02. Juli 2012
Die JIM-Studie (Jugend, Information, Media) von 2011 listet auf, dass Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren täglich mehr als zwei Stunden im Internet surfen.
Die JIM-Studie (Jugend, Information, Media) von 2011 listet auf, dass Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren täglich mehr als zwei Stunden im Internet surfen.
© dpa

Zwischen Beratung und Pornografie - Aufklärung im Internet

Noch nie fühlten sich Jugendliche so gut sexuell aufgeklärt wie heute. Dennoch gibt es nach Ansicht von Beratern nach wie vor Lücken. Das Internet könnte helfen, doch statt Informationen gibt es dort vor allem Pornografie.

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Beim Thema Sexualaufklärung ist nach wie vor Fingerspitzengefühl gefragt. Zwar lassen die Zahlen einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hoffen: Danach fühlen sich 84 Prozent der Mädchen und 83 Prozent der Jungen beim Thema Sex gut informiert - ein neuer Rekord. Sexualberater sehen dennoch weiterhin Lücken. Sorgen bereitet ihnen auch das Internet. Dort suchen Jugendliche häufig nach Informationen über Sex, finden aber oft nur Pornografie.

Der Sozialarbeiter Rainer Misera von der Mannheimer Beratungsstelle für sexuell übertragbare Infektionen sagt: Viele Kinder ab zehn Jahren haben schon mal pornografisches Material im Internet angeschaut. «Diese prägen dann oft die Vorstellungen über Geschlechterrollen, Identität, Gefühle, Liebe und Sexualität.» So entstünden «Erwartungshaltungen, die stark problematisch sind».

Die JIM-Studie (Jugend, Information, Media) von 2011 listet auf, dass Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren täglich mehr als zwei Stunden im Internet surfen. Bei den 12- bis 13-Jährigen sind es noch 80 Minuten; die Nutzungsdauer steigt mit höherem Alter stetig an. Dass die Jugendlichen dabei auch nach sexuellen Themen suchen, kann man aus der Jugendsexualität-Studie der Bundeszentrale schließen. Dort erklärten 36 Prozent der Jungen mit deutscher Staatsangehörigkeit, dass sie sich am liebsten online über Sexualität und Verhütung informieren würden, bei Jungen mit Migrationshintergrund waren es sogar 46 Prozent.

Die Karlsruher Frauenärztin bei der Beratungsstelle pro familia, Anne Rudigier, beobachtet diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Zwar böten die Medien einen einfachen Zugang zur Aufklärung, aber die Jugendlichen könnten nicht nachfragen. «Oft bleibt es deshalb bei Halbwissen.» In einigen Familien seien Medien allerdings eine der wenigen Möglichkeiten für die Jugendlichen, sich mit sexuellen Themen zu beschäftigen. «Manchmal sind Gespräche aufgrund einer bestimmten Weltanschauung oder Kultur nicht möglich oder sogar nicht erlaubt», erzählt Rudigier. «In solchen Familien wird sogar der Fernseher abgedreht, wenn eine Liebesszene gezeigt wird.»

Das Thema Aufklärung per Internet beschäftigt auch den Diplompsychologen Clemens Zeller, zuständig für sexualpädagogische Fragen bei pro familia im Landkreis Tübingen. Die Beratungsstellen müssten das Problem des Pornografiekonsums offensiver angehen, sagt er. «Das Ansehen von Pornos geht nicht spurlos an Jugendlichen vorbei und beeinflusst ihr sexuelles Verhalten.» Allerdings warnt er gleichzeitig vor Panikmache. Die meisten Jugendlichen seien sich sehr wohl bewusst, dass in den kostenlosen Porno-Clips im Internet nicht die Realität gezeigt werde.

Autor: dpa

02.07.2012
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