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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : „Ich will niemanden verschrecken“



Webmaster
16.04.2008, 15:43
Deutschland liegt im Visier islamistischer Gotteskrieger – wenn man Annette Ramelsberger glaubt, ist das keine Übertreibung, sondern die ungeschminkte Wahrheit. In ihrem Buch „Der deutsche Dschihad“ ist die Reporterin der „Süddeutschen Zeitung“ der terroristischen Bedrohung auf der Spur. Über die Ängste der Menschen und den Anti-Terror-Kampf des Innenministers sprach PZ-Redakteurin Angelika Wohlfrom mit Ramelsberger.

Frau Ramelsberger, Sie zeichnen in Ihrem Buch ein Bild der Bedrohung, dass einem Angst und Bange wird. Ist das Absicht?

Annette Ramelsberger: Ich will niemanden verschrecken und ich will überhaupt nicht alarmistisch sein. Ich übertreibe auch nicht. Doch wer sich mit den bisher gescheiterten Anschlägen in Deutschland befasst, der sieht: Deutschland steht bei der Bedrohung nicht am Rand. Siebenmal schon haben islamistische Terroristen versucht, hier zuzuschlagen. Das ist für viele eine überraschende, eine erschreckende Erkenntnis. Doch wer dieses Buch liest, kann erkennen: Die Gefahr baut sich seit Jahren auf. Das Buch reiht einen Puzzlestein an den anderen – bis ein tiefer Einblick in die islamistische Szene entsteht und in die Gefahr, die daraus wächst.

Sie behaupten, wir Deutschen würden die Bedrohung verdrängen. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Ramelsberger: Ich glaube, dass das ganz menschlich ist. Also, das ist das Menschlichste überhaupt. Man will Gefahren nicht wirklich wahr haben, man verdrängt sie so lange, wie man nur kann. Jeder wünscht sich doch Normalität und sagt sich: Ich will einfach in die U-Bahn steigen, ich will auf Feten am Brandenburger Tor gehen, ich will darüber nicht ständig nachdenken.

Gehen Sie noch zu Feten am Brandenburger Tor?

Ramelsberger: Früher war ich dort. Inzwischen, muss ich sagen, habe ich vielleicht so etwas wie eine „déformation professionelle“ entwickelt. Wenn man sich ständig mit solchen Dingen beschäftigt, wenn man weiß, wie Ziele von islamistischen Terroristen aussehen, wie die Menschen ticken, dass die sagen: Wir brauchen ein Symbol, wir brauchen viele Menschen, so dass dann auch viele Opfer zu beklagen sind, und wir brauchen Kameras – dann weiß man auch, dass das Brandenburger Tor geradezu ein ideales Ziel wäre. Ich habe mit meinem Mann schon Auseinandersetzungen darüber gehabt und wir haben dann entschieden: Wir gehen an Silvester besser auf den Kreuzberg – auch viel los, aber nicht so symbolträchtig. Und ich bin dann entspannter.

Welche Rolle spielen die Medien dabei, dass die Gefahr in Deutschland zu wenig wahrgenommen wird?

Ramelsberger: Wir haben schon durchaus einen Anteil, allein schon dadurch, dass wir immer so kleine Stückchen von Information bringen . Hier mal ’ne Meldung und dann gibt es mal ’ne Meldung, dass in Barcelona eine Terrorgruppe aufgeflogen ist, dann hört man wieder wochenlang nichts mehr, dann geistert irgendwo eine kleine Meldung durch die Zeitung, dass da einer untergetaucht ist. Wenn man aber genauer hingucken würde, würde man sehen: Es gab eine Terrorgruppe in Barcelona, einer davon ist untergetaucht, er hatte ein Flugticket nach Frankfurt, ist aber nach München geflogen. Das bedeutet: Der Dschihad ist sehr nah. Wir Medien tun auch das Unsere dazu, dass die Wirklichkeit, die uns umgibt, immer nur in kleinen Häppchen serviert wird. Und diese Häppchen erregen zwar manchmal ein wenig Aufmerksamkeit, aber sie zeigen nicht das Ausmaß der Bedrohung.

Dem Innenminister können Sie den Vorwurf der Verdrängung nicht machen. Wolfgang Schäuble rüstet ja mächtig auf gegen den Terror...

Ramelsberger: ....im Wochenrhythmus, ja.

Schäuble eckt damit häufig an. Ist die Kritik unberechtigt?

Ramelsberger: Ich finde, Wolfgang Schäuble hat zwar den richtigen Impetus, also er will die Menschen hier schützen vor einer durchaus echten Gefahr. Ich finde aber, seine Herangehensweise ist kontraproduktiv. Dadurch, dass er jede Woche etwas Neues fordert, einmal die Bundeswehr im Innern, dann eine Abschussgenehmigung für entführte Flugzeuge, dann die Mautdatennutzung, dann die Online-Durchsuchung. Das kommt in einem solchen Rhythmus, dass die Leute gar nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht. Die Menschen müssen bei politischen Entscheidungen auch mitgenommen werden. In diesem Trommelfeuer der Vorschläge aber, wenn man nicht mehr erkennen kann, was davon wichtig ist und was unwichtig, wächst Unbehagen und das Gefühl: Nein, wir wollen unsere Freiheit nicht zu Tode schützen.

Wie kann sich Deutschland effektiv gegen Terroristen schützen?

Ramelsberger: In Wirklichkeit gar nicht. Das hört sich jetzt unglaublich zynisch an, aber es ist so. Jeder ernstzunehmende Terrorexperte sagt Ihnen: Wenn jemand wild entschlossen ist, wenn er, wie die Kofferbomber von Köln, eine Gasflasche so manipuliert, dass daraus eine Bombe wird und darüber mit niemandem spricht, dann können wir ihn nicht aufhalten. Dann geht er mit seinem todbringenden Rucksack zum Bahnhof. Die Sicherheitsbehörden können aber vieles tun, um dies zu verhindern. Sie können mit Telefonüberwachung und mit verdeckten Ermittlern in solche Gruppen eindringen und im Vorfeld eingreifen.

Bislang ist es in Deutschland geglückt, die Terroristen rechtzeitig zu stoppen. War das Glück, oder sind unsere Sicherheitsbehörden so genial?

Ramelsberger: Genial sind sie nicht. Vor allem wenn man zum Beispiel die Auswertungen über die Sauerländer Zelle liest, hat man das Gefühl, das waren Pleiten, Pech und Pannen. Zum einen mussten die Polizisten mit ihren eigenen Handys telefonieren, weil der Polizeifunk nicht abhörsicher ist, einmal haben sie bei einer Polizeikontrolle den Verdächtigen fast mitgeteilt, dass sie ihnen schon auf der Spur sind, dann hat sich der Verfassungsschutz über Monate geweigert, eigene Erkenntnisse der Polizei mitzuteilen... Wenn man das liest, wundert man sich, dass es überhaupt geglückt ist, die Terrorgruppe festzunehmen. Andererseits ist das mit den Sicherheitsbehörden eben nur die eine Seite der Medaille. Langfristig geht es darum, dass man verhindert, dass Menschen in dieser Gesellschaft Rückhalt finden mit ihren Terrorplänen, dass sie hier finanzielle Unterstützung finden, dass ihnen jemand sagt, woher sie Waffen bekommen. Genau das muss unsere Gesellschaft verhindern. Es geht darum, die Menschen hier so zu integrieren, dass sie Deutschland als Heimat empfinden. Und seine Heimat will man nicht zerstören. Integration ist also auch eine Sicherheitsmaßnahme, wenn auch eine sehr langfristige.

„Der deutsche Dschihad. Islamistische Terroristen planen den Anschlag“ ist beim Econ Verlag erschienen und kostet 16,90 Euro.

Detlef von Seggern
16.04.2008, 15:43
In Zeiten in denen Bundeswehr-Einheiten in Afghanistan, außer "humanitärer Hilfe", auch an Kampfeinsätzen gegen die Taliban (Terroristen) teilnehmen, ist es kein Wunder,wenn Bundeswehrangehörige in diesem Land in das "Visier" dieser sogenannten Gotteskrieger gelangen,aber auch die BRD, ins Visier, islamistischer "Fanatiker" gerät,dank der fehlerhaften amerikanischen Außenpolitik, unter Georg W.Bush,aber auch der "nachgiebigen" Haltung ", von Kanzlerin Angela Merkel und dem Bundestag, welche nicht "nein" sagen konnten, zu Kampfeinsätzen deutscher Soldaten(innen) in Afghanistan!

Und, mit "Integration", hat dies nicht "viel" zu tun!?

Islamischische Fanatiker,(Gotteskrieger) welche in Deutschland ein "Anschlag" verüben wollen, (unabhängig ob hier geboren, oder nicht), lassen sich nicht "integrieren"!

Diese sind zu vergleichen, mit "Selbstmordattentätern"!

Entweder verschwinden sie nach vollbrachter Arbeit, oder opfern ihr Leben, nur um die "Ungläubigen" und alles daherum, zu vernichten!

Leider traurige Realität, und daran wird auch die Gesetzgebung zum Anti-Terror-Kampf , nicht "wesentlich" viel ändern!?

Der aus'm Enzkreis
16.04.2008, 17:15
zum Zitat vom Detlef von Seggern:
dank der fehlerhaften amerikanischen Außenpolitik, unter Georg W.Bush,aber auch der "nachgiebigen" Haltung ", von Kanzlerin Angela Merkel und dem Bundestag, welche nicht "nein" sagen konnten, zu Kampfeinsätzen deutscher Soldaten(innen) in Afghanistan!

Kann es sein, dass man da eine antiamerikanische Einstellung raushört? Haben "wir" da nicht auch die lieben Russen vergessen, die eigentlich zuerst dort waren und gehaust haben wie die "Hottentotten" ? Und war es nicht die rot/grüne Regierung, die die Bundeswehr nach Afghanistan geschickt hat? Damals war Fr. Merkel von ihrem Amt noch weit entfernt, da sollte man doch lieber einmal die, ach so humane, Claudia Roth fragen.
Leider muss ich immer wieder feststellen, dass überhaupt die Grünen in Deutschland, bei einem Großteil der Bevölkerung, einen totalen Jagdschein (sowas stellt der Psychiater aus) haben. Zuerst bauen sie den Mist, dann sind andere Schuld. Das beste und aktuellste Beispiel ist die Herstellung von Biosprit aus Grundnahrungsmittel, Mais, Weizen und so weiter! Dassgehört zwar nicht hierher, ist aber Tatsache!

MfG :confused: :rolleyes: :(

Marcel
16.04.2008, 19:15
Man darf nie vergessen, dass unsere Gotteskrieger (=Bundeswehr, US Army etc.) im Moment auf geheiligtem Boden von denen stationiert ist. Solange sich das nicht ändert werden die ach so schlimmen Islamisten sich wehren.

Man sollte zudem nicht vergessen, dass der islamistische Terrorismus in den letzten Jahren einige tausen Opfer hatte während der westliche Terrorismus im Kampf ums Öl Millionen Menschen unter die Erde gebracht hat.

Und dann darf man auch nicht vergessen, dass diese Kriege vor allem in den USA als Glaubenskriege angesehen werden und somit in schöner Tradition zu den mittelalterlichen Kreuzzügen steht.

Da darf man sich gerne fragen wer Täter und wer Opfer ist und warum islamistischer Terrorismus solchen Zulauf hat...

Der aus'm Enzkreis
17.04.2008, 17:37
Zitat von Marcel:
1) - Und dann darf man auch nicht vergessen, dass diese Kriege vor allem in den USA als Glaubenskriege angesehen werden und somit in schöner Tradition zu den mittelalterlichen Kreuzzügen steht.

Die Kreuzzüge haben meines Wissens seinerzeit vordergründig, den "Glauben" in diese Länder gebracht oder bringen wollen, wenn sie auch dann anderes (Bodenschätze u. a. m.) mitgenommen haben.
Von den heutigen Kriegen, von denen Du sprichst, die sollten der dortigen Bevölkerung Freiheit im Sinne einer "Demokratie" bringen. Da ist nicht immer Öl der Grund, wie von vielen immer sehr gerne behauptet wird, weil ja diese bösen Ami's sonst nichts im Sinn haben. Wo waren denn im 2. Weltkrieg in Deutschland die Ölquellen, da waren auch die Ami's involviert. Und stell Dir vor, die haben hinterher noch einen "dicken Marshalplan" hinterlassen von dem Deutschland und seine Wirtschaft wieder aufgebaut wurde. Die bösen Ami's haben damals mit diesem Plan neben Deutschland auch noch Italien , Frankreich und Großbritannien unterstützt. Nur, die schimpfen nicht so viel über sie, wie viele bei uns hier. Dass die amerikanische Administration/Regierung nicht perfekt ist, wissen wir alle. War es denn der "Gerd-Gas-Schröder" etwa oder sind es gar die Russen?

2) - Da darf man sich gerne fragen wer Täter und wer Opfer ist und warum islamistischer Terrorismus solchen Zulauf hat...

Findest Du es etwa richtig und human, wenn wie unter Saddam Hussein von 28 Mio. Einwohner 5 Mio. aus dem Land flüchten mussten, weil sie Angst um Leib und Leben hatten. Viele davon waren bzw. der Großteil, sind immer noch auf der Flucht im Ausland. Und viele davon in Deutschland, wo sie sich ja eigentlich, wie man hört, sich gar nicht wohlfühlen, in so einem "kalten" Land.

Oder wie in Afghanistan, wo die Taliban die Lebensweise der Leute dort bestimmen will und das dann so aussieht: keine Schulausbildung für Mädchen, Zwangsverheiratung kleiner Mädchen, null Rechte für Frauen, Scharia (bei der man an Steinigungen, Amputationen von Händen und Füßen und viele anderen martialischen Strafen denken muss). Sind das keine Gründe, diesen Leuten helfen zu wollen?

Aber Du hast Recht, man soll den Muselmanen da drüben nicht helfen, weil gedankt wird es einem dann mit Terroranschlägen im eigenen Land, wie man sieht. Und Leute wie Du, geben ihnen dann sogar noch recht. Mein Resümee meine ich allerdings nicht ironisch oder gar zynisch, nein das ist eine Erkenntnis, die ich zwischenzeitlich daraus gewonnen habe. Nur, was machen wir mit all den vielen Flüchtlingen, die immer mehr wurden, weiter alimentieren???

MfG :confused: :( :mad: