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12.03.2009

Trauergottesdienst nach Schulmassaker

Nach dem Amoklauf in Winnenden mit 16 Toten haben am Abend hunderte Menschen Trost und Halt in einem ökumenischen Gottesdienst gesucht. Auch viele Schüler der Albertville-Realschule, in der der 17 Jahre alte Tim K. am Mittwochmorgen ein Massaker angerichtet hatte, waren gekommen. Immer wieder brachen Trauernde unter Tränen und Schluchzen zusammen und mussten von Sanitätern aus der Kirche gebracht werden.

Zum Ende des Gottesdienstes entzündeten Dutzende Trauergäste eine Kerze und legten sie unter dem Kreuz vor dem Altar der St.-Karl-Borromäus-Kirche nieder.

Vor der Schule, aus der die Leichen der getöteten Schüler und Lehrer erst am Abend herausgetragen worden waren, versammelten sich in der Nacht Dutzende zu einer Mahnwache. Hunderte Kerzen erinnerten an die Opfer. Trauernde hatten Kuscheltiere, Porzellanfiguren, Frühlingsblumen und roten Rosen niedergelegt.
Neun Verletzte wurden in der Nacht zum Donnerstag noch im Krankenhaus behandelt. Wie die Polizei am frühen Morgen weiter mitteilte, befand sich keiner von ihnen in Lebensgefahr. Bei den Angeschossenen handele es sich um fünf Schüler, zwei Lehrer und zwei Polizisten.
Tim K. war am Mittwochmorgen im schwarzen Kampfanzug und mit einer Pistole seines Vaters bewaffnet in seiner früheren Schule erschienen und hatte acht Mädchen und einen Jungen im Alter von 14 bis 15 Jahren getötet, die meisten von ihnen mit gezieltem Kopfschuss. Außerdem ermordete er drei Lehrerinnen. Anschließend zwang der 17-Jährige einen Autofahrer, ihm bei der Flucht zu helfen. Im 40 Kilometer entfernten Wendlingen konnte die Polizei den Amokläufer stoppen: Nachdem Tim K. in einem Autohaus noch zwei weitere Menschen getötet hatte, lieferte er sich einen Schusswechsel mit der Polizei. Dabei wurde er verletzt und nahm sich selbst das Leben.
Während die Albertville-Realschule in Winnenden vorerst geschlossen bleibt, wollten die Lehrer an vielen anderen Schulen im Land am Donnerstag mit ihren Schülern über das Geschehene sprechen und ihnen die Angst nehmen. Zahlreiche Bundesländer schickten Schul- und Polizeipsychologen nach Baden-Württemberg. Die Polizei kündigte eine gezielte Überwachung von Schulen in der Region an.

dpa