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12.05.2011

Universitäten verschärfen Suche nach Plagiaten

TÜBINGEN/KONSTANZ. Karl-Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch-Mehrin, Matthias Pröfrock - nach den Plagiatsvorwürfen gegen Politiker haben Hochschulen im Südwesten ihre Prüfungsordnungen für Doktoranden auf die Probe gestellt. «Die aktuellen Fälle haben sicherlich eine Sensibilität ausgelöst», sagte ein Sprecher der Universität Tübingen am Donnerstag. Dort wird im Moment in den Prüfungsordnungen nach und nach eine Klausel eingeführt, dass Doktoranden eine eidesstattliche Erklärung abgeben müssen. «Damit hat ein Täuschungsversuch scharfe rechtliche Konsequenzen», sagte der Sprecher.

Die Universität Tübingen prüft im Moment, ob der CDU-Landtagsabgeordnete Matthias Pröfrock aus Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) bei seiner juristischen Dissertation Textpassagen fremder Autoren ohne Kennzeichnung verwendet hat. Der 33-Jährige hatte daraufhin erklärt, seinen Doktortitel vorerst ruhen zu lassen.

In Tübingen war es zuletzt 2005 in drei Fällen bis zum Entzug des Doktortitels gekommen. Die Doktoranden hatten damals in den Fächern Jura, Psychologie und katholische Theologie fremde Texte ohne Quellenangaben in ihre Doktorarbeiten übernommen und waren im Nachhinein aufgeflogen.

Auch die Universität Konstanz überlegt im Moment, ob die Promotionsordnung verschärft werden sollte. Eidesstattliche Erklärungen müssen Doktoranden dort schon seit fünf Jahren abgeben, sagte eine Sprecherin. Nun werde vor allem diskutiert, ob Doktorarbeiten generell von einem Computerprogramm auf Parallelstellen im Internet durchsucht werden sollten. «Manche Professoren prüfen schon heute grundsätzlich alle Arbeiten, andere machen es nur bei Verdachtsmomenten. Jetzt überlegen wir, ob eine solche Überprüfung verpflichtend in der Promotionsordnung geregelt werden sollte», sagte die Sprecherin.

Die Uni-Heidelberg prüft derzeit Plagiatsvorwürfe gegen die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin. Die 40-Jährige war daraufhin am Mittwoch von ihren politischen Posten zurückgetreten. dpa