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05.05.2011

Schockanrufe: Litauische Geldabholer festgenommen

ETTLINGEN/BRUCHSAL. Die Polizei hat in Bruchsal zwei 23 und 25 Jahre alte Männer festgenommen, die in dringendem Verdacht stehen, Mitglied einer Bande von so genannten "Schockanrufern" zu sein. Bei diesen in russischer Sprache meist aus dem osteuropäischen Ausland geführten Telefonanrufen wird in Deutschland wohnhaften Spätaussiedlern von einem angeblichen Polizeibeamten mitgeteilt, dass ein naher Verwandter einen schweren Unfall verursacht hätte. Zur Abwendung einer Haftstrafe fordern die Anrufer von ihren zunächst geschockten Opfern ein Geldbetrag in Höhe von mehreren tausend Euro.

Bei den seit Anfang April von der Staatsanwaltschaft Karlsruhe und der Kriminalpolizei-Außenstelle Ettlingen geführten Ermittlungen, die sich auf insgesamt vier versuchte und zwei vollendete Taten in Bruchsal und Ettlingen beziehen, wurden die Angerufenen bislang um rund 16.000 Euro betrogen.

Der geistesgegenwärtigen Reaktion eines möglichen Opfers war es dann am Mittwochnachmittag zu verdanken, dass die beiden als Geldabholer eingesetzten Männer von Kräften des Mobilen Einsatzkommandos der Landespolizeidirektion Karlsruhe festgenommen werden konnten. Nachdem die in Bruchsal wohnhafte Frau ebenfalls von einem angeblichen Polizeibeamten über einen schweren Unfall ihres Sohnes unterrichtet worden war und bei einem Rückruf bei der mit der Vorwahl 00370 (Litauen) beginnenden Telefonnummer die Übergabe von 5.000 Euro vereinbart worden war, informierte sie umgehend die Polizei.

Als die beiden Männer dann zur vereinbarten Geldübergabe die Wohnung des vermeintlichen Opfers aufsuchten, klickten die Handschellen. Während einer der Männer in der Wohnung dingfest gemacht wurde, nahmen die Spezialkräfte den zweiten zunächst flüchtenden Mann nach einer kurzen Verfolgung ebenfalls fest. Beide werden nun auf Antrag der Staatsanwaltschaft Karlsruhe noch am Donnerstag dem zuständigen Haftrichter vorgeführt. Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei dauern an.

 Die Polizei rät in diesem Zusammenhang - ähnlich wie bei den so genannten Enkeltrickbetrügern - die Angaben des Anrufers genau auf Plausibilität zu prüfen, sich keinesfalls auf vorschnelle Geldübergaben einzulassen und umgehend die Polizei zu verständigen. Woher die Betrüger wissen, dass sich bei den Angerufenen meist tatsächlich ein naher Verwandter im Ausland befindet oder ob es sich dabei um Zufall handelt, ist bislang nicht bekannt. pol