

Stuttgart. Der umstrittenen Scientology-Organisation drehen die Spender in Baden-Württemberg nach Einschätzung eines Experten den Geldhahn zu. Das geschehe aber nicht unbedingt freiwillig, sagte Rainhard Hoffmann vom Landesamt für Verfassungsschutz. „Viele Scientologen sind ausgeblutet.“ Der als antidemokratisch eingestuften Vereinigung falle es deutlich schwerer als früher, Gelder einzusammeln „oder sie freiwillig zu bekommen“.
Bei vielen Scientology-Mitgliedern im Südwesten – darunter Angestellte, Handwerker, Immobilienmakler, Zahnärzte oder Ingenieure – sei ein Limit erreicht. „Die können einfach nicht mehr abdrücken“, sagte Hoffmann. Der baden-württembergische Verfassungsschutz wisse aber auch von einigen Anhängern, die sich für die Organisation hoch verschulden. So würden in einigen Fällen zeitlebens mehrere 100000 Euro an Scientology gezahlt. Hinzu komme Geld etwa für Seminare oder Bücher. „Scientology ist dort stark, wo die Kaufkraft ist.“
Als ein Beispiel für die Folgen des rückläufigen Spendeneinkommens nannte Hoffmann die Pläne der Organisation, eine sogenannte Ideale Org in Stuttgart zu gründen. Für ein solches prestigeträchtiges Gebäude hat Scientology seit 2004 nach Schätzungen der Verfassungsschützer mehr als sechs Millionen Euro aus den Anhängern im Südwesten herausgeholt. Der für März 2011 angekündigte Termin für die Eröffnung sei jedoch abgesagt worden. „Wir denken aber, die Organisation arbeitet immer noch daran“, erklärte Hoffmann. „Vielleicht plant sie einen Überraschungscoup.“
Entwarnung gibt der Fachmann daher nicht: „Wir halten Scientology nach wie vor für gefährlich.“ Zwar sei die Gefahr relativ – gut informierte Menschen ließen sich weniger leicht beeinflussen. Doch: „Die Organisation ruiniert auch hierzulande Menschen psychisch und finanziell.“ Das Innenministerium betont: „Scientology hat in Baden-Württemberg einen ihrer Schwerpunkte bundesweit und das dichteste Netzwerk.“ Vertretungen gebe es in Stuttgart, Ulm, Karlsruhe, Göppingen und Kirchheim/Teck. Ein weiterer Trend: „Wir haben den Eindruck, dass die Organisation überaltert“, so Hoffmann. Rund 70 Prozent der Scientologen im Südwesten sind laut Verfassungsschutz 50 Jahre und älter; nur etwa zehn Prozent seien jünger als 30 Jahre. „Viele Alt-Scientologen bringen inzwischen ihre Kinder mit, die jetzt Fuß fassen.“ An Neuanwerbungen mangelt es. „Ich denke, die Bevölkerung ist aufgeklärter als früher.“ Scientology selbst behauptet, dass sich die Mitgliederzahl in Deutschland leicht erhöht habe.
Autor: Marco Krefting






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