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10.02.2010

Szenen am Rande der Mappus-Wahl

Eigentlich war die Wahl von Stefan Mappus eine sichere Sache – trotzdem war vorher das große Zittern angesagt. Zumindest bei vielen Pforzheimern, die das Ereignis live im Landtag miterleben wollten: Stau Richtung Stuttgart, vom Schattenring bis zum Heslacher Tunnel. Und so bedauerten sich die zahlreichen Fahrgemeinschaften anschließend gegenseitig: „Wir standen eine halbe Stunde. Da ging gar nichts.“

Als Reaktion ein mitfühlendes Nicken: „Ich dachte schon, wir verpassen die Wahl, dabei sind wir extra früh von zuhause losgefahren…“

Günther Oettinger kam, Lothar Späth kam und später kam auch noch Erwin Teufel. Den hatten Schnee und Stau ausgebremst. Am Ende war die Riege der drei letzten Ex-Ministerpräsidenten dann aber komplett. Nur die Eltern von Mappus Frau Susanne verzichteten letztendlich witterungsbedingt auf eine Fahrt nach Stuttgart.

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Pforzheim war gestern Morgen jedenfalls unregiert – ein Großteil der politischen Prominenz aus der Goldstadt tummelte sich im Landtag. Erst auf der Besuchertribüne des Plenarsaals, dann beim Empfang im Foyer. Gut 50 Mann hoch war die Delegation. Von den Bürgermeistern Gert Hager, Roger Heidt und Alexander Uhlig über zahlreiche Gemeinderatsmitglieder bis hin zu etlichen Personen aus der regionalen Wirtschaft war alles vertreten.

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Bei Kartoffelsuppe, Häppchen, Sekt und Kaffee wurde nach Mappus' Vereidigung ausgiebig darüber diskutiert, ob seine Wahl nun tatsächlich ein Vorteil für Pforzheim und die Region sei, wer ihm die Stimme verweigert habe und wie das künftige Kabinett wohl aussehe. Währenddessen nahm der neue Ministerpräsident im Blitzlichtgewitter die Glückwünsche entgegen.

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Kieselbronns fußballbegeisterter Bürgermeister Heiko Faber, der zusammen mit Ispringens Bürgermeister Volker Winkel kam, freute sich mit dem talentierten Freizeitkicker Mappus: „Auf dem Fußballplatz standen wir schon gemeinsam, jetzt hoffe ich, dass wir auch außerhalb einige Doppelpässe spielen können.“

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Andere sportliche Ansprüche hat Pforzheims Baubürgermeister Alexander Uhlig, der nebenbei im Alpenverein äußerst aktiv ist: „Ziel ist es, den Ministerpräsidenten jetzt mal auf die Pforzheimer Hütte zu lotsen.“ Ein Problem dürfte das eigentlich nicht sein, macht sich Mappus doch sowieso gerade auf in neue Höhen.So sieht es auch CDU-Stadtrat Rolf Constantin: „Sein Aufstieg ist sehr beachtlich: Das zeugt von Durchsetzungsvermögen, aber auch von der Anerkennung durch seine Mitstreiter.“ Dass Mappus so schnell zum Gipfel kommen würde, „war aber nicht absehbar“, so Constantin.

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Dass die Luft ganz oben dünn wird für Mappus, glaubt Thomas Knapp, der SPD-Abgeordnete für den Enzkreis. „Ist das Land jetzt in guten Händen, Herr Knapp?“ „Wollen Sie mich das so direkt fragen?“ „Ja.“ „Dann muss ich sagen: Nein!“

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Ein Parteifreund wie Winfried Scheuermann sieht das naturgemäß anders: „Das war jetzt der vierte Ministerpräsident, den ich gewählt habe. Und diesmal war es derjenige, dem ich am unbefangensten gegenübertreten kann.“ Das Land sei jetzt in guten Händen, da könne er beruhigt seinem politischen Abtritt entgegensehen, sagt der CDU-Abgeordnete aus dem Enzkreis: „Aber auf das eine Jahr der Zusammenarbeit freue ich mich noch sehr.“Und wer war der Abweichler, der Mappus bei seiner Wahl die Stimme versagt hat? Freund und FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke klärt aus: „Die eine Stimme die fehlte, war seine eigene. Mappus hat sich auf Geheis seiner Frau enthalten.“

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Zum ersten Mal bekam FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke im Landtag gestern Besuch von seiner Frau aus Pforzheim. Zusammen mit dem jüngsten Spross der Familie saß die bei der Wahl auf der Besuchertribüne direkt neben Mappus' Frau. Im Arm den acht Monate alten Johannes, der zufrieden am Fläschchen nuckelte und ansonsten still das Geschehen im Landtag verfolgte. „Ja, das ist unser Brävster“, nickte Rülke stolz.
„Stolz wie Bolle“, sei man auch in der CDU Pforzheim, dass einer aus ihren Reihen es ins Amt des Ministerpräsidenten geschafft habe, meinte Viktoria Schmid lachend. Von der Besuchertribüne verfolgte sie das Geschehen, das sie möglicherweise bald mitgestalten kann. Schließlich hat sie bei der CDU ihren Hut um die Nachfolge von Winfried Scheuermann in den Ring geworfen.

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Sichtlich bewegt waren Thomas und Stefanie Hell von der Wahl. Der
sportliche Leiter des TC Wolfsberg und seine Frau sind gut befreundet mit Familie Mappus – zuletzt wurde Silvester zusammen gefeiert, die Kinder sind im selben Alter. Nur als Tennispartnerin wird Susanne Verweyen-Mappus künftig schwerer zu kriegen sein, oder? „So wie ich sie kenne, schafft sie es, sich die Zeit freizuräumen“, ist Stefanie Hell zuversichtlich.***Und ist es auch von Vorteil für Pforzheim? Noch einmal Thomas Knapp: „Ein Nachteil für die Region ist es sicher nicht. Aber alles was der Ministerpräsident im eigenen Wahlkreis macht, wird natürlich besonders kritisch beäugt.“ Sven Bernhagen