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07.08.2011

Wegen Plagiatsaffäre: FDP-Generalsektretärin kritisiert Koch-Mehrin

STUTTGART. Die neue Generalsekretärin der baden- württembergischen FDP, Gabriele Heise, kritisiert ihre Parteifreundin Silvana Koch-Mehrin. Die liberale Europapolitikerin hätte sich nach den Plagiatsvorwürfen von all ihren Ämtern - auch ihrem Sitz im EU-Parlament - trennen müssen, sagte Heise in Stuttgart der Nachrichtenagentur dpa. «Ich hätte es besser gefunden, wenn sie komplett die Konsequenz gezogen hätte.» Der Diebstahl geistigen Eigentums sei ein nicht zu entschuldigender Fehler: «So was geht nicht.» Zugleich mahnte die 45-Jährige eine Diskussion an über den «Titel-Wahn» außerhalb des akademischen Laufbahn und die Sorgfalt der Universitäten bei der Betreuung von Doktorarbeiten.

Koch-Mehrin hatte im Zuge der Plagiataffäre die Posten der Vorsitzenden der FDP im Europaparlament und der Vizepräsidentin des Europaparlaments niedergelegt, ihr Mandat aber behalten. Unter massivem Druck deutscher Wissenschaftsorganisationen verließ sie später auch den Forschungsausschuss des EU-Parlaments, in den sie noch nach Entzug des Doktortitels gewechselt war. Heise sagte: «Sie war das Gesicht der liberalen Europapolitik.»

Koch-Mehrin hatte Mitte Juli Widerspruch gegen die Entscheidung des Promotionsausschusses der Universität Heidelberg eingelegt. Diesen Schritt bezeichnete die Juristin Heise «nicht sehr klug». Koch-Mehrin müsse als Politikerin Vorbildfunktion haben. Die Diskussion um Koch-Mehrin habe der Partei geschadet. Zugleich müsse gefragt werden, warum Menschen im Berufsleben und mit Abgeordnetentätigkeiten, auf die Schnelle versuchten, sich einen Titel zu verschaffen und dabei zu rechtswidrigen Mitteln griffen.

Heise selbst hat nach eigenen Angaben eine Promotion begonnen, aber aus Zeitmangel aufgegeben. «Der Diebstahl geistigen Eigentums ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden ordentlich arbeitenden Akademikers.» Es bestehe die Gefahr, dass der ganze wissenschaftliche Stand in Misskredit gerate.

Heise monierte, dass manche Fakultäten sich mit der Zahl ihrer Doktoranden brüsteten und Mittelzuweisungen davon abhängig gemacht würden. «Es gibt eine Inflation und damit Entwertung von Doktortiteln vor allem im geisteswissenschaftlichen Fächern», sagte sie. «Ein Titel sagt sehr wenig über die praktischen Fähigkeiten aus, wichtig ist, was man in der Sache macht.» dpa