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30.03.2011

Strobl greift nach CDU-Landesvorsitz - Gönner verzichtet

STUTTGART. Baden-Württembergs CDU-Generalsekretär Thomas Strobl will Nachfolger des scheidenden Landesvorsitzenden Stefan Mappus werden. Dagegen verzichtete die scheidende Umweltministerin und Mappus-Vertraute Tanja Gönner am Mittwoch endgültig auf eine Kandidatur. Damit gibt es neben Strobl derzeit nur noch einen potenziellen Bewerber: CDU-Fraktionschef Peter Hauk.

Der 50-Jährige deutete aber an, dass er mit einer Doppelspitze gut leben könnte. Hauk hatte am Dienstag Gönner im Rennen um den Fraktionsvorsitz klar besiegt.Der Heilbronner Bundestagsabgeordnete Strobl sagte der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart, zunächst müsse die Partei Gelegenheit haben, über die neue Aufstellung nach der historischen Niederlage bei der Landtagswahl zu diskutieren. „Aber am Ende würde ich mich auch in die Pflicht nehmen lassen“, sagte der 51-Jährige. Strobl erhielt viel Zuspruch für seine Bewerbung, stieß aber auch auf Vorbehalte. Die Entscheidung fällt beim Landesparteitag am 7. Mai.Der Schwiegersohn von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble geht davon aus, dass der neue Fraktionschef Peter Hauk nichts gegen seine Kandidatur einzuwenden hat. „Peter Hauk hat ja mehrfach erklärt, dass er sich eine Doppelspitze gut vorstellen kann.“Zuvor hatte Parteivize Thorsten Frei für Strobl geworben. „Thomas Strobl wäre aus meiner Sicht eine hervorragende Lösung, weil er als Chef der Landesgruppe im Bundestag einen echten Machtfaktor in der Landespartei repräsentiert“, sagte Frei der dpa. Der Oberbürgermeister von Donaueschingen ist klar für eine Doppelspitze. „Es würde aus meiner Sicht mehr Sinn machen, wenn man die Ämter getrennt hält.“Gönner ließ erklären: „In dieser Zeit ist Geschlossenheit gefragt. Ich bin weiterhin der Überzeugung, dass die Arbeit schlagkräftiger wird, wenn wie in Rheinland-Pfalz die beiden Funktionen der Fraktions- und Parteispitze in einer Hand gebündelt sind. Nach der bereits gestern (Dienstag) erfolgten Wahl des Fraktionsvorsitzenden ist die Grundlage hierfür für mich nicht gegeben.“ Sie plädierte erneut dafür, die Parteibasis und die Mitglieder noch stärker einzubinden.Hauk will die Basis entscheiden lassen, ob Partei- und Fraktionsvorsitz in eine Hand kommen soll. „Jetzt ist die Partei am Zug“, sagte Hauk der dpa. Eine Bündelung beider Posten bei einer Person sei aber „nicht notwendig“. Sollte sich die Partei für ein Führungstandem entscheiden, müsse dies mit zwei Personen besetzt sein, die sich verstehen. „Wenn das harmonisch funktioniert, dann könnten zwei Köpfe besser sein als einer.“ Der CDU-Kreisvorstand in Mannheim sprach sich für Hauk als Parteichef aus.Nach dem Karlsruher CDU-Bundestagsabgeordneten Ingo Wellenreuther stärkte auch sein Pforzheimer Kollege Gunther Krichbaum Strobl den Rücken. „Thomas Strobl wäre die beste Lösung für den Landesvorsitz. Mit dieser Einschätzung stehe ich in der CDU-Landesgruppe im Bundestag sicher nicht allein“, sagte Krichbaum der Ulmer „Südwest Presse“. Bundesvorstandsmitglied Axel Fischer kann sich Hauk oder Strobl vorstellen. „Entweder alles in eine Hand, oder man bezieht die Bundespolitik ein“, sagte der Bundestagsabgeordnete der dpa.Der Chef der CDU Württemberg-Hohenzollern, Andreas Schockenhoff, hatte Gönner dazu ermuntert, neu über eine Kandidatur nachzudenken. Die Niederlage gegen Hauk dürfe nicht das Ende ihrer Ambitionen auf das andere Spitzenamt sein. „Deswegen sollten wir in Ruhe neu überlegen“, sagte Schockenhoff der dpa. Gönner gehört zum Bezirksverband Württemberg-Hohenzollern. Der CDU-Bundestagsabgeordnete sprach sich indirekt gegen Strobl aus. „Ich meine, es sollte im Sinne einer kraftvollen Opposition ein Landespolitiker machen."