Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Prager Frühling 20/21 Juli 1968
Detlef von Seggern
21.07.2008, 16:19
http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/KontinuitaetUndWandel_photoPragerFruehling/200x.jpg (http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/KontinuitaetUndWandel_photoPragerFruehling/index.html) In der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 rücken Truppen von fünf Warschauer Pakt Staaten in die Tschechoslowakische Sozialistische Republik (CSSR) ein. Damit werden die als "Prager Frühling" bezeichneten Reformversuche der kommunistischen Partei der CSSR gewaltsam beendet. Der Erste Sekretär der Partei, Alexander Dubcek (http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/DubcekAlexander/index.html), wird mit dem gesamten Politbüro verhaftet und in die Sowjetunion gebracht. Am 26. August 1968 müssen sie im "Moskauer Protokoll" die Rücknahme der eingeleiteten Reformen versprechen. Dubcek wird dann im April 1969 zugunsten eines moskautreuen Nachfolgers abgesetzt.
Wer von den "Älteren" Usern in diesem Blog erinnert sich noch an dieses Ereignis, als der Drang nach Freiheit und Demokratie mit Militärgewalt niedergeschlagen wurde, und der Westen (Nato) diesem Ereignis "Tatenlos" zusah !?
August '68: Niederschlagung des "Prager Frühlings"
http://www.fr-online.de/_img/_cnt/_online/080702_1059_19680821_dpa_besatzung_prag.jpg (http://www.fr-online.de/_inc/_multifunktion/_inc/content.php?em_art=galery&em_loc=3311&em_cnt=1358280&em_page=5)
Der aus'm Enzkreis
21.07.2008, 16:38
Wer von den "Älteren" Usern in diesem Blog erinnert sich noch an dieses Ereignis, als der Drang nach Freiheit und Demokratie mit Militärgewalt niedergeschlagen wurde, und der Westen (Nato) diesem Ereignis "Tatenlos" zusah !?
Damals war ich leider noch ein ziemlich unpolitischer Mensch. Ich kann mich nur erinnern, dass damals viele dieses Land verlassen haben und nach Österreich und Deutschland geflohen sind.
Unsere "tollen 68er" hat's glaube ich gefreut und gefallen, an Demonstration oder gar Aufstände gegen diesen Überfall kann ich mich jedenfalls nicht erinnern. Naja, und gegen Freunde demonstriert man ja auch nicht, oder!
Aber vielen der Älteren ging damals der Arsch auf Grundeis, das weiß ich noch.
MfG :mad: :rolleyes: :eek:
Wer von den "Älteren" Usern in diesem Blog erinnert sich noch an dieses Ereignis, als der Drang nach Freiheit und Demokratie mit Militärgewalt niedergeschlagen wurde, und der Westen (Nato) diesem Ereignis "Tatenlos" zusah !?
Damals war ich leider noch ein ziemlich unpolitischer Mensch. Ich kann mich nur erinnern, dass damals viele dieses Land verlassen haben und nach Österreich und Deutschland geflohen sind.
Unsere "tollen 68er" hat's glaube ich gefreut und gefallen, an Demonstration oder gar Aufstände gegen diesen Überfall kann ich mich jedenfalls nicht erinnern. Naja, und gegen Freunde demonstriert man ja auch nicht, oder!
Aber vielen der Älteren ging damals der Arsch auf Grundeis, das weiß ich noch.
MfG :mad: :rolleyes: :eek:
Den letzten Sätzen muß wirklich deutlich widersprochen werden!
Der Prager Frühling und seine Niederschlagung wurde in der Bundesrepublik Deutschland wie kaum ein anderes außenpolitisches Ereignis beachtet und kommentiert. Dabei war das Interesse in allen Teilen der Öffentlichkeit ähnlich groß: Sowohl die konservativen Zeitungen als auch die linksoppositionellen Blätter brachten die Ereignisse auf ihre Titelseiten. So beobachtete einerseits die bürgerliche Presse den tschechoslowakischen Versuch, einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ zu schaffen, mit großer Anteilnahme und fast durchweg positiven Kommentaren, interpretierte die Reformen dabei aber als angestrebte Nachholung des westlichen Standards von Freiheit und Demokratie.
Dagegen entdeckte die außerparlamentarische Opposition (http://de.wikipedia.org/wiki/Au%C3%9Ferparlamentarische_Opposition) der Bundesrepublik im Prager Frühling einen „dritten Weg“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Dritter_Weg), eine „bisher unentdeckte sozialistische Demokratie (http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistische_Demokratie)
Zunächst muss festgestellt werden, dass das Ziel der Reformer nicht etwa die Abschaffung des Sozialismus war, sondern dass die „Zustimmung zum Sozialismus, allerdings nur zu einem reformierten, demokratischen", in der Gesellschaft überwog. Das grundlegende Ziel war also, einen neuen Kommunismus zu schaffen. Im Gegenzug sollte der „Mensch der wichtigste Wert sein“ und das System den Gegebenheiten der ČSSR angepasst werden, anstatt blind von Moskau kopiert zu werden. Die führende Rolle behielt dabei immer die KPC, besonders als der Druck von außen zu wachsen begann.
Auch die meisten konkreten Forderungen lassen sich auf dieses Bild des Sozialismus zurückführen, denn ihnen liegt eine Demokratisierung aller Lebensbereiche zugrunde, beispielsweise des politischen Systems und der KPČ selbst. Der Zentralismus sollte abgebaut werden, Machtkonzentrationen, gerade um Einzelpersonen, sollten verhindert werden, innerparteiliche Demokratie und ein parlamentarischer Mehrparteienstaat unter Führung einer KPČ, die diese durch „konkrete politische Taten“ und durch Gewinnung des Vertrauens in offenen Wahlen legitimiert, sollte aufgebaut werden.
Unsere "tollen 68er" hat's glaube ich gefreut und gefallen, an Demonstration oder gar Aufstände gegen diesen Überfall kann ich mich jedenfalls nicht erinnern. Naja, und gegen Freunde demonstriert man ja auch nicht, oder!
Aber vielen der Älteren ging damals der Arsch auf Grundeis, das weiß ich noch.
MfG :mad: :rolleyes: :eek:
Dem größten Teil der 68er ging es doch überhaupt nicht um die Einführung des Komunismus in Westdeutschland. Es ging eher darum sich der UdSSR anzunähern anstatt die Blockbildung NATO <-> Warschauer Pakt zu verschärfen. Den Einmarsch sowjetischer Truppen (inkl. NVA) in der Tschechoslowakei wurde weder von konservativen, noch von linken Gruppierungen als "toll" empfunden. Beide Seiten befürchteten zurecht eine Eskalation auf andere Gebiete und eine mögliche militärische Reaktion der USA. Die damalige Regierung der BRD betrieb eher eine Politik der Ignorranz anstatt der Annäherung an die Sowjetunion; das wollten die vielgescholtenen 68er aber nicht, da sie einen möglichen Dritten Weltkrieg befürchteten und den hätte wohl kaum ein deutscher Staatsbürger (egal ob BRD oder DDR) überlebt. Nur einige wenige Radikale wollten auch Westdeutschland der Sowjetunion angliedern oder die Loslösung der BRD von der NATO und damit dem wichtigen Partner USA.
Immerhin haben die 68er erreicht, dass wieder Gespräche mit Staaten des Warschauer Pakts stattfanden und das war einiges wert.
R.Schapke
22.07.2008, 20:40
Dagegen entdeckte die außerparlamentarische Opposition (http://de.wikipedia.org/wiki/Au%C3%9Ferparlamentarische_Opposition) der Bundesrepublik im Prager Frühling einen „dritten Weg“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Dritter_Weg), eine „bisher unentdeckte sozialistische Demokratie (http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistische_Demokratie)
Zunächst muss festgestellt werden, dass das Ziel der Reformer nicht etwa die Abschaffung des Sozialismus war, sondern dass die „Zustimmung zum Sozialismus, allerdings nur zu einem reformierten, demokratischen", in der Gesellschaft überwog. Das grundlegende Ziel war also, einen neuen Kommunismus zu schaffen. Im Gegenzug sollte der „Mensch der wichtigste Wert sein“ und das System den Gegebenheiten der ČSSR angepasst werden, anstatt blind von Moskau kopiert zu werden. Die führende Rolle behielt dabei immer die KPC, besonders als der Druck von außen zu wachsen begann.
Auch die meisten konkreten Forderungen lassen sich auf dieses Bild des Sozialismus zurückführen, denn ihnen liegt eine Demokratisierung aller Lebensbereiche zugrunde, beispielsweise des politischen Systems und der KPČ selbst. Der Zentralismus sollte abgebaut werden, Machtkonzentrationen, gerade um Einzelpersonen, sollten verhindert werden, innerparteiliche Demokratie und ein parlamentarischer Mehrparteienstaat unter Führung einer KPČ, die diese durch „konkrete politische Taten“ und durch Gewinnung des Vertrauens in offenen Wahlen legitimiert, sollte aufgebaut werden.
Aha, einen "demokratischen Sozialismus" sollte das also werden...
Wenn man sich auf Marx beruft, kann es nur eine Diktatur des Proletariats geben, sprich also eine Klassengesellschaft und keine demokratische Staatsform!
Der aus'm Enzkreis
22.07.2008, 23:03
@R. Schapke
Aha, einen "demokratischen Sozialismus" sollte das also werden...
Wenn man sich auf Marx beruft, kann es nur eine Diktatur des Proletariats geben, sprich also eine Klassengesellschaft und keine demokratische Staatsform!
Diesen "demokratischen Sozialismus" kann ich mir gut vorstellen. Pfui Deibl!
So demokratisch halt, wie sich seinerzeit die "APO" die von den 68er ein fester Bestandteil war, aufgeführt hat. Am liebsten alles nieder knüppeln, das nicht ihrer Meinung war. Genau, wie die hoch moralischen "Antifas" heute noch sind. Auf alles los gehen, was nicht in ihr Weltbild passt. Das beweisen sie am besten bei ihren alljährlichen Versuchen zum 23. Februar, wenn es gegen den FHD geht.
Also ich kann auf Sozialismus gut verzichten, ob der nun demokratisch "genannt" wird, kubanisch, koreanisch, vietnamesisch, burmesisch oder wie auch immer.
MfG :( :o :eek:
Aha, einen "demokratischen Sozialismus" sollte das also werden...
Wenn man sich auf Marx beruft, kann es nur eine Diktatur des Proletariats geben, sprich also eine Klassengesellschaft und keine demokratische Staatsform!
Tja, hier in diesem Forum gibt es halt so einige Reizwörter......
Trotzdem gebe ich zu bedenken:
Die Revolution in der CSSR fand 1968 statt, also lang vor den Ereignissen und den Erfahrungen der 80er und 90er Jahre mit dem real praktizierten Kommunismus.
Ein gewisser Patočka entwickelte seine Ideologie vom „menschlichen“ Sozialismus im Rahmen einer breiten philosophischen Interpretation der Geschichte der tschechischen Gesellschaft. Die Tschechen strebten nach einer elementaren, durch den Gedanken der Gleichheit geprägten Demokratie, die auch im wirtschaftlich-sozialen Bereich zu einem vollständigen Ausgleich führen sollte. Die Grundlinien dieses Modells liefen dem klassischen westlichen Demokratieverständnis weithin parallel, während sie mit den (alt-)modischen Revolutions und Räteparolen, die damals bei uns zu hören waren, gar nichts gemein hatten.
Wahrscheinlich eine Utopie! Aber so einfach, wie es sich manche hier machen, sollte man diesen Versuch der Tschechen m.E. nicht sehen.
Detlef von Seggern
21.08.2008, 09:07
http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/KontinuitaetUndWandel_photoPragerFruehling/200x.jpg (http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/KontinuitaetUndWandel_photoPragerFruehling/index.html) In der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 rücken Truppen von fünf Warschauer Pakt Staaten in die Tschechoslowakische Sozialistische Republik (CSSR) ein. Damit werden die als "Prager Frühling" bezeichneten Reformversuche der kommunistischen Partei der CSSR gewaltsam beendet. Der Erste Sekretär der Partei, Alexander Dubcek (http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/DubcekAlexander/index.html), wird mit dem gesamten Politbüro verhaftet und in die Sowjetunion gebracht. Am 26. August 1968 müssen sie im "Moskauer Protokoll" die Rücknahme der eingeleiteten Reformen versprechen. Dubcek wird dann im April 1969 zugunsten eines moskautreuen Nachfolgers abgesetzt.
Wer von den "Älteren" Usern in diesem Blog erinnert sich noch an dieses Ereignis, als der Drang nach Freiheit und Demokratie mit Militärgewalt niedergeschlagen wurde, und der Westen (Nato) diesem Ereignis "Tatenlos" zusah !?
August '68: Niederschlagung des "Prager Frühlings"
http://www.fr-online.de/_img/_cnt/_online/080702_1059_19680821_dpa_besatzung_prag.jpg (http://www.fr-online.de/_inc/_multifunktion/_inc/content.php?em_art=galery&em_loc=3311&em_cnt=1358280&em_page=5)
Nur zur Erinnerung an dieses Ereignis vor 40 Jahren, am 21.August 1968
An diesem Tag, hatten bereits Truppen aus den sozialistischen Bruderstaaten UDSSR,Polen, Ungarns und Bulgarien die Tschechoslowakei besetzt, um das Reformvorhaben des Alexander Dubcek, militärisch niederzuwerfen.
Auch zwei DDR-Volksarmee-Divisionen waren mobilisiert,bekamen aber von Moskau, keinen Einsatzbefehl.
Fast "sämtliche" Tageszeitungen berichteten gestern über dieses Ereignis, nur die Pforzheimer Zeitung nicht !?
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