konnten, dass diese keine Anzeige erstatten.