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09.08.2011

Segeltour trotz Sturmwarnung: Wassersportler aus Bodensee gerettet

Friedrichshafen (dpa/lsw) - Leichtsinn und Selbstüberschätzung haben erneut Wassersportler auf dem stürmischen Bodensee in Seenot gebracht. Wie die Wasserschutzpolizei Friedrichshafen berichtete, trieben zwei Segler am Montagnachmittag bei Sturmböen bis Windstärke 8 hilflos vor Überlingen (Bodenseekreis).

Die Besatzung eines Fahrgastschiffes alarmierte die Wasserschutzpolizei. «Hier hat das seglerische Können eindeutig nicht ausgereicht», sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Während ein Schlauchboot der Seglergemeinschaft Überlingen zur Bergung der beiden ausrückte, gab die Wasserschutzpolizei ihnen per Außenlautsprecher Anweisungen, um ein weiteres Abtreiben des Bootes zu verhindern.

 

Vor Friedrichshafen kenterte eine Segeljolle mit zwei Männern, die daraufhin von einem vorbeifahrenden Motorschiff aufgenommen wurden. Ihr kieloben treibendes Boot wurde erst Stunden später bei Eriskirch (Bodenseekreis) geborgen. Vor Kressbronn (Bodenseekreis) trieb ein manövrierunfähiges Segelboot mit ausgefallenem Motor und zerfetzten Segeln. Die Wasserschutzpolizei Friedrichshafen schleppte das Boot mit zweiköpfiger Besatzung schließlich in den Yachthafen des Ortes. Ein Surfer wurde von der Überlinger Surfschule als vermisst gemeldet. Die Wasserschutzpolizei fand den Mann später «völlig entkräftet» am Ufer bei Nussdorf.

Der Wunsch, auf dem größten deutschen See als eigener «Kapitän» unterwegs zu sein, ist ungebrochen. 3000 bis 6000 Männer und Frauen legten jährlich ihre Prüfung zum Bodensee-Schifferpatent ab. Das Bodensee-Schifferpatent sei wegen seiner Qualität so begehrt, sagt Hans-Dieter Möhlhenrich, Chefredakteur des IBN Fachmagazins für Wassersport am Bodensee. Mit dem Patent erwirbt man zugleich den «Sportbootführerschein Binnen».

Insgesamt haben 57 000 Boote die Lizenz zum Schippern auf dem Bodensee. Die Begrenzung der Liegeplätze habe sich als sehr wirkungsvolles Mittel bewährt, den See vor zu viel Bootsbetrieb zu schützen, erklärt Ludwig Gebhard, Leiter des Schifffahrtsamtes im Bodenseekreis, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Nur etwa 24 000 Boote haben einen Liegeplatz in einem der 179 Häfen des Gewässers. Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) hatte in den 1980er-Jahren die Zahl der Liegeplätze gedeckelt.