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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Modenschau im Ministerium



Webmaster
07.04.2008, 22:33
STUTTGART. Ordnungshüter auf dem Laufsteg: Bei einer „Modenschau“ im Stuttgarter Innenministerium wurden gestern die neuen blauen Polizeiuniformen präsentiert, um die es im Vorfeld heftigen Streit gegeben hatte.

Blau statt grün, Cargohosen mit geräumigen Außentaschen aus bequemer Baumwoll-Polyestermischung statt beiger Jeans, Regenblousons statt unpraktischer langer Regenmäntel; dazu „Biesen“ – Nahtstreifen an Hemden und Hosen – und „Gaps“– reflektierende Leuchtelemente – sowie etliche unauffällige Details, die den Beamten das Uniformtragen erleichtern sollen. Polizeiinspekteur Dieter Schneider ist Stolz und Begeisterung über die neue Uniform förmlich anzusehen.

„Elegant und klassisch-zeitlos“ nennt der Mittfünziger das, was im Vorfeld von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) als zu militärisch, modisch völlig überholt und am europaweiten Trend vorbei kritisiert worden war. Auch die Beamten Holger Steiner und Silke Bittmann, die bei der Präsentation als „Model“ dieser Linie dienen, fühlen sich sichtlich wohl in ihrer neuen Diensthaut. Kein Wunder – sie saßen in der entwickelnden Projektgruppe.

Anders etwa als GdP-Landeschef Josef Schneider. Dessen Kritik und Auseinandersetzung mit dem Polizeiinspekteur – der „Krieg der Schneider“ – hatte gar den Innenminister beschäftigt. Nach heftigen internen Debatten wurde jetzt, so formulierte Joachim Lautensack von der Deutschen Polizeigewerkschaft, ein „schwer erkämpfter Kompromiss“ gefunden: 200 Polizeibeamte aus allen Dienstbereichen in Baden-Württemberg sollen vom Sommer an einen halbjährigen Tragetest der neuen Uniform und aller Komponenten machen. Danach, versprach gestern Landespolizeipräsident Erwin Hetger, „können sich die Beamten einbringen. Wenn Änderungsbedarf artikuliert wird, können Modifikationen vorgenommen werden.“

Schon jetzt gibt es marginale Abweichungen von der ursprünglich kritisierten Linie: Die voluminöse Schirmmütze ist geschrumpft, statt vier blanker Metallknöpfe sollen es jetzt an der Tuchjacke nur noch drei sein, und auch von manchen Beamten als zu schwer kritisierte, von manchen um so heißer geliebte Lederjacke soll bleiben dürfen. Selbst die im Vorfeld so heftig umstrittene „Base-Cap“ darf getestet werden, freilich nur bei „geschlossenen Einheiten“ wie Bereitschaftspolizisten, aber nicht im Streifendienst.

Dass Hetger auch diesem Kompromiss nur unwillig nachkommt, daraus machte er bei der Vorstellung aber keinen Hehl. „Sicherheit und Funktionalität sind entscheidend“, sagte Hetger, der sich einfach nicht vorstellen kann, dass Polizeibeamte mit einer Base-Cap statt einer traditionellen Schirmmütze auf Streife gehen. „Wir wollen und wir werden nicht mit modischen Trends arbeiten“, machte Hetger klar, denn schließlich soll der neue Look mehr als nur eine Saison überstehen: 20 bis 30 Jahre soll die neue Uniformlinie das Bild der Polizei in der Öffentlichkeit prägen – ähnlich lang wie die derzeitige grün-beige Auslauf-Kombination. Unbekannt ist noch, was es kosten wird, 21 000 Polizeibeamte komplett neu auszustatten. Dieter Schneider hofft, dass die über 13 Millionen Euro, die sich bis 2011 durch die derzeitige Sperrung der Bekleidungskonten ansammeln, reichen. Bis dahin sollen alle Polizisten mit der neuen Uniform ausgestattet sein.

Erstmals waren gestern auch zwei andere Uniform-Entwürfe zu sehen, die in die engere Wahl gekommen waren. Ein von den Polizeioberen als „zu konservativ-traditionell“ empfundener Entwurf aus der Polizei-Logistik sowie ein trendig-cooler Vorschlag der Modeschule Sigmaringen mit figurbetonter Linie, auffallend hellblauen Streifen und einem durchgängigen Halbkreissegment, das allerdings zu Irritationen führte. „Sagen Sie noch was zu dem Fleck auf der Mütze?“ bat ein offensichtlich modisch unbelasteter Journalist gestern.

pierredelarue
07.04.2008, 22:33
Und wir träumen von Europa? In Deutschland entscheidet jedes Ländchen darüber ob blau oder nicht, ob hier eine Naht oder lieber dort eine Tasche. Es ist wirklich unglaublich. Einige Bundesländer haben schon seit drei Jahren blaue Uniformen. Also wenn schon blau - warum kann man die nicht einfach übernehmen? Nein, der Steuerzahler hat es ja. Werfen wir lieber das Geld zum Fenster raus. Geld von dem wir neue Polizisten bezahlen könnten. Empörend!

Der aus'm Enzkreis
08.04.2008, 02:03
Die Überschrift bezieht sich natürlich nicht auf's "blaue Autofahren", sondern nur auf die Autofarbe.
Ich will ja auch nicht so altmodisch sein und sagen, jetzt haben wir sechzig Jahre grüne Polizei-Uniformen gehabt, es tun sie auch noch einmal sechzig Jahre.
Aber es ist doch schon eigenartig, dass die Bundesländer, die die größte Not in der Konserve haben, bereits unnötigerweise auf "blau" umgestellt haben, obwohl sie eigentlich "blank" sind. Oder wurde das bei denen vom "Länderfinanzausgleich" finanziert? Ist ja auch eine ganz nötige und dringende Angelegenheit, nicht?

MfG ;):rolleyes::cool:

tigerhai
08.04.2008, 06:48
Schon im Vorfeld ungeliebt lehnen über 90 Prozent der betroffenen Polizeibeamten die neue Uniform ab. Busfahrer, Feuerwehr oder Polizeibeamter? Gottseidank steht Polizei drauf. Die neue Uniform sieht jetzt schon veraltet aus. Dabei hat NRW es vorgemacht, wie eine moderne Uniform aussehen kann..