

KARLSRUHE. Das Land Baden-Württemberg baut die Therapie-Angebote für entlassene Gewalt- und Sexualverbrecher aus. In der Fächerstadt Karlsruhe wurde gestern die „Forensische Ambulanz Baden“ eröffnet.
Gefährliche Straftäter werden dort auch nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis psychotherapeutisch und psychiatrisch behandelt. Dies sei ein entscheidender Beitrag zu mehr Sicherheit, sagte Justizminister Ulrich Goll (FDP).
Ähnliche Projekte gibt es bisher in den Justizvollzugsanstalten (JVA) Mannheim, Heimsheim und Heilbronn; eine erste Psychotherapeutische Ambulanz existiert seit 1998 bei der Bewährungshilfe Stuttgart. Therapie sei Opferschutz und senke das Rückfallrisiko, sagte Goll. Auch der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Stefan Mappus, sprach von einem „messbaren Sicherheitsgewinn“ durch solche Behandlungsangebote. Goll räumte ein, dass trotz des Ausbaus von Therapieangeboten in den vergangenen Jahren „noch nicht die Grenze erreicht ist, an der wir sagen können, nun haben wir genügend Möglichkeiten“. Im nächsten Jahr werde sich die Lage durch eine sozialtherapeutische Abteilung mit 60 Plätzen in der neuen JVA Offenburg weiter verbessern. Die „Forensische Ambulanz Baden“ hat bereits im Juni die Arbeit aufgenommen und behandelt derzeit rund drei Dutzend Gewalt- und Sexualstraftäter. Sie wurde von der „Behandlungsinitiative Opferschutz“ (Bios) ins Leben gerufen, einem 2005 gegründeten Zusammenschluss aus Richtern, Staatsanwälten, Therapeuten und Wissenschaftlern. Die Karlsruher Einrichtung ist bereits das vierte Projekt der Initiative. Goll bescheinigte ihr eine „erstaunliche Energieleistung“.
Laut Mappus, auf dessen Initiative das Land der Bios eine Anschubfinanzierung gewährt hatte, schließt die Forensische Ambulanz eine konzeptionelle Lücke bei der Nachsorge für entlassene Straftäter: „Wir werden sie auch weiterhin unterstützen, weil das einen Gewinn für die innere Sicherheit bedeutet.“
Die Karlsruher Generalstaatsanwältin Christine Hügel wies darauf hin, dass die Zahl der Gewaltdelikte in den vergangenen Jahren stark gestiegen sei. Deswegen sei es wichtig, durch Therapien die Rückfallgefahr zu senken. „Wegsperren allein bringt nichts.“
Autor: pz-mitarbeiter wolfgang janisch, dpa





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