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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die buckelige Verwandtschaft



Webmaster
02.05.2008, 20:56
Ein paar schöne Tage liegen hinter mir: Die „buckelige Verwandtschaft“ war da! Mir wurde in dieser- auch tatsächlich - sonnigen Zeit wieder einmal die Wichtigkeit von Familie bewusst. Dabei müssen vielleicht Menschen, um sich gegenseitig zu vertrauen, zu unterstützen und sich miteinander wohl und insgesamt stärker zu fühlen, nicht unbedingt miteinander blutsverwandt sein, denke ich.

Wahrscheinlich brauchen wir Menschen hauptsächlich familiäre Strukturen und ein Gefühl der Wesensverwandtschaft mit anderen, die sich unter Umständen in ähnlicher Lage wie wir selbst befinden, um uns wohler und getröstet zu fühlen bei dem, was uns das Leben so abverlangt.

„Diejenigen Naturen, die sich beim Zusammentreffen einander schnell ergreifen und wechselseitig bestimmen, nennen wir verwandt“, so heißt es ja auch in Goethes „Wahlverwandtschaften“.

Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass in der Zukunft, in der unser Staat nicht mehr so viel für uns „Individualisten“ leisten kann, die Familie eine immer größere Bedeutung bekommen wird, die wirkliche Familie oder neuartige „Wahlfamilien“.

Wo durch die gegenwärtigen Bedingungen, besonders aus beruflichen Gründen, echte Familien teilweise getrennt werden und weit auseinander leben müssen, sollten wir uns nicht scheuen, eine Art Ersatzfamilie zu gründen. Dies ergibt sich natürlich um so leichter, je passender wir dafür schon rein architektonisch gesehen wohnen. Vor einiger Zeit stellten im Fernsehen einmal junge „modern“ eingestellte Architekten ihre teilweise bereits in Norddeutschland umgesetzte Vision kommunikativen multikulturellen und generationsübergreifenden Wohnens vor, das zur Begegnung im tatsächlichen und übertragenen Sinn geradezu einlud. Wo ein Aufeinandertreffen möglich ist, kann auch Gemeinschaft und gegenseitige Hilfestellung leichter entstehen.

Ich glaube, dass wir Menschen - als Beziehungswesen geboren - ein natürliches Bedürfnis auf Familie oder familiäre Strukturen haben. Jedenfalls suchen wir doch meist nach Gruppierungen, denen wir uns relativ regelmäßig anschließen können. (Selbst die uns persönlich wichtige Fernsehserie gehört, wenn wir ehrlich sind, dazu, bei der wir mit den uns vertrauten Mitwirkenden mit fiebern, mit streiten, mit leiden.)

Und was wir in größerem Rahmen wie in Kirchenkreisen, beim Sport oder in der Musik miteinander an Gemeinschaft herstellen, könnten wir wahrscheinlich auch mit ein wenig gegenseitigem Vorschussvertrauen im kleineren Bereich hin bekommen.

Nächstenliebe und Gemeinschaftssinn beginnen doch sicher bei uns zu Hause und in unserer Straße, oder was meint Ihr?

Detlef von Seggern
02.05.2008, 20:56
Nächstenliebe und Gemeinschaftssinn!? Sicher in der einen wie auch anderen Familie, wird es soetwas noch geben, mehrheitlich auf dem Land, als in der Stadt??
Die familieren Strukturen, waren vor einigen Jahrhunderten,"wahrscheinlich" noch gefestigter, in einer Zeit, da die Technik, Medienlandschaft, usw. noch nicht so stark ausgebreitet war, wie in unserer heutigen "schnelllebrigen" Zeit, wo auch die Werbung, den Menschen ein Leben "vorgaukelt", welches fernab, jeglicher Realität ist!!

Damals, waren die Menschen, noch in ganz anderen Wohnverhältnissen sesshaft, enger aneinandergebunden und mußten sich auf die eine, wie auch andere Art behilflich sein,um den damaligen Lebensalltag, so gut es ging, irgendwie zu bewältigen, trotz der damaligen, noch nicht vorhandenen sozialen Absicherungen, welche heute bei uns in der BRD, jedem Bürger zusteht!?

Schaut man aber heutzutage die Realitäten an:

Zig Millionen Singls leben alleine, Frauen wie Männer, aus wessen Gründen auch immer?
Familien werden auseinandergerissen, weil die Eltern sich nicht mehr mit den Kindern verstehen, oder Ehepartner (egal wie lange verheiratet), sich Scheiden lassen, mit all den negativen Folgen, auch für die Kinder!!

Nicht zu vergessen die "alten" Menschen, welche alleine, in ihren vier Wänden wohnen, der Partner(in) gestorben, Kinder soweit vorhanden, kümmern sich, (wenn überhaupt)kaum noch um die Probleme und Sorgen, dieser "sie" großgezogenen Generation!?
Sicher mag es die eine wie auch andere Ausnahme geben, wo auch in der heutigen Zeit, Familien noch eng zusammenhalten? Aber dies dürfte Seltenheitswert haben??

In unserer heutigen "ich" bezogenen Gesellschaft, denkt doch jeder "nur" an sich selber, das Wort "Nächstenliebe" und Hilfsbereitschaft deinen Mitmenschen gegenüber, kennt doch "kaum" jemand, man kann es ja"fast" immer tag-täglich auf unseren Straßen erleben, wenn Menschen aus wessen Gründen auch immer,in Notlagen, irgendwelcher Art geraten sind !?
Und nicht nur da. In großen Wohnblocks, kennt der eine den anderen nicht, jeder isoliert sich von seinen Nachbarn!
Aber dies ist auch in kleineren Wohneinheiten "meistens" der Fall?!
Partner, welche sich nichts mehr zu sagen haben, u.u.u.

Liebe Viola: Abgesehen von Kirchenkreisen und sonstigen "organisierten" Gemeinschaften, sind die Menschen dieser Republik, in ihrer Privatsphäre, was Nächstenliebe,Hilfsbereitschaft,
Gemeinschatfssinn,usw.betrifft, weiter davon entfernt , denn je!!??
Aber wie gesagt, man darf dies nicht verallgemeinern, Ausnahmen hat und wird es immer geben!!

Honeyb
03.05.2008, 09:13
Da muss ich Herrn von Seggern zustimmen! Ich bin genau der gleichen Meinung. Die meisten Menschen sind nicht in der Lage richtige Bindungen oder Beziehungen aufzubauen aber wie die Bloggerin schon gesagt hat: sie wünschen es sich. In einem Buch las ich neulich, daß in einer Gefahrensituation diejenigen die größte überlebenschance hatten, die als Familie dabei waren. Das kann für uns in der Zukunft wohl tatsächlich wichtig werden, uns wieder auf familiäre Bindungen zu besinnen. Aber wie??

Badenser
05.05.2008, 20:10
:)Wir haben jahrelang als Großfamilie unter einem Dach gelebt. Was ich immer als positiv empfunden hatte zumal jeder seinen abgeschlossenen Bereich hatte.

Inzwischen ist unsere Familie allein übrig geblieben, da Groß- und Urgroßeltern leider verstorben. Aber ich empfand es immer als angenehm, man hatte immer jemand zum reden, die Kinder konnten von Wohnung zu Wohnung pilgern. Ich konnte wieder arbeiten gehen ohne dass meine Kinder allein zu Hause waren.

Ob meine Kinder noch lange zu Hause bleiben und sich dieses Modell bei uns fortsetzt ist fraglich und dies liegt leider auch an unserer Gesellschaft. Wird doch jeder ausgelacht der zu lange bei den Eltern wohnt. Der Begriff Hotel Mama i(was immer das auch heißen soll schließlich kann man Aufgaben teilen) ist wohl auch neuzeitlich.