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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der Parkplatz kommt zum Auto



Webmaster
18.04.2008, 20:04
Für die meisten Autofahrer sind Tiefgaragen ein notwendiges Übel. Sie sind so eng, dass man sich beim Einparken regelmäßig blamiert. Sie sind so düster, dass gerade Frauen jedes Mal tief durchatmen, wenn sie wieder draußen sind. Sie sind so anonym, dass jede Delle im Blechkleid das Geheimnis desjenigen bleibt, der eigentlich für die Reparatur geradezustehen hätte. Ja: Es gibt viele gute Gründe, auf der Suche nach einem Parkplatz lieber drei Mal um den Block als in eine Tiefgarage zu fahren.

Nur in der Donnersbergerstraße im Münchner Stadtteil Neuhausen, da sticht keines dieser Argumente. Die Anwohner stellen ihren Wagen dort in eine hell beleuchtete Kabine, die von außen ein bisschen so aussieht eine Waschanlage an der Tankstelle. Der Fahrer steigt aus - anschließend verschluckt der Erdboden den Wagen.

Blechlawine beseitigtGebaut haben dieses vollautomatische unterirdische Parkhaus die Friolzheimer Firma WAP Wöhr Automatikparksysteme GmbH & Co KG und die Schwestergesellschaft Wöhr + Bauer GmbH im Auftrag der Stadt München. Mit einem bislang einmaligen Pilotprojekt wurden die Parkplatzprobleme in der Donnersbergerstraße gelöst. Die war früher so etwas wie ein Parkplatz mit Durchgangsverkehr. Geparkt wurde links und rechts der Fahrbahnen und in der Mitte auch noch, wo die alten Straßenbahngleise lagen.

Die Vorgaben der Stadt München waren straff, erinnert sich Wolfgang Lenke, Geschäftsführer bei Wöhr. Da waren zum einen die Kosten. 284 Parkplätze sollten entstehen, das Projekt sollte sich aus den Ablösebeiträgen für Stellplätze, bezahlt von den Immobilieneignern, finanzieren lassen. Rund 40 000 Euro pro Stellplatz machten ein Budget von 11,7 Millionen Euro verfügbar. Festgeschrieben wurden allerdings auch die Zugriffszeiten. Im Durchschnitt sollte kein Nutzer länger als gut zwei Minuten warten müssen, um beim Abholen in sein Auto einsteigen zu können. Bei Wöhr traute man sich das zu - und bekam den Zuschlag.

Schon die Baustelle war alles andere als gewöhnlich. Nicht etwa, dass da eine 120 Meter lange, 12 Meter breite und neun Meter tiefe Baugrube ausgehoben wurde. Nein, zuerst trieben die Bauarbeiter mächtige Betonpfeiler zur Stabilisierung in die Tiefe, anschließend wurde die Deckenplatte gegossen, dann erst wurden fast 13 000 Kubikmeter Erdreich ausgebuddelt – durch Öffnungen in der Decke. Die Bodenplatte folgte zum Schluss und als letztes wurde schließlich das Parksystem eingebaut. Eine minimal-invasive Operation im XXL-Format sozusagen.

Wie ein HochregallagerDie unterirdische Parkanlage erinnert in ihrem Aussehen an ein modernes Hochregallager. Die Autos werden in langen Reihen in vier Etagen übereinander gestapelt, wenn die Anlage voll ist, stehen immer zwei nebeneinander.

Die Anlage zu bauen war dabei für Wöhr nicht einmal die größte Herausforderung. Mit automatischen Parksystemen hat man in Friolzheim seit Jahrzehnten Erfahrung. Das Meisterstück ist die Programmierung der Steuerung, die es möglich macht, die geparkten Autos in akzeptablen Zeiten zurück ins Licht der insgesamt vier Übergabestationen zu hieven. Dazu werden in der Anlage gleich zwei fahrbare Hebebühnen auf den gleichen Schienen bewegt. Die müssen die Fahrzeuge teilweise sogar umparken, um an den Wagen zu kommen, den der Besitzer gerade eben per Chipkarte angefordert hat. Klingt auf den ersten Blick einfach, ist bei genauerer Betrachtung aber hochkomplex – denn der Rechner muss in Sekundenbruchteilen immer die schnellste Lösung austüfteln. „Da“, sagt Geschäftsführer Lenke, „könnte es auch noch Optimierungspotenzial geben.“

Anlage ruft selbst um HilfeNichtsdestotrotz: Die geforderten Standards hält die Anlage ein. Die Betriebssicherheit liegt laut Lenke „bei 99 Prozent plus x“. Wenn es dennoch einmal klemmen sollte, können Mitarbeiter der „Park & Ride“ München, heute Besitzer der Anlage, meistens helfen – sie haben über Kameras stets alle wichtigen Bereiche im Blick. Gibt es größere Probleme, ruft die Anlage per SMS einen der vier Fachleute herbei, die zur Fehlerbehebung geschult wurden. Streikt das automatische Parkhaus trotz aller Vorsichtsmaßnahmen länger als zwei Stunden, können die Nutzer auf ihre Mobilitätsgarantie pochen. Dann werden die Kosten für den Einsatz anderer Verkehrsmittel übernommen. Um die 700 Euro seien da zusammengekommen, seit die Anlage 2006 in Betrieb gegangen ist, sagt Lenke.

Das mittelständische Unternehmen Wöhr – in Friolzheim beschäftigt man rund 200 Mitarbeiter – hat für das Münchner Projekt jüngst eine Auszeichnung im Rahmen der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ erhalten (wir haben berichtet). Ein Land der Nachahmer ist Deutschland indessen noch nicht. Bislang jedenfalls gab es keine konkreten Wünsche, vergleichbare Projekte in anderen Städten in die Tat umzusetzen. So generiert Wöhr seine Umsätze heute zu 90 Prozent auf den internationalen Märkten. In Budapest kann man sein Auto von Wöhr einparken lassen, in Madrid und in Sydney. Neuestes Vorzeigeprojekt dürfte ein Apartment-Hochhaus werden, bei dem Wöhr den Wagen der entsprechend betuchten Bewohner direkt vor der Wohnung abstellt – auch im 28. Stock.

Teurer ParkspaßDass die automatische Tiefgarage dem konventionellen Parkhaus nicht schon längst den Rang abgelaufen hat, hat einen vergleichsweise banalen Grund: die Kosten. Auch wenn Wolfgang Lenke vorrechnet, dass in einer herkömmlichen Tiefgarage unter der Donnersbergerstraße nur 110 Parkplätze unterzubringen gewesen wären – die moderne Technik hat eben ihren Preis. Die Anwohner bezahlen für ihren Stellplatz zwar nur knapp 72 Euro Miete im Monat, was für Münchner Verhältnisse beinahe schon ein Schnäppchen ist. Die Investitionskosten sind in diesem Preis aber noch nicht berücksichtigt, der deckt nur die reinen Betriebskosten. Eine Vollkostenrechnung würde den Mietzins lässig auf das Fünffache im Monat treiben. Parkhaus-Fachmann Lenke schätzt, dass Kurzparker bei dieser Technik mindestens vier Euro pro Stunde bezahlen müssten, um eine vergleichbare Anlage einigermaßen wirtschaftlich betreiben zu können. Und das ist in einem Land, in dem die meisten Autofahrer ihren Wagen am liebsten auf großen, sicheren und hell beleuchteten Parkplätzen abstellen wollen, nicht so ohne Weiteres in die Tat umzusetzen. Denn kosten soll es ja möglichst nichts. Holger Knöferl

www.woehr.de

Privat-Investor
18.04.2008, 20:04
Kürzlich habe ich mal wieder mein Auto im Sparkassen-Parkhaus an der Luisenstrasse geparkt. Es ist im EG wohl nicht allzu hell gewesen, war aber angesichts des günstigen Preises und des trüben Tages in Kauf zu nehmen.

Man ist von da aus zu Fuß schnell im Stadtzentrum. Bei über 2 Stunden Parkzeit waren 1,50 € wirklich günstig! Fazit: es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dort zu parken.