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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kakerlaken, Schimmel, Abfall: Zu wenig Personal für Hygiene-Kontrollen



Webmaster
09.05.2008, 11:43
PFORZHEIM. Da hilft aller Fleiß nichts: Obwohl die beiden Lebensmittelkontrolleure und drei Tierärzte im vergangenen Jahr überdurchschnittlich viele Betriebe kontrollierten, konnten sie damit nicht einmal die Hälfte überprüfen.

Die Zahlen lassen aufhorchen: In Pforzheim gibt es 1929 Unternehmen, die regelmäßig vom Veterinäramt kontrolliert werden müssen. Die zuständigen Mitarbeiter schafften im vergangenen Jahr davon gerade mal 802 – das entspricht 41,6 Prozent. „Es muss jedoch erwähnt werden, dass nicht alle Betriebe einmal pro Jahr überprüft werden müssen“, betont Helge Mayer, Abteilungsleiter des städtischen Veterinärdienstes.

„Allerdings fielen von den in 2007 zu kontrollierenden Betrieben 314 durch das Raster“, ergänzt Mayer. In erster Linie handelte es sich dabei um Betriebe, die nur aktionsweise Lebensmittel im Sortiment führen, wie Ein-Euro-Läden, Kioske mit Süßigkeiten sowie Apotheken, die Tees oder Müsliriegel verkaufen. Bei 39,7 Prozent der kontrollierten Betriebe gab es Beanstandungen. „Die Gründe dafür reichen von Betriebsblindheit bis hin zur Ignoranz. Manchmal ist es auch Unwissenheit gepaart mit Dummheit“, erläutert Mayer. In Sachen Hygienemangel sei die Bandbreite groß und reiche vom unaufgefüllten Seifenspender bis hin zur Unsauberkeit.

Nachdem sich die Quote seit 2004 eher rückläufig entwickelt hatte, gab es im vergangenen Jahr einen deutlichen Sprung nach oben mit einem Plus der Beanstandungen von über 14 Prozent. Dabei handelte es sich bei fast der Hälfte der Fälle um fehlende Hygiene, bei einem Drittel wurde die Kennzeichnung beanstandet, 15 Prozent machen Mängel bei der Eigenkontrolle aus und ein Prozent betrifft Zusammensetzungen.

Mehr EigenverantwortungMayer sieht darin jedoch keinen Trend, sondern führt die Entwicklung auf die häufigen Betreiberwechsel zurück, die es mit den Vorschriften mal mehr, mal weniger genau nehmen. Das „Hygienepaket“ der EU habe laut Mayer vom Grundsatz hier nichts geändert, sondern die Eigenverantwortung der Betriebe gestärkt. Manche kämen damit nur nicht zurecht, dass eben diese Eigenverantwortung auch eingefordert wird, beispielsweise in Form von Dokumentationen.

Keine Aufstockung in SichtLaut der Verwaltungsvorschrift des Bundes beträgt die übliche Kontrollzahl eines Lebensmittelkontrolleurs 1,6 Betriebe pro Tag an 220 Arbeitstagen im Jahr, was in Summe 352 Kontrollen per anno ausmacht. „Insofern waren unsere beiden Kontrolleure sehr fleißig“, sagt Mayer. Anhand der Zahlen lässt sich aber auch für Pforzheim ein eindeutiges Personaldefizit bei der Lebensmittelüberwachung ablesen.

Peter Hauk, Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, habe sich laut Veterinäramtsleiter Mayer bemüht, bis zu 80 zusätzliche Kontrolleure für Baden-Württemberg zu bekommen. Jedoch hat sich diesbezüglich keine Veränderung eingestellt und für Pforzheim ist vorerst keine Personal-Aufstockung in Aussicht.

Goldstadt-Pit
09.05.2008, 11:43
...dies gilt doch nicht nur bei der Lebensmittelüberwachung. Schauen wir uns mal die Öffnungszeiten der Ausländerbehörde an: Hier wird aufgrund Personalknappheit einfach die Öffnungszeit beschränkt. Oder die fehlenden mobilen Mitarbeiter vom Ordnungsamt, welche Verstöße betreff Müllentsorgung prüfen und mit Bußgeldern belegen könnten. Die Kontrolleure der Verkehrsbetriebe jedenfalls können Ihre Arbeitsplätze mit den Einnahmen aus Bußgeldern selbst sichern...
Wer sich nur einmal mit offenen Augen durch unsere Stadt bewegt, weiß was er von der geforderten Eigenverantwortung erwarten kann.