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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hardcore in heiligen Hallen



Webmaster
11.03.2008, 21:39
Die Orgel bleibt stumm an diesem Abend. Die Besucher der evangelischen Sonnenhofgemeinde haben sich von ihr abgewendet. Ihr Interesse ist vollauf gebannt vom Geschehen auf der Bühne: von einem energisch vorpreschenden Frontmann, hysterisch gilfenden Gitarren, dunkel bellenden Bässen, dem gellenden Gewitter des Schlagzeugs. Stärker könnte sich das Klangbild kaum unterscheiden von jenem Orgelspiel, das Kirchen traditionell erfüllt.

Die Band auf der Bühne heißt „Crushead“ und 500 begeisterte Zuhörer liegen – nein, springen und singen ihnen zu Füßen. Am Ende fasst sich das Publikum bei den Schultern, aus Pogo-Pulk wird Menschenkette. Ein Bild für die Götter, das am Samstag den Höhepunkt bildet eines Kirchen-Konzerts der etwas anderen Art namens „Rock the Church“.

Ein Rock-Konzert also. In einer Kirche. Wer kommt denn auf so eine Idee? Ein cleveres Organisationsteam aus der Sonnenhofgemeinde, angeführt von Student Andreas Müßle, Schülerin Anne-Kathrin Eberle und Bezirksjugendpfarrer Torsten Sternberg. „Es geht bei ,Rock the Church‘ auch darum, Kirchen-Musik zu präsentieren, die nicht mit der Orgel ist“, sagt Eberle.

Dem Bild des verstaubten Christen in Birkenstock-Latschen sei entgegenzuwirken. In diesem Fall mit den vier regionalen Bands „Public Adress“ , „6th Element“, „Backfire“ „Sunday Smile“ und der bundesweit bekannten christlichen Rock-Combo „Chrushead“.

Das gebotene Repertoire ist vielschichtig: Nicht alle Bands verbinden Glauben und Musik so wie letztere; eine jede Gruppe bevorzugt eine andere Spielform des Genre Rocks, die einen halten’s ruhig-balladesk mit Musik, die ans Herz geht; andere mögen’s dynamischer mit Musik, die in die Beine geht.

„Crushead“ beherrscht beides, die sanften und die harten Töne. Am innovativsten klingt das Quintett jedoch immer dann, wenn Gitarre, Bass, Schlagzeug mit voller Schubkraft wummern und sich die Stimme von Energie-Bündel Patrick Reusch am Mikrofon in kunstvoll arrangierten Brüll-Passagen überschlägt. „Hardcore“ nennt man dies.

Hardcore in heiligen Hallen – gefällt das jedem Kirchgänger? „Es gibt Kritik, dass wir alte christliche Werte aufgeben würden. Doch das stimmt nicht, wir behalten die Werte bei – nur in anderer zeitgemäßer Verpackung“, so Sternberg. Auf den Spuren Luthers sieht er „Rock the Church“: „Das ist die Methodik Luthers. Der hat das Jahrmarktsinstrument Orgel in die Kirche geholt, Melodien vom Volk genommen – und all das mit christlichen Inhalten gefüllt.“

Wofür symbolisch einst die Orgelmusik stand, steht zu später freitäglicher Stunde das Rock-Getöse von „Crushead“ mit beseelt-spirituellen Inhalten – für die Erweiterung des christlichen Blicks durch neue Präsentationsformen. Ronny Thurow

„Die christliche Gemeinschaft ist da, auch wenn wir zusammen abrocken.

Hiltja
11.03.2008, 21:39
Genial, diese Art von Gemeinschaft hätte ich in meiner Jugend auch gern gehabt!

Sage noch mal Jemand, dass Christen langweilig sind :-))

MartinK
11.03.2008, 23:15
Bei Hardcore hatte ich im ersten Moment an was anderes gedacht ... :)

Freak
11.03.2008, 23:30
Bei Hardcore hatte ich im ersten Moment an was anderes gedacht ... :)

Tja, so kann man sich täuschen. Wenn Rock etwas mit Revolution, mit Ausbrechen, mit Querdenken, mit Power zu tun hat, dann ist Jesus der größte Rocker aller Zeiten. :cool:

ralf
12.03.2008, 10:34
Das war wirklich eine Erfahrung. Dank einer super Organisation und klasse Bands war das wirklich ein außergewöhnlicher Abend, die 500 springenden Jugendlichen stimmen mir da zu!!!