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06.05.2011

Versuchter Mord: Mehrjährige Haftstrafe für zweifache Mutter

KARLSRUHE. Die Liebe zu ihren Kindern und Rachegelüste gegenüber ihrem Ehemann haben eine zweifache Mutter aus dem Landkreis Karlsruhe beinahe zur Mörderin werden lassen. Wegen versuchten Mordes wurde die 39-jährige Frau am Freitag vom Landgericht Karlsruhe zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte elf Jahre gefordert.

Beim «traurigen Schlusspunkt» des Rosenkrieges seien alle Beteiligten Verlierer, sagte der Vorsitzende Richter Leonard Schmidt bei seiner Urteilsbegründung. Die Frau hatte den von ihr getrennt lebenden Ehemann unter einem Vorwand in ihre Wohnung gelockt und ihn dann mit zwei Revolverschüssen in Hals und Hinterkopf schwer verletzt. Während sie abdrückte hatte sie noch «Du nimmst mir meine Kinder nicht weg» gerufen.

Nach Ansicht der medizinischen Sachverständigen hatte der 43-Jährige «schier unglaubliches Glück». Das Projektil verfehlte nur knapp die Luftröhre und blieb etwa einen Millimeter vor dem Rückenmark stecken, wo es wegen des großen Risikos bisher operativ nicht entfernt werden konnte.

Dem blutigen Familiendrama ging ein jahrelanger Streit um das Sorgerecht für den siebenjährigen Sohn und die dreijährige Tochter voraus. Als sich der Vater durch zwei Instanzen das Sorgerecht erkämpfte, fiel für die Frau eine Welt zusammen. «Sie hatte alles verloren, Wohnung, Mann, Kinder. Ihr eigener Lebensentwurf als gutbürgerliche Hausfrau und Mutter war endgültig gescheitert», beschrieb Schmidt ihre emotionale Situation.

In ihrer Ohnmacht projizierte sie all ihren Hass auf ihren Mann. Im Freundeskreis und in Internetforen machte sie ihren Tötungsfantasien Luft, bei ihren Nachbarn erkundigte sie sich nach einem professionellen Killer. Einen Tag vor der Tat besorgte sie sich von einem Bekannten schließlich die Waffe. Bei den Ermittlungen hatte die Frau ausgesagt, sie habe ihrem Mann die Waffe entrissen und dann in Notwehr geschossen. Noch zu Beginn der Hauptverhandlung beharrte sie auf dieser Lügengeschichte, bis sie sich auf Anraten ihrer Verteidiger zu einem tränenreichen Geständnis durchrang.

Der Anwalt wertete die «dilettantisch geplante Tat» als einen «spontanen Entschluss» und sah eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren für ausreichend. dpa