
STUTTGART. Sollen die Schulferien im Land verkürzt werden? Allein in diesem Sommer sind es wieder sechseinhalb Wochen ohne Unterricht – für Schüler wie für Lehrer ein großes Stück Lebensqualität, für viele Eltern aber ein Problem.
Denn als Berufstätige haben die meisten von ihnen weniger Urlaub – und damit ein Betreuungsproblem. Wer Lehrern Urlaub kürzen will, kann zwar mit Zustimmung bei großen Teilen des Wählervolks und der Stammtische rechnen. Aber Schülern die Ferien nehmen? Das würde zu weit gehen, meinen Elternbeirat, Gewerkschaft und auch die Landesregierung.
„Zwölf bis 13 Schließwochen pro Jahr sind nicht nur für berufstätige Eltern ein Problem“, hatte Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) jüngst in Karlsruhe vor Vertretern der Führungsakademie gesagt. Weil auch viele Vereine Pause machten, seien die Kinder „seelisch obdachlos“, wird der Regierungschef zitiert – die Schulferien seien zu lang. Will die Regierung also die Ferien kürzen? Keineswegs, versicherte gestern Regierungssprecher Christoph Dahl. Es gehe Oettinger nur darum, dass die Betreuungsangebote für Schüler in den Ferien ausgebaut werden.
In diesem Punkt sind sich alle einig. Doch wer übernimmt die Betreuung? Die Vorsitzende des Landeselternbeirats, Christiane Staab, sieht die Lehrer in der Pflicht: „Kinder können zwar auf gar keinen Fall auf die Ferien als Erholungszeit verzichten. Aber man kann doch wunderbar in dieser Zeit Förderangebote für schwache oder starke Schüler ausarbeiten. Warum sollte etwa ein Chemielehrer, der nur drei Wochen in die Sommerferien fährt, die restlichen drei Wochen nicht etwa Experimente mit den Kindern machen?“
Der Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Matthias Schneider, sieht das gelassen: Die Frage der Schulferien berühre die Lehrer gar nicht direkt. Schließlich hätten sie 30 Tage Urlaub im Jahr. In den Schulferien seien sie mit Korrekturen von Klassenarbeiten und Unterrichtsvorbereitung beschäftigt. In der letzten Woche der Sommerferien stünden Konferenzen auf der Agenda.
Die Landesregierung sieht bei der Betreuung die Kommunen in der Pflicht. Doch die geben den Schwarzen Peter wieder zurück: „Eine durchgehende Betreuung sechs Wochen lang würde die Städte und Gemeinden überfordern“, sagte Johannes Stingl, Beigeordneter beim Gemeindetag. Auch das Land müsse da seinen Beitrag leisten. Aus Sicht der GEW könnte eine andere Einteilung der Ferienblöcke Hilfe bringen. Insbesondere das zweite Schulhalbjahr sei durch die Oster- und Pfingstferien zerstückelt. Schneider plädiert für eine Trimesterlösung mit drei Ferienblöcken im Winter, Frühling und Sommer, wobei die Pfingst- und Osterferien womöglich gestrichen werden müssten.
Der Tourismuspräsident und Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) sieht ebenfalls das Problem, dass vor allem das zweite Schulhalbjahr häufig von Ferientagen unterbrochen wird. An den Pfingst- und Sommerferien dürfe aus Sicht der Tourismusindustrie nicht gerüttelt werden, ließ Pfister erklären. Aber eine andere Aufteilung anderer Ferientage sei denkbar.
Und das eigentlich zuständige Kultusministerium? Wird es von einer neuen bildungspolitischen Initiative des Ministerpräsidenten aufgeschreckt? Das Ministerium spricht von einem „berechtigten Vorstoß“ Oettingers. Es gebe nun mal das Problem, dass die Kinder längere Ferien hätten als ihre Eltern, sagte ein Sprecher. Da müsse etwas getan werden.
Autor: pz-mitarbeiter bernward loheide, dpa





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