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15.03.2011

Zoll stellt jede Menge Schwarzgeld und Medizin sicher

STUTTGART. Jede Menge Schwarzgeld und eine Rekordmenge an illegalen Arzneimitteln hat der Zoll im Südwesten zuletzt sichergestellt. Mit 1,7 Millionen eingeschmuggelten Tabletten und Ampullen sowie 16 Kilogramm Rohstoffe zur Herstellung illegaler Medikamente seien 2010 so viele Arzneimittel wie noch nie abgefangen worden, berichtete das Zollfahndungsamt Stuttgart am Dienstag.

Das Spektrum der angeblichen Heilmittel reichte von Appetitzüglern bis hin zu Potenz- und Krebsmedikamenten. Auch gesundheitsgefährdende Stoffe seien so gestoppt worden. Die Gewinne auf dem Schwarzmarkt sind aber auch enorm: So lag die illegal erlangte Summe in einem Fall bei 17 Millionen Euro. Die Tatverdächtigen hatten gut fünf Jahre nicht zugelassene Arznei nach Deutschland geschmuggelt.

Der Singener Zoll hat an der Schweizer Grenze im vergangenen Jahr rund 40 Millionen Euro Schwarzgeld und damit 28 Millionen Euro mehr als im Jahr davor sichergestellt. Auch die Mitteilungen an die Finanzämter über mögliche Kapitalanlagen im Ausland hätten von 680 auf 1454 zugenommen, sagte der Leiter des Hauptzollamtes Singen, Udo Kohlschreiber, am Dienstag in Gottmadingen. In einigen Fällen forderten die Finanzämter Steuerbeträge im fünf- bis sechsstelligen Bereich nach. Das Hauptzollamt Singen nahm im Jahr 2010 demnach Steuern in Höhe von 1,7 Milliarden Euro ein. Die Zollbeamten überwachen den mit 283 Kilometer größten Abschnitt der Grenze zum Nicht-EU-Land Schweiz zwischen Konstanz und Bad Säckingen.

514 Mal wurden die Beamten dort auf der Suche nach Rauschgift fündig, dabei wurden den Angaben zufolge insgesamt zwölf Kilogramm Drogen sichergestellt, davon waren allein sieben Kilogramm Heroin. Bewährt habe sich dabei ein elektronischer Drogenschnüffler, ein Drogen-Sprengstoff-Ionenspektrometer, sagte Kohlschreiber. Das Gerät ist in Singen seit etwa zwei Jahren im Einsatz und wertet in einer Acht-Stunden-Schicht 300 bis 400 Proben aus. An durchschnittlich 30 Prozent der Proben würden Rauschgiftspuren gefunden.

Das Stuttgarter Zollfahndungsamt beschlagnahmte im vergangenen Jahr die Rekordmenge von 163 Kilogramm Kokain und außerdem 10 Kilogramm Heroin, 86 Kilogramm Marihuana und 44 Kilogramm Haschisch. Hinzu kamen 1660 Cannabispflanzen, die in professionellen Indoor-Plantagen sichergestellt wurden. Jede Ernte hätte etwa 70 Kilogramm Marihuana erbracht, hieß es. Zehn Tatverdächtige befinden sich daher in Untersuchungshaft.

Auch die Zahl anderer Schmuggelfälle stieg: Mehr als 6500 Mal entdeckten die Zöllner an der Grenze Waren im Gepäck oder in Fahrzeugen von Reisenden, die anmeldepflichtig waren. Aus dem Verkehr gezogen wurden auch eine Waran-Handtasche, ein Banjo mit einem Schildkrötenpanzer als Klangkörper, verschiedene Skorpione und Schlangen, ein ausgestopfter Kaiman und ein Rotluchs als Bettvorleger. Alles Verstöße gegen das Artenschutzabkommen.