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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : „Dialekt im ,Tatort‘ nervt mich“



Webmaster
06.03.2008, 19:45
15 Jahre Kommissar Bienzle im SWR-„Tatort“ – das waren 15 Jahre Kehrwoche und Trollinger. Nun ist Bienzle in Rente und zwei neue Kommissare geben dem Stuttgarter „Tatort“ ein neues Gesicht: Es ist modern und ziemlich unschwäbisch. PZ-Redakteurin Angelika Wohlfrom unterhielt sich mit Richy Müller, der den Kommissar Thorsten Lannert verkörpert, über seine Rolle, den Dialekt und den „Tatort“ im Allgemeinen.

PZ: Herr Müller, gehören Sie eigentlich zu denen, die den Sonntagabend vor der Glotze verbringen, genauer gesagt vor dem „Tatort“?

Richy Müller: Nein.

PZ: Was schätzen Sie dann am „Tatort“?

Müller: Der „Tatort“ ist eine Krimireihe, die seit 1970 besteht, also seit 37 Jahren. Er bietet eine Plattform für gute Regisseure, gute Autoren, gute Schauspieler, um gute Filme zu machen. Und das ist für mich das Reizvolle gewesen. Deshalb habe ich zugesagt.

PZ: Der „Tatort“ ist so eine Art Adelsprädikat. Viel mehr kann man als deutscher Schauspieler nicht erreichen. Oder haben Sie noch andere Pläne?

Müller: Na ja, wenn ich jetzt sagen würde, ich hab’s geschafft, dann würde ich lügen. Geschafft habe ich es, wenn ich in der Kiste liege. Aber was heißt das: „geschafft“? Dass ich jetzt zweimal im Jahr einen Film mache und so eine Sicherheit habe, die ich als Freiberufler bislang nicht hatte? Insofern könnte man sagen, es ist so ein bisschen eine Bank. Aber das war nicht der Beweggrund. Für mich war das einfach eine Herausforderung. Hätte es jetzt geheißen, wir wollen den Herrn Bienzle ersetzen, aber zuerst müssen wir mal gucken, ob der Mantel passt, dann hätte ich gesagt: Nein. Aber mit diesem Sender ein neues Format zu gründen, das war eine große Aufgabe für mich.

PZ: Gibt es denn für den Kommissar Lannert – Bienzles Nachfolger gemeinsam mit Bootz – so etwas wie ein Privatleben?

Müller: Ich wollte das nicht. Da man aber nicht vom Hochwasser angeschwemmt wird, muss man ja irgendwo herkommen. Und das ist dann so ein bisschen sein Geheimnis, das in den nächsten Folgen aufgegriffen wird.

PZ: Was haben Sie gegen ein Privatleben für Fernsehkommissare?

Müller: Ich will ermitteln, und da finde ich es immer so ein bisschen anstrengend, wenn man „Tatort“ guckt und da sitzen zwei Fahnder im Auto, die observieren irgendwas und da sagt der eine zum andern: „Jetzt schlaf ich schon wieder vier Tage auf der Couch“. Sagt der andere: „Ich sag dir doch, kauf deiner Frau mal ’nen anständigen Blumenstrauß.“ Das interessiert mich nicht, denn das ist nur Gerede. Wenn ich Familie habe, soll die filmisch erzählt werden. Aber da wir ja Polizisten sind und ermitteln, wird es nie soweit kommen. Ich brauch’ nicht unbedingt ‘nen Familienhintergrund, um Polizist zu sein.

PZ: Werden Sie Ihre Fälle eigentlich auch mal in den Schwarzwald führen?

Müller: Ich hoffe. Ich hoffe, wir kommen aufs Land. Ich bin ein Verfechter des Landes.

PZ: Sind Sie auch ein Verfechter des Ländles? Sie kommen ja aus Baden-Württemberg...

Müller: Nein, ich bin kein Verfechter von irgendetwas – außer vom Land. Aber das könnte auch Kanada sein oder Sibirien. Ich bin ein Verfechter von unverstellter Weite. Aber ich bin kein Verfechter von irgendwelchen Landesgrenzen. Dann müsste ich sagen: Ick bin Berliner, wa. Ich habe 30 Jahre in Berlin gelebt.

PZ: Die neuen Kommissare Lannert und Bootz sprechen beide Hochdeutsch. Nur der Pathologe Daniel Vogt spricht Dialekt. Ist der Schwäbisch-Anteil im neuen Stuttgarter „Tatort“ nicht zu gering?

Müller: Aber wieso? Ich würde noch nicht mal den Pathologen Schwäbisch reden lassen.

PZ: Warum nicht?

Müller: Wozu denn? Reden Sie Schwäbisch, jetzt mit mir?

PZ: Gelegentlich.

Müller: Aber Sie bemühen sich doch, Hochdeutsch zu reden.

PZ: Meine Sprache ist aber schon gefärbt.

Müller: Gefärbt ist etwas anderes, zum Beispiel wenn der Pathologe im „Tatort“ „N’Obed“ sagt. Das stimmt nicht. Ich finde es nicht richtig, weil es vom Eigentlichen ablenkt. Und es ist nicht nötig, um Lokalkolorit zu zeigen. Aber das ist die Entscheidung des SWR.

PZ: Was bleibt dann übrig, von der regionalen Identität des Films?

Müller: Es gibt „N’Obed“, aber es gibt auch nur die Sprachmelodie. Man erkennt auch daran, ob jemand aus dem Schwabenländle kommt. Aber wenn der Dialekt übertrieben wird wie beim Kollegen von der Spurensicherung bei Lena Odenthal – „Du der redd immer so ganz Mannemerisch“–, interessiert es mich nicht. Es nervt, weil es ablenkt von der Geschichte.

PZ: Ist Stuttgart nur eine Kulisse für Sie oder verbinden Sie etwas mit der Stadt?

Müller: Ich kann nichts verbinden mit einer Stadt, in der ich nie gelebt habe.

PZ: Könnten Sie sich denn vorstellen, in Stuttgart zu leben?

Müller: Nein.

PZ: Warum nicht?

Müller: Weil ich da, wo ich jetzt lebe, zufrieden bin.

PZ: Ein Mannheimer zieht nicht freiwillig nach Stuttgart oder?

Müller: Das sind jetzt gemeine Fragen. Sie wollen nur, dass der „Tatort“ nicht läuft (lacht). Also gut: Ja, ich hab mich schon umgeguckt, hab mir jetzt ein Haus gekauft von der ersten Gage...Südlage. – Das war jetzt natürlich nur ein Scherz.

pierredelarue
06.03.2008, 19:45
Da muss er aber erst mal zeigen, was er kann. Der Bienzle war ein Typ der sympathisch ohne zu viel Getue seine Arbeit gemacht hat. 'n Schwoab halt.

Hengstberg
07.03.2008, 14:12
Da muss er aber erst mal zeigen, was er kann. Der Bienzle war ein Typ der sympathisch ohne zu viel Getue seine Arbeit gemacht hat. 'n Schwoab halt.
Sehr richtig! Wenn der Neue etwas gegen "Schwäbisch" hat, dann soll er eben bei andern Sendern schauspielern!