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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Verkehrsinfarkt befürchtet



Webmaster
08.03.2008, 12:33
ENZKREIS/PFORZHEIM. Die Bahn will 2011 die Strecke Karlsruhe-Durlach/Mühlacker sanieren und sperren. 2011 könnte aber auch der Ausbau der A 8 zwischen Karlsbad und Pforzheim-West starten. Dann droht der Verkehrsinfarkt.

„Ob die Strecke von Karlsruhe-Durlach über Pforzheim bis Mühlacker tatsächlich im Jahr 2011 saniert und dafür komplett gesperrt werden soll, das wird wohl frühestens 2009 festgelegt“, erklärt Wolfgang Herz, Stellvertreter des Enzkreis-Landrats. Herz hatte die Bahn gefragt, wann mit der Sanierung der Strecke zu rechnen ist. Der Enzkreis befürchtet hohe Risiken für den Nahverkehr.

„Das Sanierungsprojekt ist für 2011 vorgesehen. Eine Vollsperrung für mehrere Monate wie in diesem Jahr von Mai bis Oktober zwischen Mühlacker und Bruchsal schließt die Bahn nicht aus“, so Wolfgang Herz, der im Landratsamt auch für den Nahverkehr zuständig ist. „Es ist sehr zu begrüßen, wenn die stark benutzte Strecke generalüberholt würde, so Herz.

Mit Bussen nicht zu machenAllerdings warnt er vor den Risiken einer Vollsperrung: „Allein im Nahverkehr sind hier täglich 7000 bis 9000 Fahrgäste unterwegs. Ein Schienenersatzverkehr mit Bussen ist bei diesen Dimensionen kaum zu bewältigen und auf dieser langen Strecke auch kein adäquater Ersatz.“ Zudem müsse damit gerechnet werden, dass sich viele Fahrgäste wieder in ihr Auto setzen werden: „Dann ist vor allem auf der A 8 und der B 10 der Verkehrsinfarkt programmiert“, befürchtet der Verkehrsdezernent. Wenn zur gleichen Zeit auch noch an der Autobahn zwischen Pforzheim-West und Karlsbad gebaut wird, mag sich Herz die Folgen erst recht nicht vorstellen.

Folgen zur Kenntnis genommenNach Darstellung der Deutschen Bahn AG sei man bei den Planungen noch in einem sehr frühen Stadium. Frühestens im Jahr 2009 werde mit einem konkreten Plan gerechnet. Ob für die Baumaßnahmen tatsächlich eine Streckenvollsperrung erforderlich sein werde, sei noch offen, erklärt Wolfgang Herz. Die Bahn habe jedoch zugesichert, dass die vom Landratsamt dargelegten Verkehrsfolgen berücksichtigt werden. Außerdem wolle sich die Bahn zeitnah mit allen Betroffenen über die Planungen und deren Folgen abstimmen, hofft Herz. pm

lutz
08.03.2008, 12:33
"Eine Vollsperrung für mehrere Monate wie in diesem Jahr von Mai bis Oktober zwischen Mühlacker und Bruchsal schließt die Bahn nicht aus"

Das sind beängstigende Ankündigungen. Ich arbeite in Karlsruhe und fahre zusammen mit vielen anderen hundert Pendlern täglich mit DB oder AVG nach Karlsruhe und zurück. Sollte die Bahn die Strecke zwischen Durlach und Pforzheim tatsächlich sperren, dann wäre es mir nur schwer möglich, weiter zu meinem Arbeitsplatz zu gelangen. Ohne Auto ist auch die A8 keine Alternative.

Bahnverbindungen über Mühlacker und Bruchsal dauern zwei- bis dreimal so lange wie die direkten über Wilferdingen-Singen. Sie sind keine Verbindungen innerhalb des KVV, also gelten vorhandene Monatskarten und KVV-Jahresabos nicht, entsprechende Mehrkosten gehen zu Lasten des Pendlers.

Ich halte diese Pläne für eine Katastrophe. Ein wesentlicher Grund für die Wahl von Pforzheim als Wohnort war für mich die sehr gute Anbindung nach Karlsruhe und Stuttgart. Die Pläne der Bahn lassen mich ernsthaft daran zweifeln, ob es sich weiterhin lohnt, in Pforzheim zu wohnen.

Wenn Herr Herz hofft, die Bahn würde sich mit den Betroffenen abstimmen, dann halte ich das für sehr schwach. Die Bahn ist, hoffentlich noch für lange Zeit, ein Dienstleister im öffentlichen Besitzt und als solcher verpflichtet, sich mit den Bürgern abzustimmen. Täte sie das nicht, wäre das ein Stoß vor den Kopf. Also, Herr Herz: nicht hoffen, fordern!

Lutz Horn, Pforzheim